Johann Friedl stirbt 1902 an Schlaganfall
Tod an Allerseelen

Johann Friedl war Landtagsabgeordneter, Bürgermeister und Posthalter von Kirchenthumbach. Er stammte aus Altzirkendorf und hatte 13 Kinder. Repro: ü
 
In der Nähe des Kandelweihers steht im Wald dieser Gedenkstein. Er erinnert an den Posthalter Johann Friedl. An dieser Stelle erlitt er am 2. November 1902 einen tödlichen Schlaganfall. Bild: ü

Am Allerseelentag, am 2. November 1902, lag tiefe Trauer über dem Markt Kirchenthumbach. Vor genau 114 Jahren starb der Bürgermeister, Landtagsabgeordnete und Posthalter Johann Friedl an den Folgen eines Schlaganfalls.

Kirchenthumbach. Der Tod ereilte ihn in seiner Pferdekutsche zwischen Eschenbach und Kirchenthumbach. Ein Gedenkstein steht am Rand des Geh- und Radweges unweit des Kandelweihers auf der rechten Wegseite. Das Marterl ließ die Familie Friedl 1903 errichten. Die bereits verstorbene Katharina Schmidt, Enkelin des Königlichen Abgeordneten und Bürgermeisters, hat die Biografie ihres Großvaters niedergeschrieben: Johann Friedl, Posthalter von Kirchenthumbach, war weit über den Ort hinaus bekannt. Nicht nur weil er seine vier Postkutschen täglich in alle Himmelsrichtungen schickte, um Briefe und Pakete zu befördern, er wurde auch in seinen besten Jahren als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt.

Lang und beschwerlich war zur damaligen Zeit eine Fahrt in die Landeshauptstadt, wo sich Friedl für seinen Heimatbezirk energisch einsetzte. Ein gottesfürchtiger, strenger Mann war er den Aufzeichnungen seiner Enkelin zufolge auch zu Hause bei seiner Familie und seinen Bediensteten. Das hielt er so bis zu seinem letzten Tag, dem 2. November 1902. Obwohl er sich nicht wohl gefühlt hatte, wollte er an Allerseelen der Einladung zum Abschied des Bezirksamtmanns in Eschenbach Folge leisten.

Seine Frau Katharina wollte ihn nicht alleine fahren lassen und bat ihn, einen Kutscher oder einen seiner Söhne mitzunehmen. "Die sollen nur in die Kirche gehen und beten", entgegnete er, setzte sich auf den Einspännerwagen und fuhr mit seinem "Bräunl", so nannte er sein Pferd, nach Eschenbach. Nicht so lange wie sonst hielt sich der Posthalter. Bald schon ließ er wieder einspannen und verabschiedete sich. "Er muss wohl auf der Heimfahrt recht langsam vom Fleck gekommen sein, denn der Forstmeister, ebenfalls von Kirchenthumbach, hat mit seiner Kutsche den Posthalter überholt und sich gewundert, dass er noch nicht weiter war", heißt es in der Biografie. Deshalb fragte er ihn, ob es ihm wohl nicht gut sei. Der "Herr Forstmeister" solle weiterfahren, soll Friedl entgegnet.

Der Forstmeister war längst schon in tiefem Schlaf, als bei ihm im Hausflur die Glocke anschlug und die besorgte Posthalterin anfragte, ob er nichts vom Verbleib ihres Mannes wisse. Der Forstmeister, nichts Gutes ahnend, gab ihr den Rat, sich gleich mit ihren Söhnen auf die Suche zu machen. Ein Sohn fuhr den oberen Weg, die Posthalterin mit dem Ältesten den unteren Weg, damit sie den Vater ja nicht verfehlen konnten. Letztere kamen mit dem großen Wagen nicht so schnell vorwärts. Doch als sie ein Stück des Weges waren, hörten sie von weit her schon das Jammern und Schreien des Sohnes Michael, der als erster den toten Vater entdeckt hatte. Ein Schlaganfall hatte das Leben von Katharina Schmidts Großvater ausgelöscht. Als sein lebloser Körper zur Seite fiel, riss er auch die Zügel mit. Das Pferd ging so weit es konnte nach links, dabei fiel der Wagen um. Erst dann blieb es stehen und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Während vergeblicher Wiederbelebungsversuche mitten im Wald verstrich die Nacht. An der Unglücksstätte wurde ein Marterl aus Stein errichtet, auf dem heute noch der Name und der Todestag 2. November 1902 zu lesen ist.
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