Lokal verankerte Hilfsorganisationen erzählen vom Sinn und Zweck von Spenden
Von Kleidung bis Kartoffeln

Hans Karl (links) vor einer Fuhre Fahrräder, die auf die Reise an den Balkan gehen soll. Bild: lep

Dezember ist Spendenmonat. Zu keiner anderen Zeit erhalten Hilfsorganisationen so viel Geld und Sachmittel wie im Advent. Doch ist das Spenden noch zeitgemäß und sinnvoll?

Eschenbach/Erbendorf/Kemnath. Die Hilfsbereitschaft in der Region ist groß. Viele Organisationen sammeln zum Teil schon seit Jahrzehnten gut erhaltene Kleidungsstücke, Nahrungsmittel oder Möbel für arme Menschen in Polen, Rumänien oder Bulgarien. Andere senden Weihnachtspäckchen an arme Kinder im Ausland. "Weihnachten im Schuhkarton" ist eine solche Aktion.

Das Problem: Sich einen Überblick über diese Privatinitiativen zu verschaffen, ist schier unmöglich. Es gibt unzählige engagierte Leute, die für Waisenkinder, obdachlose, kranke oder arme und von Hunger geplagte Menschen Geld oder Sachmittel sammeln. Einige Initiativen sind Ableger von großen Organisationen wie kirchlichen oder sozialen Verbänden. Diese Leute alle ausfindig zu machen, ist nicht zu schaffen. Kaum jemand von ihnen wirbt im Internet für die gute Sache.

Die zweite Schwierigkeit: Manche Initiativen treten unter verschiedenen Namen auf. Die Aktion, sorgfältig gepackte und liebevoll verzierte Kisten zu verschicken, hat mehrere Namen. Neben "Weihnachten im Schuhkarton" gibt es zum Beispiel auch das "Geschenk mit Herz" oder "Geschenke der Hoffnung". Für unsere Liste der lokal verankerten Hilfsorganisationen erheben wir daher trotz sorgfältiger Recherche keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Für das Leben und die Hoffnung


Anlass: Seit 35 Jahren arbeitet Hans Karl aus Kirchenthumbach leidenschaftlich für seine Hilfsorganisation. Begonnen hat er mit Geld- und Sachspenden für arme Menschen in Polen. Auch nach Jugoslawien fahren seine Laster. Zwar ist im Balkan der letzte Krieg seit 1999 beendet, diese Länder unterstützt Karl jedoch immer noch. Mitte November startete erst wieder ein Lastwagen in diese Richtung. Sachspenden verteilt "Für das Leben und die Hoffnung" an arme Menschen, mit finanziellen Mitteln ermöglicht Karl einigen Kindern einen Schulbesuch. In manchen Ländern arbeitet er mit anderen Hilfsorganisationen wie der Caritas zusammen. Jahrzehntelang hat sich der Senior alleine um die Organisation gekümmert, nun unterstützen ihn ehrenamtliche Helfer.

Zweck: "In Bulgarien gibt es Zustände, die können Sie sich nicht vorstellen", entgegnet Karl auf die Frage, ob EU-Mitgliedsländer die Spenden nötig haben. Zwar gebe es in Bulgarien Tourismus, doch davon erhalte der Staat keine Einnahmen, die er an benachteiligte Bürger weitergeben könnte, erklärt er. Viele Familien müssen von 5 Euro pro Tag leben. Spenden würden dort also nach wie vor gebraucht.

In Bulgarien gibt es Zustände, die können Sie sich nicht vorstellen.Hans Karl

Kroatienhilfe Kemnath


Anlass: 1991 begann der Jugoslawienkrieg, ein Jahr später gründeten Klaus Fiebig, Josef Raps und Richard Pscherer mit Pfarrer Josef Paulus die Kroatienhilfe. In den ersten Jahren ging es um "die Versorgung der Leute, die sonst gar nichts haben", sagt Fiebig. Mit Transporten nach Jugoslawien versuchte die Privatinitiative, das Überleben der Leute im Krieg zu sichern. 60 oder 70 Mal hat Fiebig die Fahrten in den Balkan bereits begleitet. 204 Lastzüge waren es bisher. "In den ersten Jahren war das ein Abenteuer und auch gefährlich. Aber diese Zeiten sind vorbei", erzählt der Kemnather. "Der Name Kroatienhilfe täuscht", sagt Fiebig. Denn "durch Kroatien fahren wir nur noch durch". Seit 15 Jahren gehen die Lastwagen ausschließlich nach Bosnien. Doch weil der Name "Kroatienhilfe" in der Region schon verankert war, blieb es dabei.

Zweck: Die Initiative hilft Leuten, die eine neue Existenz aufbauen müssen - zum Teil, weil ihr Asylantrag in Deutschland nicht bewilligt wurde. Sie hausen in windigen Notunterkünften und leiden an Hunger. Fußabstreifer, Vorhänge, Elektrogeräte, Kleidung und Hunderte Tonnen Kartoffeln würden benötigt, zählt Fiebig auf. Außerdem werden zwei Alten- und je ein Behinderten- und Kinderheim finanziell unterstützt. Denn diese erhalten kaum Geld vom Staat.

Weihnachten im Schuhkarton


Anlass: Nach Osteuropa gehen die Päckchen von Erna Mehlhase aus Wildenreuth. Gefüllt sind sie zum Beispiel mit Block und Stiften, einem Schampoo, einem Kuscheltier, Zahnbürste und -pasta und ein paar Bonbons. Vor 17 Jahren hat sie die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" gegründet. Was in den bunt beklebten Kartons verpackt ist und was nicht enthalten sein darf, legt die Dachorganisation "Geschenke der Hoffnung" strikt fest. Mehlhase und eine Helferin kontrollieren den Inhalt der Päckchen noch einmal, bevor sie auf die Reise gehen. Die Einfuhrbestimmungen einiger Länder seien so streng - wenn ein Paket mit einem verbotenen Inhalt vom Zoll entdeckt würde, müsste der Laster mit der kompletten Ladung umkehren. 2015 hat Mehlhase 800 Päckchen auf die Reise geschickt. Zur Unterstützung hat sie ein großes Team hinter sich. Die Aktion sei für die engagierte Frau jedoch eine Ganzjahresaufgabe, erklärt sie.

Zweck: "Die Päckchen sind für Kinder, die noch nie in ihrem Leben ein Geschenk bekommen haben", sagt Mehlhase. In Rumänien oder Polen seien Familien so arm, dass sie sich Geschenke zu Weihnachten nicht leisten können. Die Dachorganisation "Geschenke der Hoffnung" erhielt auch das DIZ-Siegel, mit dem seriöse Einrichtungen ausgezeichnet werden, erklärt die Wildenreutherin.

Die Päckchen sind für Kinder, die noch nie in ihrem Leben ein Geschenk bekommen haben.Erna Mehlhase

Wiederaufbau Bhaktapur


Anlass: Der Verein Wiederaufbau Bhaktapur hat sich 2015 in Kirchenthumbach gegründet, um nach dem schweren Erbeben in Nepal den Opfern zu helfen. Der Vorsitzende Martin Kohl war von 1974 bis 1979 beim Projekt "Bhaktapur Development Projects" beschäftigt und hat den Ort mit der Deutschen Entwicklungshilfe restauriert. Bhaktapur ist eine Unesco-Weltkulturerbestadt. Beim Erdbeben vor eineinhalb Jahr wurden mehr als die Hälfte der 172 Tempelanlagen und Kulturdenkmäler beschädigt. Der Verein sammelt Geld, unter anderem mit dem Verkauf nepalesischer Produkte und Essen beim Weihnachtsmarkt in Kirchenthumbach. Seit seiner Gründung hat der Verein bereits mehr als 50 000 Euro gesammelt, heißt es auf seiner Internetseite.

Zweck: Der Verein hat im vergangenen Jahr fünf Wasserfilter nach Nepal geschickt, 2016 noch einmal acht. Damit können Nepalesen sauberes Trinkwasser in Schulen, Krankenhäuser und auf öffentlichen Plätzen produzieren. "Die Wasserqualität ist dort sehr schlecht", erklärt Schriftführerin Margit Kohl. Ihr Mann Martin war im November drei Wochen vor Ort, um zu überprüfen, ob die Filter vernünftig gewartet werden. Außerdem will der Verein mit lokalen Hilfsorganisationen dazu beitragen, dass die neuen Gebäude in Bhaktapur erdbebensicher gebaut werden und sich die Hygiene der Leute verbessert. Ein großes Problem ist die Müllentsorgung. Der Verein bietet auch Patenschaften für junge Nepalesen an, die eine einjährige kostenpflichtige Ausbildung zum Handwerker machen möchten. "Danach können sie selbst Geld verdienen und ihre Familie ernähren", sagt Margit Kohl. Wichtig sei dem Verein, den Nepalesen Ideen zu bieten, wie sie sich selbst helfen können.



Statistik und Tipps5,5 Milliarden Euro haben die Deutschen 2015 laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gespendet, 11,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Vor Weihnachten geben die Deutschen bis zu dreimal mehr Geld und Sachgüter her als in anderen Monaten. 80 Prozent der Spenden geben sie für humanitäre Hilfe aus.

Der Deutsche Spendenrat und der Verbraucher-Service Bayern nennen Tipps und Regeln dazu, welche Hilfsorganisation es wert ist, sie finanziell oder materiell zu unterstützen. Zum Beispiel schreibt der Rat auf seiner Internetseite, dass Geldgeber nur solche Vereinigungen helfen sollen, deren Gemeinnützigkeit anerkannt ist. Das prüft das Finanzamt. Auch sollten Leute nur ohne emotionalen Druck spenden. Der Rat warnt unter anderem davor, unbekannten Sammlern an der Haustüre Geld zu geben, weil sie einem zum Beispiel mitleiderregende Fotos von ausgehungerten Kindern zeigen. Ein Zeichen für Seriosität sei es, wenn die Organisation das DZI-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen trage. Das Institut prüft die Hilfseinrichtungen. Jedoch erhalten das Siegel nur Organisationen, die überregional tätig sind.

Zur Frage, wann Geld- und wann Sachspenden sinnvoll sind, schreibt der Spendenrat: "Generell bieten Geldspenden den Organisationen jedoch mehr Flexibilität, vermeiden Transportkosten, und stärken beim Kauf in Zielländern die dortige Wirtschaft." Sachspenden seien gut, wenn gezielt von Hilfsorganisationen dazu aufgerufen werde, etwa bei Unfällen oder Katastrophen.

Weitere Informationen zum Deutschen Spendenrat und Verbraucher-Service Bayern, Tipps sowie Regeln zum Spenden unter www.spendenrat.de und www.verbraucherservice-bayern.de/themen/verbraucherrecht/wie-finde-ich-eine-serioese-spendenorganisation

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.