Zoiglfest der CSU
Hoch die Krüge

Beim Zoigl-Fest der CSU war vor allem die junge Generation stark vertreten, darunter eine Vertretung des Kirwa-Vereins in feschen Vereinstracht und die "Vorbacher Dorfmusikanten". Bild: do

Irgendwie muss der Zoigl doch ein Zaubertrunk sein. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Anhänger des Kommunbiers das alte Malzhaus fast überschwemmt hätten.

Endlich, denn im geschichtsträchtigen Jubiläumsjahr des bayerischen Reinheitsgebotes hatte sich bis dahin im Malzhaus an historischer Stelle der Eschenbacher Bierbrautradition nichts getan. Ein Stück Bier-Kult machten CSU, Frauen-Union und Junge Union dann wahr. "Da wurde es aber auch höchste Zeit", bestätigten zahlreiche Gäste den Schwarzen.

Richtige Atmosphäre


Das erste Stockwerk konnte die vielen Genussmenschen gar nicht fassen, unter denen auffallend viele junge Leute waren. Deshalb ließ sich ein durstiges Völkchen auch im wuchtigen Gewölbe im Erdgeschoss nieder. Wie es sich gehört, wurde das Malzhaus in Sichtweite von Darre und rustikalem Trocknungsofen zum Ort bayerischer Geselligkeit. Der naturtrübe Gerstensaft des Krawandorfer Heberbräues aus der Nachbargemeinde Kirchenthumbach garantierte eine Stimmung aus Zuprosten, Plaudern und Seele-baumeln-lassen. Deftige Hausmacher-Brotzeiten wie Wurstsalat, Obatzter und Bauernseufzer mit Kraut waren die beste Unterlage für die Züge aus vollen Krügen. Stadtrat Michael König, CSU-Fraktionssprecher Marcus Gradl und zweiter CSU-Ortsvorsitzender Tobias Lehl hatten beim Ausschank alle Hände voll zu tun, um den Zoigl-Durst zu befriedigen. An den Biertischen sicherte ein emsiges Serviceteam um Profi Peter Nasser den Nachschub.

Hin und weg


Begeistert zeigte sich CSU-Ortsvorsitzende Dr. Sabine Schultes. "Beim Zoigl ist man immer unter Freunden", stellte die Stadträtin in beseelter Stimmung fest. Unter den Gästen begrüßte sie auch den städtischen Kulturbeauftragten Willi Trummer und CSU-, FU- und JU-Freunde aus Grafenwöhr und Pressath.

Zum Kommunbier-Genuss gehörte selbstverständlich die richtige Musik. Als der "Gaudi-Express" anrollte, war die Zoigl-Gemeinde hin und weg. Gerd Retzer und Werner Meier als "Vorbacher Dorfmusikanten" entfachten mit Quetschn und Gitarre urige Oktoberfeststimmung und die Hoffnung auf viele weitere Zoigl-Umtrunke an historischer Stelle.

Kein "zünftiges Gedenken"

Robert Dotzauer

Malz ist neben Hopfen der Inbegriff der Bierherstellung. Was genau ist Malz? Die Antwort: Zum Keimen gebrachtes Getreide. Durch den Prozess des Malzens entstehen in der für das Bierbrauen bevorzugten Gerste Enzyme. Dieser Prozess wird im alten Malzhaus in Eschenbach eindrucksvoll erläutert.

Nur wenige bayerische Städte und Gemeinden können mit solchen Pfunden der Brautradition wuchern. Schon im Jahr der Errichtung 1607 prägte das Malzhaus das Bild der Stadt und das Getränk, das erst durch das Mälzen zu Bayerns fünftem Element wurde. 400 Jahre später entwickelte sich das vom Verfall gezeichnete Gebäude nach einer Restaurierung zum Kleinod der Stadtgeschichte. Seit 2007 ist mit den Einrichtungen ein Stück des historischen Brauprozesses erlebbar.

Besonders im 500. Jahr des bayerischen Reinheitsgebotes und im Jahr des bayerischen Bieres eine Attraktion, die zum Thema Brauprozess ihresgleichen sucht. Und was tut die Stadt? Nichts. Die Bier- und Felsenkeller im Stadelviertel als Schlusspunkt eines vielgepriesenen Pseudo-Bierwegs sind plötzlich angeblich einsturzgefährdet. Sang- und klanglos geht das Thema des bayerischen Grundnahrungsmittels als Element bayerischer Lebensart und Lebensfreude am Malzhaus vorüber. Keine Jubiläumsveranstaltung, keine Ausstellung, keine Führungen - und auch kein "zünftiges Gedenken" an Eschenbacher Kommunbier-Geschichte.

Dabei würde es dem Stadtbild nicht schaden, an einem Kult-Ort der Bier-Tradition Ausrufezeichen der Kommunikation und Harmonie zu setzen. Stattdessen sehen Altstadtbesucher bei einem Blick in die Schaufenster neu eröffneter Bestattungsunternehmen andere Perspektiven.
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