Seniorenverein Hand in Hand
Vorsitzender lässt los

Selbst bei einem 20-Stunden-Vertrag wäre noch eine Menge Ehrenamt dabei.

Es läuft gut für den Verein Generationen Hand in Hand. Und doch steht der Zusammenschluss schon nach drei Monaten ohne Vorsitzenden da. Der bisherige zog sich zurück, weil er keine hauptamtlichen Manager für den Verein wollte.

Seit Jahresanfang arbeitet der Verein der Generationen Hand und Hand (GeHiH), derzeit aber ohne Vorsitzenden. Bernhard Schäfer erklärte vergangene Woche seinen Rücktritt. Er sei von falschen Voraussetzungen ausgegangen, als er die Aufgabe übernommen hat, erklärt der frühere Kirchenthumbacher Apotheker.

Konkret stört ihn die hauptamtliche Manager-Stelle, die die Satzung vorsieht. "Ich bin von einem ehrenamtlichen Verein ausgegangen." Seine Gesundheit sei angeschlagen, er wolle sich Stress und Verantwortung nicht zumuten. Dem Verein bleibe er als einfaches Mitglied erhalten.

Nicht glücklich über Schäfers Entscheidung ist Elisabeth Gottsche. Sie ist die Initiatorin des Vereins und als Besetzung für die hauptamtliche Stelle vorgesehen. "Herr Schäfer hat sich wohl eine Art Nachbarschaftshilfe vorgestellt", mutmaßt Eschenbachs Seniorenbeauftragte und Leiterin der Sozialen Stadt in Grafenwöhr. Der Verein GeHiH verfolge einen anderen Ansatz, wolle älteren Menschen helfen, lange im eigenen Heim zu leben. "Dafür ist eine hauptamtliche Kraft nötig."

Dies sieht auch der Freistaat Bayern so, der diese Generationen-Hilfe-Projekte finanziell fördert - allerdings nur, wenn es eine hauptamtliche Kraft gibt. Auch Erfahrungswerte ähnlicher Projekte zeigten: ohne Hauptamtliche geht es nicht. "Das haben uns die Verantwortlichen in Kronach bestätigt", sagt Gottsche. Am dort erfolgreich laufenden Seniorenverein hat sie sich bei der Vorbereitung orientiert.

Dass sie die Unterstützung und Zustimmung des verbleibenden Vorstands genießt, bestätigt Karl Lorenz. Auch Eschenbachs zweiter Bürgermeister ist überzeugt, dass es ohne hauptamtliche Kraft nicht geht. "Viele Nachbarschaftshilfen schlafen nach und nach wieder ein, weil damit viel Arbeit verbunden ist", sagt Lorenz. Nur wenige können oder wollen dies ehrenamtlich erledigen. Zudem sei wichtig, dass es einen festen Ansprechpartner gibt, schließlich wolle der Verein zwischen Menschen vermitteln, die sich nicht oder kaum kennen. "Wie soll da Vertrauen entstehen, wenn auch noch der Vermittler ständig wechselt", fragt Lorenz.

Dennoch läuft Gottsches Arbeitsvertrag ab April vorerst nur auf 12, statt der möglichen 20 Stunden. Lorenz und Gottsche bedauern dies, "im Vorstand gibt es aber noch jemand, der Angst davor hat, dass sich der Verein überfordert", sagt Lorenz. Verstehen kann er das nicht, denn in den ersten drei Jahren sichert die Förderung die Finanzierung und bislang werde der Verein gut angenommen, die 100-Mitglieder-Grenze ist überschritten (siehe Hintergrund). Damit der Zuspruch anhält, ist Werbung nötig, weshalb Gottsche neben der Organisationsarbeit viele Vorträge hält. Ihre Stunden rechnet sie nicht auf, aber sie ist sicher: "Selbst bei einem 20-Stunden-Vertrag wäre noch eine Menge Ehrenamt dabei." Durch Schäfers Rückzug ändere sich daran nichts. Die Geschäfte führt der derzeite Stellvertreter Dieter Klein weiter, bis die Mitglieder bei einer Versammlung in einigen Wochen einen Nachfolger bestimmen.
Selbst bei einem 20-Stunden-Vertrag wäre noch eine Menge Ehrenamt dabei.Elisabeth Gottsche
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.