Fischknochen bleibt Zwölfjährigem im Hals stecken
Karpfen-Partie endet mit Gräten-Tortur

Birgit Fuchs und ihr Sohn Fabian. Im Hals des Zwölfjährigen war eine Karpfen-Gräte stecken geblieben. Der Bub konnte nicht mehr schlucken. Als die Familie endlich einen Arzt gefunden hatte, der ihm helfen konnte, war der Knochen verschwunden. Bild: Götz

Eschenbach/Weiden. Der zwölfjährige Fabian Fuchs aus Eschenbach (Kreis Neustadt/WN) ist begeisterter Angler. Fisch gehört zu seinen Lieblingsspeisen. Doch der Appetit auf Karpfen ist ihm derzeit vergangen. Nach einer Fischmahlzeit blieb ihm eine Y-Gräte im Hals stecken. In diesem Falle nicht lebensgefährlich, aber äußert unangenehm für den Buben. Es folgte eine Odyssee durch Nordbayern: 450 Kilometer, acht Stunden, vier Krankenhäuser. Als ihm endlich ein Arzt helfen kann - ist die Gräte verschwunden.

Nachmittags, gegen 15.30 Uhr verhakte sich die Gräte im Hals des Jungen. Ein komisches Gefühl. "Er musste immer in ein Handtuch spucken, um seinen Speichel los zu werden. Er konnte ja nicht mehr schlucken - über sechs Stunden lang. Er hatte zwar keine Atemprobleme, aber die Sache war für meinen Sohn sehr, sehr unangenehm", erinnert sich Mutter Birgit.

Ratloses Internet


Zuerst versuchte sich Familie Fuchs in Online-Selbsthilfe, doch die Tipps im Internet halfen nichts. Danach habe die Mutter alle Ärzte in Eschenbach kontaktiert, sogar die Zahnärzte rief sie an. "Aber die haben alle zu gehabt oder waren im Urlaub", klagt Birgit Fuchs. Also fuhr die Familie nach Kemnath ins Krankenhaus. Dort habe man bei dem Jungen "nur ganz kurz reingeschaut und gesagt, dass man nichts erkennt", wie Birgit Fuchs erzählt. Die Kemnather Ärzte hätten nichts machen können, so die Eschenbacherin, man solle nach Weiden in die Klinik. Im dortigen Klinikum habe der Junge erst einmal eine halbe Stunde warten müssen, ehe man sich seiner annahm, sagt die Mutter. Von "Kümmern" könne laut Fuchs jedoch keine Rede sein: "Die haben nicht mal richtig nachgeschaut. Es kam nur eine Schwester und sagte: Es tut mir leid, aber es ist kein HNO-Arzt im Krankenhaus." Da dürfte es inzwischen 17.45 Uhr gewesen sein, so die Mutter. Stephan Landgraf, der Pressesprecher der Kliniken Nordoberpfalz AG, sagt zu den Vorwürfen: "Bei dem Jungen wurde nach Rücksprache mit der Schwester und der Ärztin mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nachgeschaut." So hätte man laut Landgraf festgestellt, dass die Sauerstoffsättigung des Jungen bei 98 Prozent lag, und es sich somit um "keinen akuten Notfall handelt und keine Gefahr durch Erstickung besteht". "Wäre die Gefahr einer Erstickung gegeben gewesen, wäre der Junge sofort in die Zentrale Notaufnahme gebracht und dort intensivmedizinisch behandelt worden", sagt Landgraf. Im Fall von Fabian Fuchs sei dieser "erhebliche Eingriff" nicht erforderlich gewesen.

So habe sich das Klinikum an den vorgeschriebenen Weg gehalten, den Jungen an eine Bereitschaft habenden Praxis zu überweisen, wie Landgraf mitteilt. Denn: "Bei der Kliniken Nordoberpfalz AG sind keine eigenen HNO-Ärzte angestellt. Die HNO-ärztliche Versorgung erfolgt über das Belegarzt-System." Die Familie müsse auf Hilfe eines Notdienstes zurückgreifen. Allerdings hatte zu dieser Zeit in der Region Weiden kein Notdienst Bereitschaft. Der Grund hierfür liegt laut Landgraf bei der "Neuordnung des HNO-ärztlichen Bereitschaftsdienstes". Die Schwester im Klinikum Weiden habe mit dem Notdienst telefoniert, so der Weidener Pressesprecher. Der nächstgelegene HNO-Arzt, der im Bereitschaftsdienst war, sei in Bayreuth gewesen.

Ab nach Erlangen


Als die Eltern mit dem Junior in Bayreuth ankamen, war es laut Fuchs 19.45 Uhr. Der HNO-Arzt dort sei "sehr nett und hilfsbereit" gewesen und habe "dem Jungen immer wieder geholfen und ihn beruhigt". Immerhin konnte der Zwölfjährige schon seit über vier Stunden nicht mehr schlucken, immer wieder hob es den Jungen, erinnert sich seine Mutter. Der Arzt habe bei der Untersuchung eine "riesengroße und y-förmige" Gräte entdeckt, die sich aufgespießt hatte. Nur dagegen machen konnte der Mediziner nichts, denn die Gräte sei inzwischen in die Speiseröhre abgerutscht. Wie Brigit Fuchs schildert, habe der Arzt erklärt, dass er mit seinen Mitteln nicht an die Gräte herankommen würde. Im Uniklinikum Erlangen könne man dem Jungen aber helfen.

Also fuhr Familie Fuchs nach Erlangen. Dort kam sie gegen 21.45 Uhr an. Und der zuständige Arzt stellte laut Fuchs dann fest: "Die Gräte ist nicht mehr da." Sie müsse entweder runtergerutscht sein oder der Junge habe sie beim Spucken ausgesondert. Die Erleichterung war groß, der Junge konnte endlich etwas trinken und etwas essen. "Wir sind insgesamt über 450 Kilometer gefahren und waren erst um 23.30 Uhr wieder zu Hause", sagt Birgit Fuchs.

Was die Eschenbacherin besonders ärgert, war die erste Reaktion in allen Krankenhäusern: "Die haben immer erst gefragt: Haben sie ihre Versicherungskarte dabei? Die haben eingesackelt, aber im Endeffekt nichts getan." In erster Linie ist sie aber froh, dass die Geschichte gut ausgegangen ist. Wenn sie im Nachhinein daran denkt, kriegt sie noch immer Angst: "Das hätte ja auch alles ganz anders ausgehen können." Fabian Fuchs hat sich wieder erholt. Der Appetit auf Fisch sei ihm aber vergangen.
Er musste immer in ein Handtuch spucken, um seinen Speichel los zu werden. Er konnte ja nicht mehr schlucken - über sechs Stunden lang.Birgit Fuchs
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