20 Jahre für Jahrhundertwerk

Auch eine Abordnung aus China zeigte Interesse an der Flurbereinigung in Eslarn.
Lokales
Eslarn
28.10.2014
1
0

Die Flurbereinigung in Eslarn mit einer Fläche von rund 4000 Hektar und einem Gesamtvolumen von knapp 9 Millionen Mark dauerte 20 Jahre und wurde 1994 als Jahrhundertwerk abgeschlossen. Interesse an dem Großprojekt zeigte auch eine Abordnung aus China.

Die staatlichen Zuschüsse betrugen teilweise bis zu 90 Prozent. Ein großer Gedenkstein an der Kreuzung "Hasenbühlstraße/Heubachgasse mit der Inschrift "Gott beschütze unsere Flur - Flurbereinigung von 1974 bis 1994" erinnert an eine gelungene und mit vielen Hürden übersäte Großmaßnahme.

Drei Bürgermeister

Mit Ludwig Landgraf, Max Rauch und Karl Roth waren drei Bürgermeister involviert. Als Vorsitzender und Verbindungsmann zu den Behörden erhielt 1986 der verstorbene und langjährige Gemeinderat Franz Rupprecht für sein Engagement die Staatsmedaille. Bei der Flurbereinigung standen die Gestaltung der Landschaft und die Strukturierung des Grundeigentums durch die Landwirte im Mittelpunkt. Neben dem Landwirtschaftsministerium, der Flurbereinigungsdirektion und den Grundeigentümern wirkten zudem Wasserwirtschaftsamt, Landwirtschaftsamt Weiden, der Landkreis und die Gemeinde mit.

Ziele waren eine Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft, die Förderung der allgemeinen Landeskultur wie Freizeit und Erholung und die Verbesserung der Lebensverhältnisse und Entwicklung auf dem Land. Die ersten Planungen liefen bereits ein Jahr vor dem Start an, nachdem zuvor die westlich gelegenen Ortsteile in die Flurbereinigung Heumaden eingebunden waren. Die Führungsriege der Eslarner Teilnehmergemeinschaft um Vorsitzenden Franz Rupprecht bildeten Anton Reil, Georg Balk, Johann Lang, Georg Kleber, Max Rauch, Albin Grießl, Josef Siertl und Albert Meckl. Die Betreuung übernahm Oberbaurat Heinrich Beer von der Flurbereinigungsdirektion Regensburg.

Bis zum Beginn 1974 folgten unzählige Vorstandssitzungen, Treffen mit Behörden, Verhandlungen mit Grundeigentümern und betroffenen Vereinen. Die Mitwirkenden mussten rund 5 Prozent an Land abtreten, eine Eigenleistung von etwa 300 Mark und unbare Eigenleistungen in Form von Hand- und Fuhrdiensten einbringen. Bei der Erschließung eines zweckmäßigen Straßen- und Wegenetzes wurden ab 1974 etwa 27 Kilometer mit Schwarzdecken und 12 Kilometer mit Schotter ausgebaut, wobei 12 Kilometer den Charakter einer Gemeindeverbindungsstraße hatten.

30 Einzelhöfe erhielten durch die finanzielle Unterstützung der Direktion für ländliche Entwicklung in Regensburg kostengünstig und zum ersten Mal eine geteerte und somit ganzjährig befahrbare Zufahrt. Allein für den Wegebau wurden 4,9 Millionen Mark verarbeitet. Die Kommune sanierte mit rund 780 000 Mark an Eigenmitteln das Straßennetz und baute es aus.

Ab 1976 wurden etwa 400 Hektar Flächen durch Verlegung von Drainagen entwässert, Vorfluter eingebaut, Teiche errichtet und mit der Anlage von Tümpeln wertvolle Kleinbiotope geschaffen. Mit bodenverbessernden Maßnahmen erhofften sich die Verantwortlichen und Landwirte höhere Erträge, rationellere und zeitgemäße Landbewirtschaftung. Zum Erhalt der Natur dienten Windschutzanpflanzungen und Feldraine, die nicht nur die Jäger und Imker erfreuten. Durch die aufblühende Landschaft fanden Tiere außerdem reichlich Nistplätze.

Außerdem kamen die Ausgleichsmaßnahmen den bedrohten Arten der Tier- und Pflanzenwelt als Rückzugsgebiete zugute. Die mit dem Einvernehmen der Naturschutzbehörde rund 3000 neu gepflanzten Bäume und 3800 Sträucher belegen die Harmonie zwischen Ökologie und Ökonomie.

Ab 1977 folgten umfangreiche wasserwirtschaftliche Baumaßnahmen wie die innerörtliche Hochwasserfreilegung des Loisbachs. Die Begrünung des Marktplatzes mit 11 Bäumen kostete 20 000 Mark. 1979 und 1980 gab es Verhandlungen mit den Grundeigentümern über die Neuverteilung der Grundstücke. Im Herbst 1980 wurden die neu zugeteilten Flächen bewirtschaftet werden.

Mit Weitblick erlangten die Verantwortlichen zur Verbesserung der Infrastruktur wichtige Flächen, die später für das Umspannwerk am Brückenweg, für das neue Sportplatzgelände an der Freizeitanlage Atzmannsee und für den Neubau der Kreisstraße von Eslarn nach Oberlangau von enormer Wichtigkeit waren. In einer Gemeinschaftsaktion mit dem OWV wurden 1989 teilweise über 100 Jahre alte und verwitterte Feld- und Wegkreuze, Bildstöcke und Marterl saniert. Der Kostenaufwand betrug über 40 000 Mark.

Reiche Kulturlandschaft

"Nicht alles, was der Mensch hervorbringt, ist Kultur. Und nicht jede vom Menschen veränderte Naturlandschaft ist eine Kulturlandschaft. Doch durch die Flurbereinigung konnte altes Brauchtum und Kulturgut regeneriert werden", stellte Heimatpfleger Peter Staniczek in der Abschlussfeier fest. Wegen ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit seien die Bildstöcke, Feldkreuze, Marterln und Grenzsteine in den Eslarner Fluren bezeichnend für eine reiche Kulturlandschaft.

"Ein besonders augenfälliger Beweis für den Einklang zwischen Landwirtschaft und Natur in Eslarn ist die Tatsache, dass hier seit Ende der 70er Jahre wieder Störche brüten. Dies ist sicherlich auch auf die neugeschaffenen Biotope zurück zu führen", sagte die damalige Staatssekretärin Marianne Deml vom Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Sie sprach flächenmäßig von einem der größten Verfahren in Bayern.

Beer stellte klar, dass es bei jeder einschneidenden Maßnahme, die vor allem ins Eigentum eingreift, eine Reihe unzufriedener Grundeigentümer gebe. Die 54 Widersprüche bedeuteten laut Beer eine harte Zeit, vor allem für den Vorstand der Teilnehmergemeinschaft. Bis auf wenige Ausnahmen hatten Vorstand und Spruchausschuss der Flurbereinigungsdirektion eine einvernehmliche Lösung gefunden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3437)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.