Wie erleben Flüchtlinge und Asylbewerber ihre neue Umgebung? Maria Cronenberg vom Arbeitskreis ...
Wasser ist gleich Angst

Der Umgang mit Wolle und Nadel ist gar nicht so einfach, wie ein junger Flüchtling beim Strickkreis erfuhr. Dieses Foto und viele andere zeigte Maria Cronenberg vom Arbeitskreis Asyl beim evangelischen Seniorenkreis in ihrem Vortrag über den Alltag der Flüchtlinge in der Rußweiherstadt. Bilder: rn (2)

Wie erleben Flüchtlinge und Asylbewerber ihre neue Umgebung? Und wie sieht ihr Alltag aus? Antworten darauf gab Maria Cronenberg beim Monatstreff des evangelischen Seniorenkreises. Seit über einem Jahr ist die ehemalige Volksschullehrerin Mitarbeiterin im Arbeitskreis Asyl - und dabei überaus aktiv.

Im evangelischen Gemeindezentrum nahm Cronenberg ihre Zuhörer mit auf eine Bilderreise. Zu Ende sei die Zeit des Aufenthalts von Asylbewerbern aus Albanien und Aserbeidschan, berichtete sie. Den Ausbildungsstand der jetzt überwiegend aus Syrien stammenden Flüchtlinge fasste sie in wenigen Worten zusammen: "Vom Analphabeten bis zum Uni-Abschluss". Als Integrationshindernis wertete sie die Stellung der Frauen: "Sie dürfen nicht unter die Leute gehen."

Fröhliche Gesichter sahen die Senioren auf Bildern von Kaffeerunden und Gartenfesten bei Mitgliedern des Helferkreises, bei der Ramadan-Feier, der Zubereitung von Fladenbrot oder beim Kochen. Beim Strickkreis interessierte sogar Buben der Umgang mit Wolle und Nadeln. Schneider Abbas stand die Freude ins Gesicht geschrieben, als er an einer geschenkten Nähmaschine sein Können unter Beweis stellte.

Hausaufgabenhilfe


Freude herrschte auch bei den Absolventen des ersten Deutschkurses an der VHS, bei dem Teilnehmer aus vier Nationen den ersten Schritt zur Integration machten. Acht Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren ist Gertraud Wiesner eine ständige Hausaufgaben- und Lernhilfe. Sabine Fricke, Hildegard Gauthier, Felicitas Rahman und Gabi Schwemmer nannte Maria Cronenberg als weitere Mitarbeiterinnen im Unterrichtsteam.

Interessiert zeigen sich Asylbewerber am öffentlichen Geschehen. In der Bilderserie fiel auf, dass sie dabei stets von Mitarbeitern des Asylkreises begleitet werden. Die neue, fremde Umgebung erfordere Hinführen, Informieren und Aufklären, erläuterte die Referentin - ob bei Bürgerfest, Faschingszug, oder Ausbildungsmesse. Erinnerungen wurden wach bei Fotos von der geselligen und lebendigen vorweihnachtlichen Feier mit Flüchtlingsfamilien in der Pausenhalle der Förderschule und vom Gartenfest "Ein Jahr Gemeinschaftsunterkunft". Wie gerne die Kinder Angebote mit Gleichaltrigen annehmen, zeigte Cronenberg anhand von Aufnahmen vom Motorbootfahren auf dem Rußweiher und vom Zusammentreffen von Gardemädchen mit Klassenkameradinnen auf.

Probleme beim Sport


Beim Blick in die gut gefüllte Kleiderkammer gestand Cronenberg: "Ich hätte nie gedacht, dass die Eschenbacher so viel Kleidung bringen." Sie berichtete aber auch von Problemen am Praktikumsplatz, wenn es um die Pünktlichkeit geht, sowie beim Baden und beim Sport der Schülerinnen. Die Erlebnisse der Flucht über das Mittelmeer wirkt bei allen Flüchtlingen - ob groß oder klein - nach, betonte Cronenberg: Wasser werde mit Angst in Verbindung gebracht.
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