Leserbrief
Kliniken AG bekommt genug Geld

Wiederholt wurde in drei Artikeln über den Notarztstandort Eschenbach, bei dem sich die Kliniken Nordoberpfalz AG aus dem Dienst zurückgezogen hat, der Eindruck vermittelt, dass die Kliniken AG diesen Dienst beinahe kostenlos erbracht hat. Die Kliniken AG wurde aber wie jeder andere Notarzt vergütet, einerseits für die Bereitschaftszeiten, andererseits für die Einsätze. Laut einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns wird am Standort Eschenbach in der Tagschicht ein durchschnittliches Honorar von 316,30 Euro bezahlt. Einnahmen von Privatpatienten kommen hinzu. Hier nur von einer „Aufwandsentschädigung“ oder sogar von der Tatsache zu sprechen, dass man „kein Geld“ erhält (Vorstand Götz im Artikel vom 14. Juni) verbietet sich. Dass man mit nur zwei Arbeitstagen pro Woche wie bis Ende Juni keine eigene Stelle für einen Arzt finanzieren kann, ist für jeden einleuchtend. Es liegt aber nicht an der Bezahlung, sondern an der erbrachten Arbeitszeit durch die Kliniken AG, und es ist deswegen auch nachvollziehbar, dass die Kassenärztliche Vereinigung sich nicht auf die von der Kliniken AG gewünschte Verpflichtung und damit auf die Übernahme der vollen Kosten für einen Arzt einlässt.

Bei der Diskussion seit Beginn der Schließungspläne des Krankenhauses haben mich vor allem „Halbwahrheiten“ gestört, die man uns Bewohnern des westlichen Landkreises Neustadt präsentiert, wie auch das folgende Beispiel deutlich macht: Auf besorgte Nachfrage um den Notarztstandort Eschenbach erhielt ich am 27. Juni 2016 per E-Mail von Landrat Meier zur Antwort: „Die Kliniken Nordoberpfalz haben bislang und werden ihre Notarztdienste auch künftig weiterhin besetzen“. Dies war ein Zeitpunkt, an dem Meier in seiner Funktion als Vorsitzender des Rettungszweckverbandes längst über den bevorstehenden Rückzug Anfang Juli informiert war. Auf nochmalige Nachfrage Ende August, ob Landrat Meier die Aussage aufrechterhalten will, erhielt ich keine Antwort mehr. Umso löblicher finde ich es jetzt aber, dass unser Landrat nun Fehlinformationen an einem runden Tisch aufarbeiten will.

Erinnert sei auch daran, dass uns noch am 14. Juni im „Neuen Tag“ versprochen wurde, dass „Gerüchte“ um einen Rückzug der Kliniken AG aus dem Notarztdienst „völlig unbegründet“ seien (Josef Götz), die Personaleinteilung für Juli längst erledigt ist und die AG auch darüberhinaus den Dienst übernimmt. Nun erfahren wir wieder aus der Presse, dass die AG an diesem Dienst schon seit zwölf Wochen nicht mehr beteiligt ist. Ich sehe genauso wie Dr. Arnold den Notarztdienst als moralische Verpflichtung an, und über mehr Moral in dieser ganzen Angelegenheit könnte man durchaus auch nachdenken.

Walter Thurn,
92676 Eschenbach

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Leserbriefe (393)Notarztstandort Eschenbach (7)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.