Fachhochschulreife nach dem Hauptschulabschluss
Vom Kochlöffel zum Lötkolben

Alexander Pospiech an seinem Arbeitsplatz bei ZF in Auerbach. Bild: ZF

Einen ungewöhnlichen Berufswechsel legte Alexander Pospiech hin. Vor kurzem beendete er seine Ausbildung zum Elektroniker als bester des IHK-Bezirks. Die Ausbildung begann er bereits als gelernter Koch.

Dabei verlief der Start seiner Schul- und Berufslaufbahn schwierig. Durch den Tod seiner Mutter verlor Alexander Pospiech mit sieben Jahren trotz der Fürsorge der Familie den Halt im Leben. "Meine schulische Laufbahn glich einer Berg- und Talfahrt", sagt Alexander. Nach dem Hauptschulabschluss wusste er nicht recht, welchen Beruf er ergreifen soll.

Die neue Frau seines Vaters, seine "Ersatzmama" Claudia erwies sich als große Stütze und wichtigste Bezugsperson. Von Anfang an verstanden sich die beiden gut. Die Ersatzmama verschaffte ihm Praktika. Zwei in Hotels und eines in einem Industriebetrieb. Claudias Idee war dann auch die Ausbildung zum Koch. Um seine berufliche Orientierungsphase sinnvoll zu nutzen, schlug sie vor, Alexander solle etwas lernen, was man im Leben braucht.

Es sei immer vorteilhaft, wenn ein Mann kochen und haushalten kann. Und da er großen Spaß daran hatte, mit ihr gemeinsam in der Küche zu stehen und "Gemüse zu schnipseln", wurde er Koch, erzählt Alexander. Während des ersten Lehrjahrs wechselte er ins Hotel Wiesend in Kulmain. "Noch heute bin ich Herrn Wiesend für die Gelegenheit dankbar."

Alexander Pospiech packt gerne an. Nachdem er erfahren hatte, dass er als Koch nicht übernommen werden kann, dachte er deshalb nicht lange nach, sondern bewarb sich bei der Firma ZF Friedrichshafen in Auerbach für einen Ausbildungsplatz zum Elektroniker. Den bekam er auch.

Grundlagen der Elektronik


Mit seinem Onkel begann er bereits als Kind, in der Werkstatt zu basteln. Sein Onkel brachte ihm auch die Grundlagen der Elektronik bei. In seiner Freizeit probierte Alexander einfache Schaltungen aus, schloss Leuchtdioden an. Damals wusste er noch nicht genau, wie das funktioniert, aber er freute sich jedes Mal, wenn ein Lämpchen brannte. Die Versuchsobjekte wurden mit der Zeit immer größer. Bald reparierte er defekte Geräte, zum Beispiel eine Kaffeemaschine oder einen Monitor. Dieses Hobby war auch als Koch nützlich. Ein weiterer Vorteil: In der Küche muss es immer schnell gehen. Arbeiten unter Zeitdruck ist auch in seinem neuen Beruf kein Problem.

Als er nach seiner Lehre vor der Wahl stand, eine Stelle als Koch zu suchen oder etwas Neues zu wagen, entschied er sich dafür, seine Leidenschaft für Schaltkreise zum Beruf zu machen. Durch die abgeschlossene Ausbildung war er auf dem gleichen Bildungsstand wie mit der Mittleren Reife, die Voraussetzung für die neue Ausbildung war erfüllt. Er war sich sicher, jetzt den richtigen Job gefunden zu haben. Die Ausbildung zum Elektroniker bei ZF Auerbach machte er nach dem DBFH-Modell (Kasten), erwarb so nebenbei die Fachhochschulreife.

Motiviert zum Fachabitur


In der Berufsschule tat er sich aufgrund seiner praktischen Kenntnisse leicht, ohne großen Lernaufwand erzielte er gute Noten. "Mit dem Fachabitur war das schon schwieriger", erzählt Alexander. "Viel Lernstoff in kurzer Zeit, da musste ich mich reinhängen." Besonders in den Fächern Mathe und Physik hatte er nach der Hauptschule ein Defizit. An der Berufsschule konnte er schon einiges nachholen. Auf die Prüfungen an der FOS musste er sich trotzdem jedes Mal intensiv vorbereiten. Aber er ist froh, diese Hürde genommen zu haben. Alexander ist hochmotiviert und sucht eine neue Herausforderung. Als nächstes möchte er sich zum Techniker weiterbilden. Er ist ein praktischer Mensch, der gerne mit seinen Händen arbeitet und Ergebnisse sieht. Ob ein Studium das richtige für ihn ist, weiß er noch nicht: "Zumindest nicht in den nächsten Jahren."

Der 22-Jährige kocht immer noch gerne, aber hauptsächlich einfache Gerichte. "Aus Zeitgründen", sagt er. Bei ZF gefällt es ihm gut. "Die Leute sind alle sehr nett. Und sie haben Humor." Dafür möchte er seinem Chef und den Kollegen, insbesondere der Personalverantwortlichen, Danke sagen. Nach einigen Kurven hat er mit Unterstützung seiner Familie und Arbeitgeber seinen beruflichen Weg gefunden.

DBFH-ModellBeim DBFH-Modell (Duale Berufsausbildung und Fachhochschulreife) wird die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzt. In diesem halben Jahr erwirbt der Auszubildende in Vollzeit an der Fachoberschule die Fachhochschulreife. Diese Ausbildungsform ist bei am Modell beteiligten Firmen in den Bereichen Elektrotechnik, Metall und in kaufmännischen Berufen möglich.

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Weitere Informationen:

www.schulberatung.bayern.de
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