Orgelschnuppern in Eschenbach
Die Königin lässt es brausen

Bemerkenswert war das Interesse am Orgel-Schnuppertag in Eschenbach. Angeleitet von Organist Joachim Steppert konnten sich Interessierte ungezwungen an die Königin der Instrumente wagen und die Pfeifen zum Klingen bringen. Auch Gabriela probierte mit Händen und Füßen. Bild: do

Um den Nachwuchs an der Orgel steht es nicht zum Besten. Das Bistum Regensburg öffnete deshalb die Orgelemporen, um das "Königsinstrument" näher zu bringen. Die Schnupperstunde lockte Musikbegeisterte auch in die Stadtpfarrkirche Eschenbach.

Der machtvolle Klang der Basspfeifen erfüllt den Kirchenraum von St. Laurentius. Dann: Leicht und anmutig klingen die Flötenpfeifen, klettern in die Höhe. Geigentöne stimmen ein. Weich und hohl antwortet die Nachthornpfeife. Immer mehr Klänge gesellen sich zum virtuosen Spiel von Joachim Steppert. Der Chorleiter der Pfarrei und Organist von St. Laurentius gibt ein Konzert der Klänge. Und doch spielt da nur ein Musikinstrument.

Diese Tonfülle beeindruckt, auf der Empore leuchten die Augen. Kein anderes Instrument erreicht den Tonumfang und die Tonstärke. 3000 Pfeifen, dick und hoch, schmal und zierlich, bilden das Orchester, das Steppert am Orgeltisch mit Händen und Füßen dirigiert. Wie die Orgelpfeifen stehen Jung und Alt vor dem Maestro zwischen Orgeltisch und der acht Tonnen schweren Sandtner-Orgel.

Auch Gabriela gehört zu den Besuchern. Fragen stellen, Hineinschauen, Ausprobieren heißt die Devise. Anhand von Hörproben bringt der Organist Gabriela und weiteren neugierigen Kindern und Jugendlichen mit Hörbeispielen das Königsinstrument näher. Auch Erwachsene gehören zu den Interessierten. Und auch Franz Dilling schaut vorbei. Der Vorsitzende des ehemaligen Orgelbauvereins kennt das Instrument, er sei der Vater der neuen Eschenbacher Orgel, lobt Steppert. Vor einigen Jahren initiiert er mit dem Musikpädagogen, dem Stadtpfarrer und den Mitgliedern des Vereins die Anschaffung des über eine halbe Million Euro teuren Instruments. Mit 31 Registern und mehr als 3 000 Pfeifen verkündet es nun in leuchtenden Tonfarben die Botschaft der Freude.

Freude scheint auch Gabriela am Spiel des Kirchenmusikers zu haben. Und als Joachim Steppert nach einem Klavierspieler in den Reihen der Besucher fragt, meldet sich Gabriela. Sogleich "besetzt" die 15-Jährige den Orgelsitz und schafft es prompt mit Hilfe des Organisten beim ersten Versuch, den Pfeifen wohlklingende Töne zu entlocken. Woher diese Tonvielfalt kommt, das erklärt Vollblutmusiker Joachim Steppert bei einem Blick hinter die Kulissen. Vorne wird gespielt, hinten klingt's.

Der Schnuppertag birgt Überraschungen. Steppert erklärt den Mechanismus und gestattet Blicke ins Gehäuse. Ventile und Magneten sind da zu sehen, verwirrend ist das Labyrinth der Windkanäle und Windladen und unüberschaubar die Zahl der metallenen und hölzernen Pfeifen, kleine und große. Überhaupt: das Spiel ist eine Wissenschaft für sich. Hinter den mattschimmernden Prospektpfeifen verstecken sich die 3000 Schwestern. Jede Pfeife hat ihre eigene Klangfarbe, erklärt der Organist.

Auch der Blasebalg, Joachim Steppert nennt ihn den "Atem" der Orgel, macht neugierig. Ein gelungenes Zusammenspiel vieler Einzelteile von der Edelstahlfeder bis zur verzinkten Kehle der Zungenpfeife. Ein Zug am Register, ein Druck aufs Pedal, der Mechanismus setzt sich in Bewegung, die Töne steigen auf. Auch Joachim Steppert ist davon immer noch begeistert: "Man entdeckt an der Orgel immer wieder etwas Neues" sagt er, um es dann "brausen" zu lassen. Das sei die typische Orgelvorstellung der Kirchenbesucher.

Zunächst sind einige Takte aus "Der Mond ist aufgegangen" den Kindern geschuldet. Darf es etwas Blues, Swing oder Jazz sein? Auch Modernes entlockt der Organist dem Instrument. Der Schallschutz wird verdrängt, als es Steppert richtig brausen lässt. Nach "Träumereien mit Engelsstimmen" donnert Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge" durchs Kirchenschiff. Das Tongewitter fasziniert und auch Gabriela ist überwältigt. "Orgelspielen - das ist mein Traum". Ist der Schnuppertag vielleicht der Beginn einer Karriere?

Orgelspielen - das ist mein TraumGabriela nach dem Schnuppertag
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