Schlamm geht es an den Kragen
Stadtrat bringt Antrag auf wasserrechtliches Verfahren für Rußweiher auf den Weg

Dem Rußweiher steht eine Entschlammungskur bevor. Dem erforderlichen wasserrechtlichen Verfahren stimmte der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend zu. Die von der Maßnahme betroffenen Ämter und Dienststellen haben bereits grünes Licht angekündigt.

Der Antrag auf "biotechnische Entschlammung des Rußweihers" kam von der Fraktion der Freien Wähler. Den Anstoß dazu gab ihnen ein Bericht im Bayerischen Fernsehen über mögliche Maßnahmen zur Entschlammung von Weiher- und Seeanlagen. Zweiter Bürgermeister Karl Lorenz hatte daraufhin weitere Recherchen angestellt.

Im Stadtrat merkte Bürgermeister Peter Lehr an, dass die Verwaltung seit vielen Jahren Möglichkeiten prüfe, um den Schlamm mit einem vertretbaren finanziellen und technischen Aufwand zu entfernen. Auf die Recherchen von Karl Lorenz hin sei mit Stephan Heuser von der Firma Lavaris ein Gespräch geführt worden, dem am 12. Januar ein Gesprächsforum folgte.

Wasserrechtsverfahren


"Bei diesem wurden dem Wasserwirtschaftsamt Weiden, dem Gesundheitsamt Weiden-Neustadt, den Abteilungen Wasserrecht und Naturschutz des Landratsamts und dem Angelverein Eschenbach alle technischen und biologischen Details des Verfahren ausführlich erläutert", berichtete das Stadtoberhaupt. Alle Beteiligten an der Gesprächsrunde äußerten sich dabei positiv gegenüber der Maßnahme, deren Umsetzung jedoch über ein Wasserrechtsverfahren beantragt werden muss.

Die Kosten für die Behandlung des Bereiches zwischen Kanal- und Oberseedamm bezifferte Lehr zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Gemessen an den Folgen einer mechanischen Entlandung nannte er das Lavaris-Verfahren "wasserschonend und äußerst preisgünstig".

Vorgesehen war, dass Lavaris-Mitarbeiter Stephan Heuser an der Sitzung teilnimmt. Da er jedoch verhindert war, hatte er der Stadt den Film des Bayerischen Fernsehens zur Verfügung gestellt, in dem der Unterschied zwischen mechanischer und biotechnologischer Entschlammung gezeigt wird. Ergänzend dazu berichtete Karl Lorenz von der seit längerer Zeit praktizierten Lavaris-Methode bei Fischteichen und den positiven Rückmeldungen von Bürgermeistern und Wasserwirtschaftsämtern.

Der um Stellungnahme gebetene Diplom-Ingenieur Hannes Oberndorfer gab zu bedenken, dass eine mechanische Entlandung mit einem hohen Aufwand und einer erheblichen Trübung des Rußweihers verbunden wäre. Und: "Der entnommene Schlamm wird zum Abfall im Sinne des Abfallgesetzes mit allen damit verbundenen Folgen."

Mit Hilfe von Sauerstoff


Auch die Fraktionen hatten keinen Zweifel am Erfolg der Lavaris-Methode, bei der das Mittel "Schlixx plus" zum Einsatz kommt. Das mineralisch-biologische Produkt oxidiert mit Hilfe von Aktivsauerstoff direkt die Sedimentschicht am Weihergrund. Zusätzlich beginnen Mikroorganismen mit dem Abbau von organischem Schlamm und Ablagerungen. Die Ökologie im und rund um das Wasser wird dabei laut Firma nicht in Mitleidenschaft gezogen, vielmehr habe es sogar noch positive Nebeneffekte wie Algenvorbeugung und Sauerstoffanreicherung.

"Die herkömmliche Weise ist zu teuer und nicht zu finanzieren", erklärte Hans Bscherer (Freie Wähler). Ähnlich äußerten sich Marcus Gradl (CSU/ÜCW) und Karolina Forster (SPD). "Die Kosten für die bisher eingeholten Entschlammungsgutachten summieren sich auf den gleichen Betrag, der für die jetzige Aktion im Raum steht", sagte dritter Bürgermeister Klaus Lehl.

Der einstimmige Beschluss das Stadtrats, ein Wasserrechtsverfahren einzuleiten, enthält auch die Vorgabe, dass das Verfahren noch in diesem Jahr realisiert wird. Der Kämmerer erhielt den Auftrag, die Kosten im Haushalt 2016 einzuplanen.

Schlamm staut sich am FahrdammBürgermeister Peter Lehr blickte zurück in die Jahre 1981 und 1982, als vom Campingplatz Götz quer durch den Rußweiher ein Freispiegelkanal verlegt und an den Kanal entlang der Straße nach Schlammersdorf angeschlossen wurde. "Um eine Fahrbahn für die Baufahrzeuge zu ermöglichen, wurde vor 35 Jahren ein Damm eingebaut, der aus Gründen, die der Verwaltung nicht bekannt sind, nicht mehr zurückgebaut wurde", erläuterte er. Dies habe zur Folge, dass sich der Schlamm von dem Fahrdamm aus immer mehr zum Oberseedamm hin aufgestaut habe. Die Folge sei, dass zur Zeit über der Schlammschicht nur noch ein Wasserstand von rund 50 Zentimeter verblieben ist. Dies nannte der Bürgermeister auch als Grund für die Sperrung des westlichen Teils des Sees für Tretboote. (rn)
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