Gasunfall in Eschenbacher Firma
Nachtschicht muss Firma räumen

Auf dem Firmengelände von Rogers trat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Gasgemisch aus. Akute Gefahr bestand weder für die Mitarbeiter noch für die Eschenbacher Bevölkerung. Bild: jma
 
Auf dem Firmengelände von Rogers trat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Gasgemisch aus. Akute Gefahr bestand weder für die Mitarbeiter noch für die Eschenbacher Bevölkerung. Bild: jma

Erst der Schock, dann die Erleichterung: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag trat aus einer Firma im Eschenbacher Industriegebiet ein Gasgemisch aus. Gefahr bestand weder für die Mitarbeiter noch für die Bevölkerung. Das Gebäude mussten die Angestellten dennoch verlassen.

(esc/jma) Kurz vor Mitternacht ging der Notruf bei der Integrierten Leitstelle ein. Zur Herstellung von Leistungselektronik werden in dem Betrieb auch verschiedene Chemikalien verwendet. "Ein Teil davon wird entsorgt", erklärt Werner Stopfer, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Eschenbach. Die Abfälle der verschiedenen Gemische - Essigsäure, Wasserstoffperoxid und Wasser - werden in sogenannten IBC-Behältern ordnungsgemäß aufbewahrt.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat sich einer dieser Behälter aufgebläht. Dadurch hat sich der Deckel des Containers gelöst und das Gasgemisch hat sich bis nach draußen ausgebreitet. In dem separaten Raum, in dem die Behälter bis zur Abholung gelagert werden, löste sich ein Alarm aus. Das sei der Fall, wenn ein gewisser Wert an Wasserstoffperoxid überschritten werde. "Die Mitarbeiter sind mit Atemschutz in den Raum rein und haben danach die Feuerwehr alarmiert", sagt Stopfer weiter. Die Firma wurde evakuiert, etwa 60 Mitarbeiter mussten das Gebäude verlassen. Sie wurden ins Feuerwehrhaus in Eschenbach gebracht und dort von BRK-Helfern versorgt.

Die Polizei untersucht nun, weshalb sich der Behälter aufblähte und sich der Deckel löste. Die Sicherheitsdatenblätter werden laut Stopfer überprüft. Warum sich der Behälter ausgedehnt hat, "können wir noch nicht sagen", sagt Stopfer. Es könne an der Wärme der vergangenen Tage liegen, die sich in der Lagerhalle gehalten habe. Möglicherweise haben durch die Wärme die Chemikalien anders reagiert als sonst. Um zu verhindern, dass sich noch weitere Behälter ausdehnten, kühlte die Feuerwehr die anderen Behältnisse ab.

Die insgesamt 180 eingesetzten Kräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, des THW und der Polizei waren erleichtert, dass niemand verletzt worden war. Die Einsatzkräfte waren bis in die frühen Morgenstunden beschäftigt. Es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Eschenbacher Bevölkerung, betont Stopfer. Hinweise auf ein Fehlverhalten der Belegschaft könne ausgeschlossen werden.

Auch wenn es aktuell keine Anhaltspunkte auf eine Straftat gibt, wird die Staatsanwaltschaft Weiden informiert. Ein Sachschaden war nicht zu festzustellen, lediglich ein durch den Einsatz verursachter Produktionsausfall sei zu beklagen.

Stellungnahme von RogersDem ersten Schock folgte ein kräftiges Aufatmen, schildert Thoms Mertes, Operations-Director der Firma Rogers Germany, die ersten Stunden nach der Alarmierung. Mit Personalchefin Anette Enders gab Mertes eine Stellungnahme zum nächtlichen Chemieunfall.

Einem Mitarbeiter seien ungewöhnliche Verformungen des speziellen Abfall-Chemikalienbehälters aufgefallen. Es folgten die Alarmierung bei der ILS und wegen des vermuteten Gasaustritts die Evakuierung des Gebäudes.

Für den Unternehmenssprecher war besonders wichtig, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Lob zollten Mertes und Enders dem vorbildlichen Verhalten der Beschäftigten und den zahlreichen Brandschützern. Der Einsatz verlief perfekt, urteilte Mertes. Nobel nannte er auch das Angebot der Feuerwehr, die 57 Mitarbeiter im Eschenbacher Feuerwehrhaus für einige Stunden zu betreuen. Dank des umsichtigen Verhaltens aller Beteiligten sei die Produktion noch während der Nachtschicht wieder angelaufen. (do)
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