Familie Gerhard Prösl saniert altes Dammbauernhaus
Atem alter Mauern

Auch der rückwärtige Bereich des Dammbauern-Anwesens am Marienplatz ist geschichtsträchtig. Demonstrativ installierte Gerhard Prösl dort am Nebengebäude mit viel denkmalpflegerischem Aufwand ein längst vergessenes Durchfahrtstor eines ehemaligen Bauernhauses am Karlsplatz.

Um wertvolle Bausubstanz zu erhalten, muss nicht immer der Ruf nach öffentlichen Trägern erfolgen. Besonders Privatinitiativen geben den Altstadtstädten ihr liebenswertes Gesicht zurück. In Eschenbach geht die Familie Gerhard Prösl eindrucksvoll diesen Weg.

Nur wenige Städte in der Oberpfalz verfügen noch über einen Altstadtgrundriss, der die Stadtgeschichte so eindrucksvoll wiedergibt und erlebbar macht, wie Eschenbach. Initiativen zur Sanierung der Altstadt gibt es seit 30 Jahren. Der Erfolg ist sichtbar. Viele Maßnahmen beweisen, dass auch das Alte wertvoll sein kann. Einer, der davon überzeugt ist, ist Gerhard Prösl. "Alles, was man erhalten kann, soll man auch bewahren", betont der Seniorchef der Baufirma Prösl. Seine Familie beweist das immer wieder.

Imposantes Gebäude


Vor allem denkmalgeschützte Gebäude gehören zu ihren Lieblingsobjekten. War es vor einigen Jahren das ehemalige Bahnhofsrestaurant, das Juniorchef Stephan Prösl aufwendig sanierte, widmen sich Tochter Susanne und der Firmenchef selbst der liebevollen Restaurierung des sogenannten Dammbauernhauses. Auch dieser mächtige Bau am Eingang zur Altstadt gegenüber von Stadtpfarrkirche und Pfarrhof verwandelte sich vom städtebaulichen Sorgenkind zum Musterprojekt der Stadtbild- und Ensemblepflege.

Schon im 19. Jahrhundert gehörte das schmucke Anwesen zu den Ausnahmeerscheinungen auf dem Eschenbacher Stadtplatz. Beschrieben wurde es damals als "Haus am Unteren Tor", breit und behäbig, von auffallender Größe. Interessant auch die Bewertung: "Das Haus strahlt Wohlhabenheit aus und nimmt sich respektvoll zurück, um Weg und Sicht freizumachen für den geistlichen Herrn in der Nachbarschaft." Abgeleitet ist der Hausname "Dammbauern" von der Ufernähe des damaligen Stadtweihers sowie des freifließenden Eschenbachs und Metzgergrabens. Ein Damm schützte beim Ablassen des Rußweihers und der Eschenbacher Weiherkette sowie bei Unwettern vor Überflutung.

Erinnerung an früher


Bewahren und Gestalten - von diesem Kernsatz zur Erhaltung historischer Bausubstanz lässt sich Susanne Prösl leiten. Die Architektin schwärmt von Altstadthäusern: "Alte Mauern atmen den Geist der guten alten Zeit und künden von altem Kaufmannsgeist."

"Und ich schwärme vom Oberpfälzer Zaubertrunk", fügt Gerhard Prösl schmunzelnd hinzu: Der Zoigl hat im Dammbauernhaus eine lange Geschichte. Das bestätigen auch Protokolle des Eschenbacher Magistrats. Ihn, den Zoigl, hinter geschichtsträchtigen Mauern wieder zum Leben zu erwecken, davon träumt der Firmenchef.

Im Eigentum der Familie Prösl ist das denkmalgeschützte Gebäude am Marienplatz "mit abgewinkelter Straßenfront und Halbwalmdach, frühes 19. Jahrhundert", so die Schilderung in der Denkmalliste, seit dem Jahr 2002. Eine Generalsanierung folgte. Handwerker machten sich auch an die Entkernung des mächtigen Hauses. Die Innengestaltung spiegelt nun goldene Zeiten wieder. Nur noch wenige Restarbeiten sind nötig, um in dem Gebäude wieder Sternstunden gemütlicher Gastlichkeit erleben zu können. Auch das Kellergewölbe wurde aufwendig restauriert.

Die jüngsten Sanierungsarbeiten gehörten dem rückwärtigen Bereich. Auch dieser hat Geschichte. Ein neu gestalteter Innenhof verspricht Biergarten-Atmosphäre. Und: Nach vielen Jahrzehnten entdeckte Gerhard Prösl in seinem Besitz ein historisches Eingangstor wieder, das einmal auf dem Karlsplatz ein Ackerbürgerhaus schmückte. "Ich habe es bei Abbrucharbeiten gerettet." Jetzt schmückt es ein Nebengebäude des Dammbauern-Anwesens.

Ratespiel


Näheres zu dem historischen Tor will Prösl derzeit aber nicht verraten. Er macht es spannend: Die Eschenbacher dürfen raten, in welcher Durchfahrt das handwerkliche Meisterwerk einst eingebaut war. "Die Restaurierung und Anpassung durch Spezialisten haben eine Stange Geld gekostet", merkt der private "Denkmalpfleger" an.

Nun hofft er für das Anwesen auf einen Wirt mit Leidenschaft. Seine Vorstellung: eine Pacht auf Probe, ohne großes Risiko für den Pächter. Dann würde ein Stück Eschenbacher Biergeschichte, und das in der Nachbarschaft des abgebrochenen Kommunbrauhauses, wieder Realität.
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