Ostergeschichte
„Oierschmeissn“ ein Vergnügen

Diese "Lausbuben Gottes", die Ende der 1950er Jahre in Kirchenthumbach mit Karfreitagsratschen und Klappern sowie genügend "Sammelkörben" ihren Jahreslohn forderten, sind mittlerweile "gstandne Mannsbilder". Der Brauch ist geblieben, die Gaben haben sich etwas geändert. Bild: gpa

Als kleiner Bub war die Vorfreude auf das Osterfest sehr groß. Mit den Ostertagen verbinden sich bei mir immer Gedanken an eine heile Welt als Kind in einer gar nicht so schönen Zeit. Geboren ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wuchs ich zusammen mit meinem Bruder bei meiner Mutter und beiden Großmüttern auf.

Eschenbach/Kirchenthumbach. Mein Vater, Marineinfanterist in Frankreich, war nur zwei Mal in sechs Jahren Weltkrieg auf Urlaub zu Hause: Eine Schikane örtlicher Nazigrößen, da er seine Mitgliedschaft in der NSDAP verweigerte. Für den Lebensunterhalt betrieb meine Mutter zusammen mit einer der Omas ein Gemischtwarengeschäft. Dazu ein Gemüsegarten und einige Hühner: Das genügte uns, um zu überleben.

Auch wenn für mich als Bub die Karfreitagsfeier zu lange dauerte: Das Heilige Grab auf einem Seitenaltar der Pfarrkirche hat mich fasziniert. Es war mit rot, blau und gelb leuchtenden Gläsern umgeben, die beleuchtet wurden. Unten lag der Leichnam Jesu, oben stand nach der Feier der Auferstehung, verhüllt durch einen Schleier, die Monstranz. Und im leeren Grab waren nur noch Blumen. Ergriffen hat mich auch die Enthüllung und Verehrung des Kreuzes durch Pfarrer, Kaplan und Ministranten. Danach gingen alle übrigen Gläubigen zum Kreuz und küssten den Fuß und die Seite des Gekreuzigten. Ich tat das immer mit Widerwillen; nur gutes Zureden der Mutter und die Drohung, dass sonst "kein Osterhase kommt", sorgten dafür, dass ich den Heiland küsste.

Obwohl ich ihn nie gesehen habe, kam der Osterhase dann wirklich. Und er ließ schöne bunte Eier da - das Wichtigste für mich. Als ich dann älter wurde und erfuhr, wer für die bunten Ostereier verantwortlich war, musste ich versprechen, nichts meinem drei Jahre jüngeren Bruder Hans zu verraten.

Gläserner Osterkorb


Da früher die Auferstehungsfeiern am späten Abend des Karsamstag stattfanden, brauchten wir Buben nicht mit in die Kirche gehen. Am Ostersonntag stand dann ein gläserner Korb mit bunten Eiern auf unserem Frühstückstisch. Jeder bekam noch ein kleines Lamm aus Biskuitteig, das natürlich sofort geköpft wurde. Osterbrote gab es damals bei uns noch nicht, stattdessen einen guten Hefezopf. Wie meine Mutter erzählte, hatte sie den zartgrünen gläsernen Henkelkorb einst auf einem Jahrmarkt gekauft. Er stand jedes Jahr im Mittelpunkt des österlichen Frühstücks. Zuerst diente er als mein Osternest, später war er das Osternest für meinen Bruder, und dann bekam unser Schwesterlein Maria den gläsernen Osterkorb.

Eier für Speisenweihe


Als Schuljunge, Älterer der Buben und in das Geheimnis des Osterhasen "Eingeweihter" durfte ich beim Eierfärben mithelfen sowie beim Backen der Biskuithäschen und eines größeren Schokoladenhasen zuschauen. Eierfärben war eine schöne Sache. Neben roten, gelben, blauen und grünen Eierfarben wurden jedes Jahr Zwiebelschalen verwendet, die gekocht wurden. Mit dem Sud wurden die Eier für die Speisenweihe gefärbt. Strenge Regeln hatte die Oma für unser Frühstück am Ostermorgen aufgestellt, bei dem die geweihten Speisen auf den Tisch kamen und alle Eierschalen im Herd verbrannt werden mussten.

Hochspannung herrschte bei uns Buben vor den Ostertagen, wenn sich die Ministranten zum "Oierklatschn" angekündigt hatten. Früher war an Ostern "Zahltag" für die Messdiener: Die "Lausbuben Gottes", wie sie liebevoll genannt wurden, gingen von Haus zu Haus, um sich ihren Lohn abzuholen. Dabei machten sie mit den am Karfreitag anstatt Glocken üblichen "Ratschen" und Klappern höllischen Lärm, bis sie ihren Lohn eingesackt hatten.

Etwas in Vergessenheit geraten ist das "Oierschmeissn" (Eierwerfen). Die nicht olympische Disziplin hatte keine besonderen Regeln, benötigt wurden nur eine steinfreie Wiese oder eine sonstige Rasenfläche - und Ostereier. Wir benutzten immer eine Wiese in leichter Hanglage, wo jeder sein Osterei werfen durfte, wie er wollte: Hauptsache, es ging nicht gleich kaputt.

WiedersehenDer Ostermontag 1948 wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Wir hatten gerade mit dem Eierwerfen angefangen, als unsere Nachbarin angerannt kam und schrie: "Schorsch, Hans, geht's glei hoam, eier Papa is grod kumma!" Es war der Tag, an dem unser Vater nach sechs Jahren Krieg und fast drei Jahren Gefangenschaft nach Hause kam. (gpa)


"Zufällig" selbes ZielIn meinen Jugendjahren pflegten wir einen alten Osterbrauch, der immer noch sehr beliebt ist: das "Emmausgehen". In Erinnerung blieb mir eine Emmauswanderung der Mädchenjugend, die insgeheim ohne Mannsbilder zur Holzmühle geplant war. Als die Damen abmarschierten, hat es so zu schneiden begonnen, dass man die Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte. Tapfer gingen die "Ladys" jedoch weiter. Sie kamen auch gut an, mussten aber auf die geplante Brotzeit verzichten, da der Wirt zwar Wurst, aber kein Brot mehr hatte.

Da war es ein Glück, dass wir Herren "zufällig" das selbe Ziel hatten und einer von uns, der per Motorrad nachkam, in Schlammersdorf Brot besorgte. So wurde es für alle noch ein schöner Nachmittag. Auf den Heimweg - ohne Schneegestöber - machten wir uns, weil es dunkel wurde, gemeinsam. (gpa)
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