Landrat Andreas Meier zum Notarztstandort Eschenbach
Leserbriefe schüren Ängste

Notarztstandort in Eschenbach. (Foto: gpa)
 
"Es gibt wahrscheinlich nichts moralisch Verwerflicheres, als mit der Angst von Menschen zu spielen." Zitat: Landrat Andreas Meier

Dem Landrat reicht's: Nach zwei Leserbriefen zur Besetzung des Notarztstandorts Eschenbach spricht Andreas Meier Klartext.

Nach den Leserbriefen in der Mittwochsausgabe zur Besetzung des Notarztstandorts (zum Artikel "Zu 99,9 Prozent besetzt" vom Samstag) reagiert Landrat Andreas Meier drastisch: "Es gibt wahrscheinlich nichts moralisch Verwerflicheres, als mit der Angst von Menschen zu spielen und diese ganz bewusst zu instrumentalisieren für einen persönlichen Kleinkrieg gegen die Institutionen. Speziell die Angst des Menschen, im Not- und Krankheitsfall, wenn es vielleicht sogar um Leben und Tod geht, nicht schnelle und kompetente Hilfe zu bekommen, zählt hierbei wohl zu den schlimmsten Ängsten", schreibt Meier an den "Neuen Tag".

Beide Leserbriefschreiber kritisieren die Kliniken Nordoberpfalz AG (KNO), weil diese derzeit keine Notärzte an den Standort schickt, und warnen vor Engpässen bei der Besetzung. Für den Landrat spielen sie mit Ängsten, weil sie nicht würdigen, dass der Notarztdienst auch ohne Kliniken AG hervorragend läuft. Mit einer Ausfallzeit von weniger als 0,1 Prozent im Urlaubsmonat August steht Eschenbach besser da als der bayernweite Durchschnitt.

KVB: Eschenbach sehr gut abgedeckt


Auch Gökhan Katipoglu warnt davor, Ängste zu schüren: Der Leiter des "Kompetenzzentrums Notdienste" ist bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB) für die Notarztstandorte zuständig. Auch er betont, Eschenbach sei sehr gut abgedeckt, eine Besetzung ohne KNO problemlos möglich. "Deshalb kommt für die KVB eine immer wieder ins Spiel gebrachte Verpflichtung der Kliniken zum Notarztdienst nicht in Frage." Eine solche wäre mit einer höheren Honorierung verbunden. Allerdings sehe der Gesetzgeber sie nur als Ausnahmelösung vor. "Selbst wenn ich wollte, könnte ich den Schritt nicht gehen." Er bedauert, dass die Kliniken die Ermächtigung zum freiwilligen Notarztdienst hat auslaufen lassen. "Wir hätten gerne weiter zusammengearbeitet."

Richtig sei der Hinweis in einem der Briefe, dass die KNO für ihre freiwillige Beteiligung nicht nur eine Aufwandsentschädigung erhalten. Es fließe das gleiche Honorar, von dem hauptberufliche Notärzte leben. Den genannten Honorarbetrag von 316,30 Euro bestätigt Katipoglu aber nicht. "Diese Statistik stammt nicht von der KVB." Zudem seien die Zahlen älter und wegen eines neuen Vergütungsmodells seit dem Jahr 2016 nicht übertragbar.

Die Statistik stammt tatsächlich von einem Notärzte-Blog und weist den genannten Betrag als Tages-Honorar für die Zeit von 7 bis 22 Uhr aus. Die Kliniken leisteten bis Juli donnerstags und freitags von 8 bis 17 Uhr Dienst am Standort, weshalb das durchschnittliche Honorar deutlich niedriger ausgefallen sein dürfte. Genau lässt sich dies nicht sagen, denn sowohl KVB als auch KNO machen zur Entlohnung keine konkreten Angaben. Katipoglu verweist auf die komplizierte Zusammensetzung des Honorars. Von den Kliniken gibt es ebenfalls keine Zahlen: "Uns ist wichtig, dass wir die Kosten decken", erklärt KNO-Sprecher Stephan Landgraf. Eine Verpflichtung habe die AG vor allem gegenüber eigenen Patienten, Trägern und Mitarbeitern.

Kritik von Landrat Andreas Meier


Auch der Landrat kritisiert falsche und aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen. So habe er den Runden Tisch nicht einberufen, um Missstände zu beheben, sondern um Fehlinformationen und Gerüchte aufzuklären. "Quatsch" seien die Aussagen zum Rettungshubschrauber. Von einem Mitflug weiß Meier, dass der Notarzt immer am Stützpunkt Latsch bereitsteht. Auch der laufende Rotor behindere den Einsatz nicht. "Nach der Landung steigen bei laufendem Rotor Arzt und Sanitäter aus." Solch falsche Aussagen würden unnötige Angst machen.

Große Hoffnung, dass diese Argumente die Kliniken-Gegner überzeugen, scheint Meier nicht zu haben: "Es gibt wahrscheinlich nur wenige Dinge, die schwieriger sind, als jemanden von etwas zu überzeugen, das er partout nicht sehen, nicht hören, nicht glauben - ja einfach nicht wahrhaben will", schreibt er. "Es kostet Kraft, Geduld und jede Menge Arbeit, immer wieder Fakten zu sammeln, Anschuldigungen haarklein zu widerlegen und letztlich immer aus der Defensive heraus zu reagieren, in die man völlig grundlos genötigt wird, wenn das Gegenüber einem schlichtweg immer und immer wieder einfach nicht glaubt." Deshalb sei der Punkt erreicht, an dem der Dialog keinen Sinn mehr mache.

Eine GlaubensfrageZum Schluss zieht Landrat Andreas Meier folgendes Fazit: "Am Ende des Tages ist es eine ganz persönliche Glaubensfrage, auf welche Seite man sich in dieser Diskussion stellt oder man sich stellen will und welche Wahrheit oder auch vermeintliche Wahrheit man akzeptiert und glaubt oder eben nicht. Wer weiterhin bewusst Misstrauen, Feindschaft und Angst schüren will, der wird dies sicherlich auch weiter tun. Wir werden jedenfalls künftig unsere Energie nicht mit dem Kampf gegen diese Windmühlen vergeuden, sondern sie wieder voll und ganz darauf verwenden, die bestmögliche Sicherheit und Hilfe für alle Menschen in Not zu gewährleisten. Nach bestem Wissen und Gewissen." (wüw)


Es gibt wahrscheinlich nichts moralisch Verwerflicheres, als mit der Angst von Menschen zu spielen.Landrat Andreas Meier



Angemerkt von Wolfgang Würth: Wo Fakten keine Rolle spielenDass ein Landrat auf Leserbriefe reagiert, ist nicht alltäglich. Die beiden Schreiben zum Notarztstandort waren aber wohl nur der berühmte Tropfen ins eh schon volle Fass. Seit die Kliniken AG Ende 2011 die Schließung des Krankenhauses Eschenbach bekannt machte, scheinen für die Kritiker Tatsachen keine Rolle zu spielen: der finanzielle Druck auf kommunale Krankenhäuser ebenso wenig, wie der Fakt, dass das Haus vor allem schließen musste, weil viele Bürger des Vierstädtedreiecks im Zweifel eine Klinik dem Landkrankenhaus vorzogen.

Nun gerät die starke Besetzungsstatistik des Notarztpostens zur Nebensache. Dass immer ein Notarzt bereit steht, scheint den Kritikern kein Grund zur Freude. Sie ärgern sich lieber, weil der Arzt in der Rettungswache nicht von der AG bezahlt wird. Landrat Meier ist nun wütend, weil so der falsche Eindruck entsteht, es gebe für die Menschen Grund zur Sorge. Die Kritiker nehmen diesen in Kauf.

Dass Klinikumsärzte für mögliche künftige Engpässe bereitstehen und das heute gesparte Kliniken-Geld mittelbar dem Landkreis und den Menschen der Region zugutekommt, spielt ebenso keine Rolle. Die Informationspolitik der Kliniken AG im Vierstädtedreieck war sicher nicht immer optimal. Andererseits scheint es aber auch egal, wann und wie die Kliniken-Leitung über Neuigkeiten rund um den Standort Eschenbach informiert: Der wütenden Kritik kann sie sich immer sicher sein.


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