Feuer vernichtet halben Ort

Das Münchener Tagblatt berichtete in der Ausgabe am 11. Juli 1895 über das große Brandunglück in Eslarn. Repro: gz
Kultur
Eslarn
01.07.2015
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Ein verheerender Großbrand ereignete sich vor 120 Jahren in Eslarn. An die Katastrophe erinnerte sich die damals sechsjährige Maria Müller in einem Brief.

Die Bevölkerung wurde vor allem im 17. und 19. Jahrhundert durch mehrere Brände und den Verlust von Hab und Gut schwer getroffen. Beim Großbrand im Jahr 1895 vernichtete die Feuerbrunst 147 Wohn- und 247 Nebengebäude. Die Flammen erfassten auch die Pfarrkirche und den Kirchturm, auf dem die starke Hitze die Glocken schmelzen ließ und den Turm teilweise zum Einsturz brachte.

Größter Brand

Die ursprüngliche Kirche hatte durch mehrere Brände im 17. Jahrhundert so sehr gelitten, dass es 1682 zu einem Neubau kam. Ein Brand erfasste dann 1831 nicht nur das Gotteshaus, sondern auch zahlreiche Anwesen. Vor allem aber der Großbrand am 1. Juli 1895 war für die Bevölkerung das größte Brandunglück in der Gemeindegeschichte und hatte verheerende Auswirkungen.

Die Erinnerungen an dieses vermutlich durch zündelnde Kinder entfachte Inferno schrieben Oberlehrer Hans Schlemmer in der Gemeindechronik und die mit 88 Jahren verstorbene Maria Voit, geborene Müller in einem Brief an ihre Nichte nieder. Die 1977 mit 88 Jahren verstorbene Zeitzeugin war 1895 gerade mal sechs Jahre alt.

Schulfrei und Heuernte

"Als der Tag mit einem richtigen Heuwetter begann, waren schon viele Männer zur Heuernte zu den Pfrentschweiherwiesen geeilt", schrieb Schlemmer. Zur Freude der Kinder hatte die Schule wegen der Hitze den Unterricht frühzeitig beendet. Aber die Freizeitgestaltung der Mädchen und Buben hielt sich in Grenzen, denn der Nachwuchs wurde zur Unterstützung bei der Heuernte benötigt.

So war es, dass am 1. Juli 1895 nur ältere und kranke Menschen sowie einige Kinder der Grundschule die Zeit zu Hause verbracht haben. "Die Kinder trieben sich aufsichtlos in Haus und Hof herum", tadelte der Oberlehrer. "Zwei Buben in meinem Alter zündelten im Heu und als sie alleine zu Hause waren, wollten sie das Johannisfeuer nachmachen", beschrieb Voit in einem Brief.

Das kleine Feuer am Zündholz hatte das Stroh schnell erfasst und im Nu stand das Strohlager samt Holzbau in Flammen. Die meisten Häuser waren aus Holz gebaut und so konnte sich das Feuer mit Hilfe des Winds rasch von Haus zu Haus ausbreiten. Nicht verschont blieb die Pfarrkirche im Zentrum des Ortskerns. Die ausgedehnte Feuersbrunst vernichtete den halben Ort. "Die Kirchturmuhr blieb exakt um 16.30 Uhr stehen."

Obwohl das Wohnhaus der Familie Müller am Tillyplatz weit vom Brandherd entfernt war, brannte auch das Haus mit dem Gemischtwarengeschäft völlig nieder.

Die Flammen sprangen regelrecht von Holzhaus zu Holzhaus und die helle Feuersbrunst konnte man bis nach Luhe und weit nach Böhmen hinein sehen. "Es sah aus, als würden die Wolken anbrennen und ich hatte um den Himmel Angst", erinnerte sich die Zeitzeugin. Das einzige was der Familie wie auch vielen anderen blieb, waren Matratzen und Betten und ein paar Möbel, die schnell aus den brennenden Häusern gezerrt wurden.

Die Medien berichteten in ganz Bayern über die Brandkatastrophe und so kam es auch zu örtlichen und überörtlichen Hilfsaktionen. Die Zeitung "Neues Münchener Tagblatt" widmete dem Unglück in der Oberpfalz mit dem Titel "Das große Brandunglück in Eslarn" am 11. Juli 1895 eine ganze Seite.

Nach dem Brand zeigten die Eslarner Solidarität und die betroffenen Familien fanden bei Freunden, Nachbarn oder in den Gasthäusern einstweilen eine Bleibe. Auch die Familie Müller kam in einem Haus unter und konnte in dem dort vorhandenen leerstehenden Laden die wenigen nicht verbrannten Waren verkaufen und einen neuen Laden aufbauen.
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