Vor 100 Jahren endet an der Front in Nordfrankreich das Leben des Eschenbachers Dr. Michael ...
Weg zum Priester endet abrupt

Sein Todestag jährt sich heute zum 100. Mal: Dr. Michael Ficker wird seit 2. März 1916 in Nordfrankreich vermisst. Der junge aus Eschenbach stammende Priesteramtskandidat war im Ersten Weltkrieg zur bayerischen Infanterie einberufen worden. Er hatte in Rom und Innsbruck Philosophie und Theologie studiert. Unser Bild zeigt ihn als Abiturient im Jahr 1909. Repro: rn

Vor einem Jahrhundert gingen auch bei Eschenbacher Familien laufend Schreckensmeldungen von den Fronten des Ersten Weltkriegs ein. Den "Heldentod fürs Vaterland" starben als Erste am 10. August 1914 Josef Höller, am 18. August 1914 Lorenz Völkl, am 20. August 1914 Franz Wolfinger und am 23. August 1914 Josef Rupprecht. Viele weitere folgten. Darunter war ein hoffnungsvoller Theologe: Dr. Michael Ficker.

Sein Leben endete genau heute vor 100 Jahren, am 2. März 1916 in Nordfrankreich. Bei La Basse, wo bereits im Vorjahr heftige Schlachten tobten, hatten die Engländer die Stellungen des 18. Bayerischen Infanterieregiments unterminiert und in die Luft gesprengt. Seitdem gilt der Offiziersaspirant, der an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom studiert hatte und Priesteramtskandidat im Collegium Germanicum war, als vermisst.

Fickers kurzem Leben war bereits Michael Schmidt nachgegangen. Seine Ergebnisse hat er in der Publikation "Heimat Eschenbach" aus dem Jahr 1986 vorgestellt. Michael Ficker wurde am 22. Januar 1888 als erster Sohn des Schuhmachers Josef Ficker und seiner Frau Barbara im heutigen Anwesen Marienplatz 5 geboren.

Begabter junger Mann


Pfarrer Fertsch, der Königliche Distriktsschulinspektor der Werktagsschule, und Lehrer Scharrer erkannten sehr bald seine Begabung. Als "Instruktor" stellte Cooperator Georg Schönl am 15. September 1901 ein Zeugnis über die Teilnahme Fickers am Vorbereitungsunterricht für die 2. Gymnasialklasse aus, die er dann 1902 in Amberg besuchte. Im Jahr darauf kam er ans Königliche Alte Gymnasium Regensburg und nach Obermünster ans Bischöfliche Knabenseminar, wo er sämtliche Fächer mit Note 1 absolvierte. Seine Ferien verbrachte Michael Ficker zum Großteil bei seinem Verwandten Josef Ficker, der Pfarrer in Ruhpolding war. In einem Brief berichtete er ihm später von den großen Mühen, die ihm das Doktorexamen in Philosophie bereitete. Ende 1909 war Michael Ficker in das Deutsche Kolleg "Germanicum" in Rom eingetreten, wo er sich zunächst drei Jahre dem Studium der scholastischen Philosophie an der päpstlichen Universität Gregoriana widmete.

Germaniker im Exil


Die Amtssprache dort war Latein, das der junge Eschenbacher fließend sprach, ebenso wie Italienisch und Französisch. Darüber hinaus war er befähigt, Urtexte aus dem Hebräischen zu übersetzen. Im Selbststudium erwarb er sich über das Altgriechisch seiner Gymnasialzeit Kenntnisse in Neugriechisch.

Nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich Ende Mai 1915 waren die Germaniker gezwungen, ins Exil zu gehen. Sie fanden eine Bleibe im "Canisianum", dem berühmten theologischen Konvikt in Innsbruck. Bald darauf folgte die Einberufung Fickers zum Kriegsdienst in der bayerischen Infanterie.

Erster Weltkrieg: 59 Gefallene und Vermisste aus EschenbachJosef Rupprecht, gefallen am 23. August 1914, hatte in der damaligen Deutschen Kolonie Südwestafrika, dem heutigen Namibia, als Reitersoldat gedient. Dem jungen Ehemann Lorenz Völkl, der als Reservist des 14. Bayerischen Infanterieregiments bei Weiler fiel, folgte am 21. Oktober 1915 in der Champagne sein Bruder Max. Am 5. August 1914 hatten die ersten Reservisten am Bahnhof Abschied von ihren Angehörigen genommen.

Am Kriegerdenkmal und in zwei Fenstern der Maria-Hilf-Bergkirche sind die Namen von insgesamt 59 jungen Eschenbachern festgehalten. Darunter sind als letzte Johann Rass (gestorben 24. August 1918), Karl Werl (27. August 1918) und Johann Völkl (2. Oktober 1918).

Die damaligen Sterbekärtchen trugen Texte wie: "Die Kugel, die dich niederwarf, sie traf auch mich ins Herz. Doch eines Helden Gattin darf nicht untergehn im Schmerz. Die Kraft, die dich im Kampf gestählt, sie sei mein Halt in Not: Der Trost des Wiedersehens hält mich aufrecht bis zum Tod."

Für die Heimkehrer aus dem Krieg gab die Gemeinde ein Fest. Wie in der Schrift "Eschenbach in Vergangenheit und Gegenwart" von 1950 nachzulesen ist, "wurden sie von der Bergkirche zu einem Festgottesdienst geleitet, dem ein ausgiebiges Festessen folgte". (rn)
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