Nur die Beine machen Probleme
Adolf Weiß feiert 90. Geburtstag

Die 90 Jahre sieht man dem Jubilar nicht an. Viele Gratulanten tranken mit Adolf Weiß ein Glas auf dessen Gesundheit. Bild; rn

In bemerkenswerter Frische, "nur die Beine machen nicht mehr so recht mit", feierte Adolf Weiß 90. Geburtstag. Im Kreis von etwa 50 Gratulanten, die zum Teil aus der Ukraine angereist waren, Kindern, Enkeln und Urenkeln beging er im BRK-Seniorenheim diesen Ehrentag. Aus Neustadt am Kulm waren eine Delegation der Krieger- und Soldatenkameradschaft und der Posaunenchor angereist. Bürgermeister Peter Lehr gratulierte mit einem Geschenkkorb.

Die Wiege des Jubilars stand in Alt-Tiegenhof, wo er mit seinen Eltern Peter und Karoline und sieben Geschwistern aufwuchs. Die Vorfahren der Familie waren vor etwa 300 Jahren dem Ruf der Zarin Katharina I. von Russland (1684 - 1727) gefolgt, um mit weiteren deutschen Siedlern das ostukrainische Land um Mariapol urbar zu machen und zu bewirtschaften. Alt-Tiegenhof und weitere 25 umliegende Ortschaften blieben bis zu Stalins Zeiten deutschsprachig und verfügten über deutsche Schulen. Nach der verordneten Umsiedlung der Familie im November 1943 in den Warthegau/ Westpreußen kam die Einberufung von Adolf Weiß zum Kriegsdienst. Er diente an den Fronten in Osteuropa und in Ungarn. Am 9. Mai 1945 geriet er bei Pilsen in amerikanische Gefangenschaft.

Nach der Entlassung aus dem ehemaligen Westlager Bernreuth des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr am 29. Mai 1945 begann für ihn in Dobertshof die Nachkriegszeit und das erstrebte Zivilleben. Im März 1947 fand er in Neustadt am Kulm eine Dauerbleibe, die 1953 durch die Eheschließung mit Anna Vogl besiegelt wurde. Arbeitsfreudig war der Jubilar bis zum Erreichen des Rentenalters in der Landwirtschaft und als Milchfahrer tätig. Vier Jahre engagierte er sich als Stadtrat.

Durch den Kriegsdienst, die Flucht der Familie gen Westen und deren Gefangennahme durch russische Einheiten mit anschließender Verschleppung nach Sibirien und Kasachstan war jegliche Verbindung zu Angehörigen unterbrochen. Wegen einer Namensverwechslung galt er gar zwölf Jahre lang als verstorben. Erst als er 1957 bei einem Landsmannschaftstreffen auf einen Bekannten aus seinem Heimatdorf traf, erfuhr er vom Schicksal seiner Familie und bekam nach langer Suche Kontakt. Ein Teil fand 1989 in der Oberpfalz eine neue Heimat.
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