Vortrag von Sandra Yagoub über Muslime in Deutschland
Toleranz ohne Grenzen

Sandra Yagoub lockerte ihren Vortrag mit Anekdoten auf. Bild: tsa

"Muslime in Deutschland - Bedrohung oder Bereicherung?": Dieser Frage wollte Sandra Yagoub bei ihrem Vortrag im Malzhaus nachgehen. Doch das war nicht nötig, als Bedrohung sah den Islam an diesem Abend kaum jemand im Publikum.

Pünktlich um 19 Uhr ist der Raum im Malzhaus voll und VHS-Geschäftsführerin Angelika Denk überrascht: "Ich habe mit 15 Personen gerechnet. Jetzt sitzen hier über 50." Das Publikum zeigt sich von Beginn an interessiert, dem Islam und Sandra Yagoub gegenüber positiv eingestellt. Die gebürtige Schlammersdorferin ist vor 12 Jahren zum Islam konvertiert (wir berichteten). Sie hat das Publikum von Anfang an auf ihrer Seite, kritische Töne schlägt fast niemand an. Yagoub muss ihren Glauben vor niemandem im Saal rechtfertigen.

Hohes Niveau


Sie hatte sich ein Konzept zurechtgelegt, will ihre Zuhörer zuerst auf ein wissenschaftliches Niveau bringen. Die junge Frau beginnt mit einer theoretischen Einführung, beleuchtet die Grundlagen des Islams, den Aufbau des Korans, vergleicht Suren mit Artikeln des Grundgesetzes. Dazu streut sie Anekdoten ein. Das macht die Theorie anschaulich und vor allem menschlich, das Publikum schmunzelt oder lacht laut.

Yagoub plädiert für Sensibilität, auf beiden Seiten, betont immer wieder, dass sie sich in beide Kulturen hinein denken kann. Sabine Fricke vom Arbeitskreis Asyl in Eschenbach - man merkt, sie beschäftigt sich mit der Flüchtlingsthematik - reagiert scharf auf die diplomatischen Worte, fühlt sich in einen Topf geworfen mit "allen Deutschen": "Da greifen Sie mich jetzt an. Sie sprechen über Leute, die von dem Thema keine Ahnung haben. Nur die denken, dass sich Asylbewerber anpassen müssen!"

Eine männlicher Zuhörer kritisiert scharf, aber nicht Yagoub oder Muslime, sondern deutsche Christen: "Nicht jeder kann sich sofort anpassen. Man muss immer bedenken, wie wir Deutschen uns im Ausland aufführen. Da muss man sich schämen!" Das wird vom Publikum spontan mit Applaus quittiert.

Ein anderer Zuhörer äußert doch Befürchtungen, spricht das Thema Verschleierung und Burka an: "Frauen sollten keine Burka aufsetzen und sich voll verschleiern. Darunter könnten sich auch Terroristen verstecken, man kann die Menschen nicht mehr sehen." Yagoub reagiert verständnisvoll und diplomatisch: "Wenn man weiß, dass ein komplett verschleiertes Gesicht den Menschen hier Angst macht, sollte man sich eventuell überlegen, ob man nicht davon absieht. Das ist ein zweischneidiges Schwert, man muss immer beide Seiten sehen!" Man merkt, Yagoub ist hin- und hergerissen, sie kann die Bedenken der Deutschen nachvollziehen, will aber ihren Glauben verteidigen.

Yagoub erklärt dem Publikum ihre Geschichte, wie sie früher zum Kopftuch stand und wie sie die Entscheidung getroffen hat, ein Kopftuch zu tragen. "Es bedeutet eine gewisse Freiheit für mich. Ich entscheide, wer was sehen darf und wer nicht." Der Zuhörer, der sich für Deutsche im Ausland schämt, stellt eine Zukunftsprognose auf, die das übrige Publikum, und vor allem Sandra Yagoub, unkommentiert stehen lässt: "Warten wir noch 20 Jahre, dann laufen hier alle Frauen freiwillig mit einem Kopftuch herum."

Geduldig und sachlich


Yagoub antwortet geduldig und sachlich, gibt aber auch zu, wenn sie eine Frage nicht beantworten kann. Der besorgte Herr äußert erneut Beunruhigung: "Ich habe ein bisschen im Koran gelesen, die Sure 4 Ziffer 90 finde ich bedenklich, darin steht: 'Wendet sich jemand von Allah ab, ergreift ihn und tötet ihn'." Einige im Publikum ergreifen Partei für den Islam: "Solche Sachen stehen auch in der Bibel." Sandra Yagoub selbst bleibt gelassen: "Ich bin keine Gelehrte, aber mein tiefes Vertrauen in den Islam wurde noch nie enttäuscht. Auf diese Frage kann ich aber keine Antwort geben, ich weiß es nicht."

Die junge Frau will die Kulturen einander vorstellen, das merkt man. Und sie ist bemüht, beide Seiten zu verstehen. Am Ende der Veranstaltung ist sie zufrieden. Es ist gut, wenn diskutiert wird und Fragen gestellt werden, findet Sandra Yagoub.
3 Kommentare
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Dieter Schmid aus Erbendorf | 26.02.2016 | 11:51  
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Norbert Haßler aus Kirchenthumbach | 26.02.2016 | 20:42  
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Sandra Yagoub aus Kirchenthumbach | 27.02.2016 | 17:29  
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