Neues aus Nagaland
Spielplatz namens Eschenbach

Eine Primizfeier läuft im Nagaland etwas anders ab als in der Oberpfalz: Der Primiziant, durch eine Frau leicht verdeckt, wird in Stammeskleidung zum Festplatz begleitet.
 

Seit November hat Hans Rupprecht viel erlebt: Damals kam er zum zweiten Mal als Entwicklungshelfer in der indischen Dschungel an den Himalaya-Ausläufern. Er feierte Weihnachten, überlebte ein Erdbeben und eröffnete einen "Children's Park Eschenbach".

Keine guten Erinnerungen hat Hans Rupprecht an den 4. Januar, als er um 4.35 Uhr aus dem Schlaf gerüttelt wurde: Ein Erdbeben der Stärke 6,7 hatte sein Zentrum im nur 70 Kilometer entfernten Imphal. Acht Tote gab es zu beklagen. Wegen der einfachen Bambushütten hielten sich zumindest die materiellen Schäden in Grenzen.

Wenn er nach seiner Rückkehr an sein halbes Jahr in Indien zurückdenkt, überwiegt dennoch das Positive: Zurückgelassen hat er die Salesianerstation Don Bosco in Zubza im Nagaland, einem indischen Bundesstaat im Nordosten des Subkontinents. Der Ort ist so groß wie Eschenbach, bietet aber Himalaya-Panorama. Bei seinem zweiten Aufenthalt knüpfte er an seinem ersten Besuch vor gut einem Jahr an.

Deshalb war zu Jahresanfang ein Großprojekt fertig: Ein Spielplatz für 600 Kinder. Statt teuren Sand gibt es Steinstaub in den Gruben. "Die Leute haben mit dem Kopf geschüttelt, als ich unter der Wippe Autoreifen eingegraben und unter der Rutsche Sandgruben anlegte habe", erzählt "German Hans". Am 4. Februar, dem ersten Schultag, durfte Rupprecht feierlich das Band durchschneiden. Der Schlüssel wurde übergeben, die Spielgeräte bekamen ihren Segen. Zuvor mussten alle in Schuluniform am Appellplatz antreten. Nach dem Morgengebet werden Schulregeln und -pflichten verlesen. Dafür sei bei "Schultüten Fehlanzeige", sagt Rupprecht. Dafür fehlt einfach das Geld.

Bei der Feier habe er sich wie ein Star gefühlt: "Aus Dankbarkeit wurde mir zwischendurch eine Nagaweste angezogen und einige Jungs haben eigens getextete Lieder für mich gesungen." Nach dem Segen durch den 87-jährigen Father Joseph stürmten über 600 Kinder auf die Spielgeräte. Trotz des Andrangs gab es keinen Streit: "Nur glänzende Kinderaugen, die das erste Mal in ihrem Leben rutschen, schaukeln oder wippen durften." Schwester Theresa habe mit 85 Jahren des erste Mal auf einer Schaukel Platz genommen.

Rupprecht ist stolz, dass ein Großteil des Geldes für den Park aus Eschenbach kommt. Ein herzliches Vergelt's Gott sagt er der Gemeinschaft St. Georg. Zu Ostern wünscht er sich den "einen oder anderen Sponsor" für ein weiteres Spielgerät. "Ein Kinderkarussell wäre eine tolle Sache." Schade fand er, dass er die Osterkerze 2016 nicht mehr brennen sah. Die hat die Eschenbacherin Nicole Nickl gestaltet. Im November hatte er sie mitgebracht. Neben dem Spielplatz hat Hans Rupprecht auch die Erweiterung der Warmwasseranlage der Don-Bosco- Schule vorangetrieben. Sie ist für die Schüler die einzige Möglichkeit, sich warm zu waschen. Dafür ließ Rupprecht die Solaranlage vergrößern.

Wichtige Hilfe leistete er in der Landwirtschaft bei der Bodenbearbeitung, zur Düngung und zum Anbau von Zwischenfrüchten auf den 20 bis 50 Quadratmeter großen Reisparzellen. Für den Konvent der Little-Flower-Schwestern hatte er Gemüse- und vor allem Blumensamen dabei.

UnterwegsIn Zubza lebte Hans Rupprecht in der Station der Salesianer-Patres. Dort erlebte er viele kirchliche Feste. Father Samuel nahm ihn mit in seinen Heimatort Mao im Bundesstaat Manipur. In der Stadt an der Grenze zu Myanmar feierten die Menschen das 60 Jubiläum ihrer Kirche.

Eine weiterer Anlass, um Land und Leute kennen zu lernen, war eine Fahrt mit Father Samuel zu einer Primiz bei Ukhrul/Manipur. Der Weg zu dem auf 2000 Meter liegenden Ort führte durch das Zentrum des Erdbebens. Rupprecht erinnert sich, dass Samuel nach Einbruch der Dunkelheit immer unruhiger wurde: "Wir fahren durch ein Gebiet, das Untergrundorganisationen beherrschen. Sie leben von Schutzgelderpressungen und Drogenschmuggel." Die meisten Autos in der Stadt hatten keine Zulassung, sie sind meist gestohlen.

Neben der Gemeinschaft St. Georg und weiteren zahlreichen Spendern dankt Rupprecht insbesondere Dr. Wolfgang Gebel, Georg Schloderer und Hubert Schug für deren wiederholte wirkungsvolle Geld- und Sachspenden. Er nimmt weiterhin Messstipendien an, die der Don-Bosco-Station Zubza zugute kommen. Geldspenden bittet er zu richten an die "Don Bosco Mission/Zubza" auf Konto IBAN DE92370601930022378015 bei der Pax-Bank Köln, Verwendungszweck: ZUBZA/IND 15-116. (rn)
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