Weihbischof Dr. Josef Graf ruft beim Dekanatstag in Eschenbach dazu auf, die sieben leiblichen ...
Mit kleinen Taten Zeichen setzen

Barmherzig sein, so wie Jesus es vorgelebt hat, darüber sprach Weihbischof Dr. Josef Graf beim Dekanatstag im Eschenbacher Pfarrheim. Der Gesprächsabend stand in Zusammenhang mit dem "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit", das Papst Franziskus ausgerufen hat. Zahlreiche Seelsorger, Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Gläubige aus dem gesamten Dekanat Neustadt/WN lauschten den Empfehlungen. Bild: do

Mit der Ausrufung eines "Heiligen Jahres der Barmherzigkeit" hat Papst Franziskus einem Begriff Aktualität verliehen, der im alltäglichen Sprachgebrauch eher selten vorkommt. Barmherzigkeit zu erfahren, neu zu entdecken und anzureichern, dazu forderte Weihbischof Dr. Josef Graf beim Dekanatstag in Eschenbach auf.

"Barmherzig wie der Vater", war deshalb auch sein Vortrag nach dem Gottesdienst (wir berichteten) im Pfarrheim überschrieben. Graf lenkte dabei die Aufmerksamkeit der Seelsorger, Mitarbeiter und Ehrenamtlichen sowie Gläubigen auf den tieferen Sinn des Themas.

Ein Herz für den Nächsten zu haben, darum gehe es in einer Zeit, in der die Herbergssuche hoch aktuell sei, erklärte der Weihbischof. Auf Barmherzigkeit zu hoffen, bedeute Sehnsucht nach Liebe und Wahrheit, nach Glaube und Hoffnung sowie nach Gerechtigkeit und Barmherzigkeit als den beiden wichtigsten Kardinalstugenden.

Aber was bedeutet Barmherzigkeit? Dieser Frage widmete Dr. Josef Graf einen Großteil seiner Erläuterungen. Antworten biete das Evangelium, sagte der Redner und erinnerte an das Gleichnis vom verlorenen Sohn, den der Vater wieder mit offenen Armen empfangen habe. Könne diese Form von Barmherzigkeit gerecht sein, wenn ein barmherziger Vater nicht aufrechne, sondern alle Söhne vorbehaltlos gleich behandle und seine Liebe nicht an Bedingungen knüpfe? Der Weihbischof interpretierte die Bibeltexte als eine lebensverändernde Willenskraft, die rettet. Denn: "Niemand ist perfekt und ohne Schuld." Das Gleichnis führe zu Jesu Botschaft, durch Barmherzigkeit Wege in ein neues Leben zu öffnen. Daraus lasse sich die Antwort ableiten, dass der Mensch bei aller Schuld in Freiheit zurückkommen müsse.

Auch warnte Graf vor der Verschandelung der Wortbedeutung. Vielfach klinge in den Ohren der Menschen Barmherzigkeit fremd oder werde gleichbedeutend mit Mitleid verwendet. Der Redner korrigierte diese Herleitung aus dem lateinischen "Misericordia". Als richtungsweisend nannte er die Bereitschaft, auf den barmherzigen Gott zu schauen und gleichzeitig die Not des Nächsten zu erkennen. Der Weihbischof sah auch die Notwendigkeit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zusammenzubringen.

Zusammenfassend empfahl er den Gläubigen, ihr Herz für gute Taten zu öffnen und die sieben leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit zu praktizieren. Diese seien "Liebestaten, durch die wir unserem Nächsten in seinen leiblichen und geistigen Bedürfnissen zu Hilfe kommen". Auf die Stimme Gottes hören, die kleine Tat nicht scheuen und damit kleine Zeichen setzen, sei ein gutes Rezept.

"Haltet der Kirche die Treue und erneuert eure Herzen", diese Bitte war begleitet von starkem Schlussbeifall. Mit Hinweisen von Dekan Thomas Jeschner zur Pilger-Flugreise nach Rom endete der Dekanatstag.
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