Swetlana und Viktor Reimer leben seit 26 Jahren in der Oberpfalz
Regeln des Landes akzeptieren

Swetlana und Viktor Reimer leben seit 19 Jahren in Eschenbach. Wichtig für die Integration sei laut den beiden, die Regeln des Landes zu akzeptieren und nach ihnen zu leben. Bild: rn
 

Seit 26 Jahren leben Viktor und Swetlana Reimer in der Oberpfalz. Zu Beginn des neuen Lebensabschnitts stand für sie im täglichen Leben Integration an oberster Stelle.

Die Heimat der Familie war Alt-Tiegenhof in der Ukraine. Sie floh zum Ende des Zweiten Weltkriegs nach Zwittau im Sudetenland. Adolf Weiß, Bruder von Viktors Mutter Adeline, war 1943 zur Wehrmacht eingezogen und an der Ostfront eingesetzt. Da Albert und Adeline Reimer bei deutschen Verwaltungsstellen gearbeitet hatten, griffen sie die russischen Besatzer im Sudetenland auf und schickten sie für neun Jahre nach Russland. Da die Rückkehr in die Ukraine untersagt war, schufen sich die Eltern Viktors in Kasachstan eine neue Existenz.

Lange Reise mit Kindern


Adolf Weiß hatte es nach dem Krieg nach Neustadt am Kulm verschlagen. 1957 fand er bei einem Landsmannschaftstreffen mit einem Bekannten aus dem ukrainischen Heimatdorf zusammen. Von ihm erfuhr er vom Schicksal der Schwester und des Schwagers. Seine Nachforschungen waren erfolgreich. Die Ära Gorbatschow machte es 1988 möglich, dass Weiß' Nichte mit ihrem Ehemann den Onkel für vier Wochen besuchen durfte.

Nun reifte der Plan zur Ausreise. Bereits im Oktober 1989 erging der positive Bescheid. Nach einem Zwischenaufenthalt in Bramsche bei Hannover und Bischofsreuth traf die Großfamilie am 11. November 1989 bei Adolf Weiß in Neustadt am Kulm ein. Mit Viktor und Swetlana Reimer hatten auch deren Kinder Viktor (vier Jahre) und Lidia (15 Monate) die lange Reise gen Westen angetreten. Nur Albert und Adeline beherrschten noch die deutsche Sprache. Das erste Ziel waren daher Sprachkurse, die in Pressath angeboten wurden.

Als Grund für den Wegzug aus ihrem Herkunftsland nennt Viktor heute mangelnde Lebensmittel und Zukunftsangst für die Kinder. Nach kurzem Aufenthalt in Neustadt am Kulm begann für die junge Familie die Zukunft in Altenstadt. Arbeit hatte der heute 55-Jährige bei der Firma Prüschenk gefunden. Dies war auch der Grund für den Umzug 1995 nach Eschenbach. Seit sechs Jahren ist er als Vorarbeiter bei der Firma Prösl-Bau beschäftigt. "Ich hatte noch nie Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten", sagt er.

In der neuen Heimat schätzen Viktor und Swetlana die abwechslungsreiche Landschaft mit viel Wald und Wasser. Der Besuch und die Teilnahme an örtlichen Festlichkeiten gehören zum Jahresablauf. Freude bereitete ihnen die Wahl ihrer Tochter Lidia zur Faschingsprinzessin. Es war daher Ehrensache, im Februar 2015 mit der Faschingsgesellschaft zum Konzert der Guggemusig "Escheschränzer" in die Schweizer Partnergemeinde zu reisen. Dort wurde Swetlana auf die Bühne "entführt". Anlass dafür war ihr Geburtstag.

"Besseres Leben"


Aus der Zeit ihres Lebens in Kasachstan vermissen sie nichts. Der neue Lebensabschnitt bedeutet für sie ein "besseres Leben". Für Menschen, die sich integrieren wollen, empfehlen sie aus eigener Erfahrungen: "Es sollten nicht mehrere Familien mit gleicher fremder Sprache zusammen wohnen. Dies fördert Ghetto-Verhältnisse. Wir waren in der neuen Umgebung stets alleine und gingen mit den Kindern zum Sport. Es ist Aufgabe, die Regeln des Landes zu akzeptieren und danach zu leben."
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