Rußweiher wird entschlackt
Spritzen in den Schlamm

Zwei Mitglieder der Wasserwacht fuhren die Mitarbeiter der Firma Söll über den Rußweiher. Die drei Männer brachten dabei ein mineralisch-biologisches Produkt ein, das der Verschlammung des Gewässers entgegenwirken soll. Bild: rn

Mit "Schlixx plus", einem mineralisch-biologischen Produkt, rückt die Firma Söll aus Hof seit Montag dem Schlamm im Rußweiher zu Leibe. Die umweltverträgliche und zugleich kostengünstige Methode soll die Dicke der Ablagerungsschicht um 50 bis 60 Zentimeter reduzieren.

Beim Ausbringen des pulvrigen Produkts kam ein Tretboot der Rußweiherflotte zum Einsatz. An seinem Heck war ein durchlöchertes Fass angebracht, das ein Söll-Mitarbeiter ständig mit "Schlixx plus" füllte. Das sich ergebende Gemisch wurde per Pumpe in eine Lanze gepresst und von einem weiteren Mitarbeiter in geringen Abständen in den Schlamm injiziert.

Stephan Heuser von der Lavaris Technologies GmbH bezeichnete das eingesetzte Mittel als sehr gut geeignet für den Einsatz in Landschaftsschutzgebieten, wo ein Ausbaggern nicht in Frage kommt. Einer mechanischen Entlandung des Rußweihers erteilte auch Bürgermeister Peter Lehr erneut eine Absage. Er schätzte die Kosten dafür auf etwa 500 000 Euro.

In zwei Schritten


Das nun eingesetzte Verfahren dagegen sei "wasserschonend und mit etwa 30 000 Euro äußerst preisgünstig". Hinzu komme, dass Kleingetier am Gewässergrund nicht in Mitleidenschaft gezogen werde. Laut Lehr darf oberhalb der mit Bojen abgegrenzten Fläche (bis zum Oberseedamm) keine Gewässersanierung erfolgen. Der Grund seien Biotopschutzvorgaben des Landratsamts.

Der Bürgermeister kündigte an, dass in einem ersten Schritt auf einer Fläche von 3,5 Hektar 4 Tonnen des Sanierungsmittels eingebracht werden. Im April 2017 werde die Restfläche behandelt. Lehr betonte zudem, dass in die Vorabgespräche mit dem Gesundheitsamt Weiden-Neustadt sowie den Abteilungen Wasserrecht und Naturschutz des Landratsamts auch der Angelverein eingebunden gewesen sei. Heuser hatte zuvor auf die Verwendung von "Schlixx plus" in Angelgewässern und die Reaktionen der Fischer hingewiesen: "Die Gewässer sind sauberer und die Fische schmecken besser."

Damm als Verursacher


In den Jahren 1981 und 1982 sei vom Campingplatz Götz quer durch den Rußweiher ein Freispiegelkanal verlegt und an den Kanal entlang der Straße nach Schlammersdorf angeschlossen worden, blickte der Bürgermeister zurück. "Um eine tragfähige Fahrbahn für die Baustellenfahrzeuge zu ermöglichen, wurde vor 35 Jahren ein Damm eingebaut, der aus Gründen, die der Verwaltung nicht bekannt sind, nicht mehr zurückgebaut wurde." Dies habe zur Folge, dass sich der Schlamm von dem Fahrdamm aus immer mehr zum Oberseedamm hin aufgestaut habe.

Beschlossen worden war die Entschlammungskur für den Rußweiher bereits in der Januar-Sitzung des Stadtrats. Der wasserrechtliche Genehmigungsbescheid des Landratsamts erging im August.

Übrig bleiben Kohlensäure, Wasser und Sand"Das mit Bakterien angereicherte Oxidationsmittel zerfällt konstant", erklärte Stephan Heuser von der Lavaris Technologies GmbH. "Mit Hilfe des entstehenden Sauerstoffes wandeln die Bakterien den Schlamm zu Kohlensäure und Wasser um."

Als weiteren Effekt binde "das enthaltene Calzium die den Algenwuchs begünstigenden Nährstoffe in Form von Phosphat zu einer wasserlöslichen und damit ungefährlichen Form. Übrig bleibt am Ende des Prozesses Sand, der auch auf den Grund des Gewässers gehört." Zur Überraschung der Bürgermeister und Stadträte, die als Zuschauer die Aktion am Rußweiher begleiteten, ließ er wissen: "Ein Wirkstoff unseres Produkts dient in den USA als Brotbackmittel und wird in der Kosmetik als Gesichtspflegemittel verwendet."

Heuser sprach von zwei Komponenten, die das mineralisch-biologische Produkt hochwirksam gegen organische Gewässerschlämme und Ablagerungen machen. Der mineralische Bestandteil oxidiere direkt die Sedimentschicht am Grund des Gewässers mit Hilfe von Aktivsauerstoff. "Zusätzlich beginnen hochaktive Mikroorganismen nach dem Einbringen ins Gewässer umgehend mit dem Abbau von organischem Schlamm, Ablagerungen und Mulm", erklärte der Fachmann.

"Unser Mittel ist bis zu acht Wochen wirksam", merkte er an. In dieser Zeit liefen parallel mehrere Prozesse ab: "Phosphate werden kontinuierlich gebunden, Sauerstoff wird permanent an das Gewässer abgegeben, und die Mikroorganismen sind aktiv." (rn)
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