Gabriele Gabriel wechselt von Eschenbach nach Tokio
Gemeindereferentin mit Fernweh

Bei einem Ausflug auf den Vulkanberg Zukuala am Ziway-See im äthiopischen Riftvalley: (von links) ein einheimischer Priester, dann Tobias, Gabriele, Thomas, Manfred und Naomi Gabriel. Die kleine Tochter bewunderten die einheimischen Kinder wegen ihrer blonden Haare, weil sie so etwas noch nie gesehen hatten.
 
Bei ihrem achtjährigen Aufenthalt in Afrika machte Gabriele Gabriel auch die Bekanntschaft von sogenannten Tellerlippen-Frauen. In einen Schnitt unter der Lippe wird ein Pfropfen gesteckt, der zu solch breiten Lippen führt. Repros: gpa (2)

"Mein Wunsch ist es, mit Ihnen ein Stück im Leben zu gehen, Feste und Zeiten des Kirchenjahres mit Ihnen zu leben." Das hat Gabriele Gabriel als Gemeindereferentin in den vergangenen drei Jahren auch getan. Am Sonntag um 10.30 Uhr nimmt die Pfarrei bei einem Familiengottesdienst Abschied von ihr: Gabriel übernimmt eine neue Aufgabe in der Pfarrei St. Michael in der japanischen Hauptstadt Tokio.

Auch auf ihren Beruf sei sie eigentlich durch die vielen Menschen, die sie im Ausland kennengelernt hat, gekommen, sagt sie. "Sie waren mir in Hongkong meine geistliche Familie", erläutert sie den Grund ihrer Entscheidung für den Kirchendienst. "Ich habe erfahren, wie es ist, einer anderen Kultur und Religion anzugehören wie die Menschen im Gastland."

Die Ehegattin von Dr. Manfred Gabriel, Mutter von inzwischen vier erwachsenen Kindern und Oma eines fünfjährigen Buben ist eine reiselustige Frau. Das zeigt ihr Leben. So verbrachte sie acht Jahre in Äthiopien, als ihr Ehemann als Lehrer an der Deutschen Schule in der Hauptstadt Addis Abeba unterrichtete.

Gerne erzählt Gabriele Gabriel von dieser "schönen Zeit", in der die Familie auf abenteuerlichen Ausflügen das Land erkundete und Bekanntschaft mit den Einheimischen suchte. Da es in Äthiopien mehr als 40 Dialekte gibt, war Zeichensprache gefragt; Arme und Beine dienten als Hilfsmittel. "Für unsere Ausflüge mit dem geländegängigen Toyota waren genügend Treibstoff, ein Ersatzreifen und ein Wassertank, ein Gaskocher sowie Konserven wichtig. Ungewohnt war auch, dass für Ausflüge ins Landesinnere die Erlaubnis äthiopischer Behörden eingeholt werden musste."

Interessantes Land


Trotzdem sei das Land interessant gewesen. "Man begegnete Frauen, die Wasser in Tonkrügen oft kilometerweit schleppen mussten, Mädchen mit Arm- und Beinreifen als Schönheitsideal, die aber mit zunehmendem Alter ihre Spuren hinterlassen." Ungewöhnlich sei auch der Anblick von "Tellerlippen-Menschen" gewesen - und auch von "Giraffenfrauen". Letztere erhalten von Kindheit an jährlich einen Metallring um den Hals, der so zu einem Schwanenhals wird.

Prägend für Gabriels weiteres Leben war die Begegnung mit einem Salesianer-Pater, den sie bei einer Auslandskonferenz in Addis Abbeba kennenlernte. Dieser war 1994 mit Hilfe von "Blauhelm"-Soldaten dem Genozid in Ruanda entkommen. Eine Million Menschen wurden damals Opfer des Mordens verfeindeter Tutsis und Hutus. Trotz des Verbots der Ordensoberen ging der Pater nach Ruanda zurück, um Waisenkinder zu betreuen. Das hat mir so imponiert, dass ich dem Priester Patenschaften in Deutschland besorgt habe", erinnert sich Gabriele Gabriel.

Studium der Theologie


Der Abschied von Äthiopien ist der Familie schwer gefallen, auch wenn sie im Ausland blieb: Fünf Jahre Tätigkeit von Dr. Manfred Gabriel in Hongkong folgten. 2006 wurden die Auslandsjahre schließlich beendet, die Familie kehrte nach Wunsiedel zurück. Ehemann Manfred wurde wieder Lehrer am Gymnasium - und Gabriele Gabriel begann, Theologie zu studieren. Nach bestandener Prüfung wurde sie in den kirchlichen Dienst der Diözese übernommen, am 1. September 2013 wurde sie Gemeindereferentin in St. Laurentius.

Nun wird, ebenfalls am 1. September, die Pfarrei St. Michael in Tokio, der Hauptstadt Japans, ihr neuer Arbeitsplatz. Es sei Zufall gewesen, dass sie beim Blättern in einem Journal für Auslandsseelsorge auf die freie Stelle dort aufmerksam geworden sei, berichtet sie. In Absprache mit ihrem Mann habe sie Kontakt zu der Pfarrei aufgenommen, im Januar sei mit Erlaubnis Regensburgs der Wechsel perfekt gemacht worden.

"Mein Arbeitsumfeld in der Pfarrei ist deutschsprachig, und auch in der Schule spricht man Deutsch", erzählt sie. "Es liegt an mir, inwieweit ich mich in das japanische Leben einfüge. Aber ich werde zusammen mit meinem Mann Japanisch lernen"

Gabriel freut sich darüber, dass ein an der Universität Tokio arbeitender Jesuit Dr. Manfred Gabriel dort eine Stelle für Deutsch als Fremdsprache angeboten hat. "Aber vorerst spielt mein Mann meinen Chauffeur, da ich mit dem japanischen Linksverkehr überhaupt nicht zurechtkomme. Außerdem muss der 'Geograph mit Leib und Seele' für mich den Pfadfinder in Tokio mit oft bis zu achtspurigen Straßen machen."
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