"Spurensuche 1914/18"
Von Bauern, Metzgern und Krieg

 
Ein Dokument aus den 1950er Jahren, abgebildet im 37. Jahrgang der "Heimat Eschenbach": Bauer Lehner aus Seitenthal führt einen Ochsen zur Schlachtbank. Die Gebäude am Marienplatz - (von rechts) Milchgeschäft Höller, Metzgerei Höller und Foto Ott - zeugen von regem Einzelhandel.

Nicht nur 99 Bilder machen die Publikation zu einer interessanten und unterhaltsamen Lektüre: Mit zehn Beiträgen hat der Heimatverein den 37. Jahrgang der "Heimat Eschenbach" gestaltet - als 120-seitiges Doppelheft. Vorsitzender Karlheinz Keck stellte beim Autorentreffen im Sitzungssaal des Rathauses den Inhalt vor.

Unter dem Titel "Spurensuche 1914/18" erinnern Keck selbst sowie Bernd Thurn und Hans Ziegler auf zehn Seiten an die Kriegsschicksale mehrerer Eschenbacher, die sie bereits bei der Ausstellung im Jahr 2014 aus dem Vergessen holten. Ergänzend dazu liefert Hans Ott einen Beitrag darüber, wie ein Eschenbacher in Paris den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebt hatte.

"Fröia, da war a Bauer no wos wert, aba heit...": Mit dieser kritischen Schlagzeile beginnt Hans Ott seine Anmerkungen über den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Für die 26 Seiten hat er viele Gespräche mit Bauern geführt. Seine Betrachtungen - unter anderem zu Frühjahrsarbeit, Hackfruchtanbau, Heu- und Getreideernte, Flachs-, Raps- und Maisanbau, Wetter und technische Errungenschaften - beginnt er mit einem Vergleich mit der Zeit vor 65 Jahren: "Um einen Hektar Getreide zu ernten, benötigte ein Landwirt im Jahr 1950 mit einem Mähbinder und der Dreschmaschine 36 Arbeitsstunden. Heute braucht ein Mähdrescher dazu eine halbe Stunde."

Ein weiteres interessantes Detail: "1523 gab es Bauernunruhen in Eschenbach; hervorgerufen waren diese sicher auch durch die Abgabenbelastung durch die 'Herrn', hier vor allem durch das Kloster Speinshart." Heute, so die nüchterne Bilanz, gibt es im Stadtgebiet keine Landwirte mehr. Die Misthaufen sind verschwunden.

Aussterbender Beruf


Als Anhang dazu befasst sich Ott mit dem offensichtlichen aussterbenden Beruf der Metzger. Zur Zeit um 1700 dagegen habe es in Eschenbach bei 800 Einwohnern sogar 16 Metzger gegeben. Bis in die Mitte der 1950er Jahre hinein habe die örtliche Berufsschule auch noch eine eigene Metzgerklasse gehabt.

Michael Biersack (Burggrub) geht dem Schicksal der Mühle und des Weilers Rauhenstetten nach, der nach mehr als 800 Jahren Existenz nach dem Ersten Weltkrieg als Teil des Guts Metzenhof abgebrochen wurde. Der überraschte Leser erfährt, dass Hermine, die Tochter von "Fürst Heinrich XXII. Reuß älterer Linie" - einem der letzten Besitzer des Guts - 1922 den ehemaligen Kaiser Wilhelm II. in dessen niederländischem Exil geheiratet hat.

Probleme einer Mischehe und deren letztendlich positive Folgen im 20. Jahrhundert beschreibt Heidi Kurz (Königstein). Die Serie "Eschenbacher Lebensbilder" setzt Barbara Funk-Ott (Berlin) fort. Sie lässt das Wirken ihres Großvaters Ludwig von Brandt lebendig werden, der als Bezirksamtmann von 1912 bis 1931 im Bezirksamt (Landratsamt) wohnte und als Einziger einen Kahn für den Rußweiher besaß.

US-Vormarsch im Jahr 1945


Dem Wirken von Artur Sanson, dem "Vater" des Eschenbacher Kriegerdenkmals - es stand etwa an der Stelle der heutigen Brücke über die B 470 in der Pressather Straße -, widmet sich Bernd Thurn. Ein weiteres Kriegsthema greift Sigurd Burucker (Oberbibrach) mit "Thunderbolt - wie die Amerikaner zu uns kamen" auf. Er zeichnet den Vormarsch der 11. US-Panzerdivision im April 1945 von Coburg über Bayreuth und Weiden nach und schildert unter anderem die Ereignisse in Vorbach und Oberbibrach.

Einen Kontrast dazu bildet ein längerer Beitrag von Bernd Thurn über "Eschenbacher Aussichtpunkte/Prächtiges Panorama". Mit einer reich bebilderten Chronik 2014/2015 des Heimatvereins beschließt Gabriele Förster das Heft. Es ist zum Preis von sieben Euro in der Stadtapotheke in Eschenbach und in der Buchhandlung Bodner in Pressath erhältlich.
Weitere Beiträge zu den Themen: Erster Weltkrieg (18)Heimatverein Eschenbach (5)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.