5 Klassenzimmer für 567 Schüler

Die Franziskaner-Schwestern vom Mutterhaus in Dillingen übernahmen ab 1931 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und ab 1946 den Mädchenunterricht, später auch gemischte Klassen. Repro: gz
Lokales
Eslarn
11.04.2015
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Ein Blick in die Geschichte der Eslarner Schule macht den ständigen Kampf um bessere Standort- und Unterrichtsbedingungen deutlich. Schüler nahmen auch auf dem Boden Platz.

Ein Schul- und Mesnerhaus, das je zur Hälfte der Gemeinde und Kirche gehörte, existierte nach den Überlieferungen des Eslarner Geschichtsforschers, Dr. Josef Hanauer, erstmals im 16. Jahrhundert am Marktplatz. Der Beginn der Eslarner Schulgeschichte.

Desolates Klassenzimmer

Ein Lehrer unterrichtete 1724 in der Winterzeit alleine 60 bis 70 Schüler. 1808 stand für den Schulunterricht der 236 Kinder nur ein einziges, viel zu kleines und dazu desolates Klassenzimmer zur Verfügung. Die Diskussionen um eine Erweiterung mit einem Anbau dauerten fünf Jahre und kamen erst 1839 zur Umsetzung. Da die Schülerzahlen auf 309 anstiegen, konnte das Raumproblem auch dadurch nicht beseitigt werden. Während 150 Kinder mit dem Hauptfach "Schreiben" beschäftigt waren, stand die andere Hälfte neben den Schulbänken.

Der Großbrand 1848 erfasste mehrere Gebäude wie auch das Schulhaus. Der Unterricht musste ab 1850 gänzlich ins Arzthaus von Dr. Turban verlagert werden. 1866/67 besuchten 392 Mädchen und Buben die Volksschule und weitere 124 die Feiertagsschule. 1870/71 waren es schon 400 Volksschüler und 148 Feiertagsschüler. Nach dem Erweiterungsbau 1871 unterrichteten die vier zugeteilten Lehrer 430 Kinder. Dies veranlasste den Schulsprengelausschuss am 21. Januar 1871 zu einer Eingabe an die Regierung, in der auf das niedrige Lehrergehalt und die Raumnot hingewiesen wurde: "Bekanntlich ist die Schulgemeinde Eslarn die ärmste im ganzen Königreich Bayern." Nachdem im sanierten Rathaus ein weiteres Klassenzimmer installiert worden war, standen 1884 für die 567 Schulkinder 5 Klassenzimmer zur Verfügung.

Pfarrer verkauft Grund

Die Dringlichkeit für ein neues Schulgebäude teilte 1896 Lokalschulinspektor, Pfarrer Alexius Sperl, dem Bischöflichen Ordinariat mit. "Es war aus Platzmangel nicht einmal möglich, die Kinder auf dem Boden sitzen zu lassen." 1897/98 wurde ein neues Schulhaus mit drei Unterrichtsräumen und Wohnungen für die Lehrer an der Schulhausstraße 1 eingerichtet. Die Bestrebungen für die Errichtung eines ausreichenden Zentralschulhauses gehen bis 1905 zurück. Pfarrer Sperl verkaufte der Gemeinde für 3100 Mark einige seiner Grundstücke.

Am 23. Juli 1928 wurde mit dem Bau eines Zentralschulhauses begonnen und zwei Jahre später konnte der Unterricht für die 229 Mädchen und 270 Knaben aufgenommen werden. Nach dem Neubau wurde 1931 das alte Schul- und Rathaus abgerissen.

Ab 1931 übernahmen die Franziskaner-Schwestern den Mädchenunterricht. Die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten ersetzten diese ab 1938 mit weltlichen Lehrerinnen und erst ab 1946 übernahmen die Schwestern erneut den Unterricht. Während der letzten Kriegsmonate war im Schulhaus ein Lazarett und ein zusätzlicher Schulraum im Gasthaus "Böhmerwald" eingerichtet. Ab April 1945 diente das Schulgebäude den amerikanischen Soldaten als Standortquartier und nach deren Abzug als Zwischenlager für aufgegriffene Wehrmachtsangehörige. Während der Zeit entfiel der Schulunterricht.

Von 4 auf 14 Lehrer

Ab 1946 übernahm für drei Jahre Schwester Oberin Henrika Weiß die Leitung der gesamten Volks- und Berufsschule. Ab 1949 lag die Verantwortung für die Knaben in den Händen von Lehrer Johann Faltenbacher. 1884 mussten die 4 Lehrer in 5 Schulräumen 567 Kinder und 100 Jahre später 14 Lehrer in 17 Schul- und 14 Ausbildungsräumen 348 Buben sowie Mädchen unterrichten.

Nach dem Bau des Nordosttrakts 1970 umfasste die Gesamtschule unter anderem 14 ausgebaute Schulsäle und eine Küche. 1986 bis 1988 folgte der Bau einer neuen Turn- und Sporthalle, 1996 die Sanierung der Grundschule und ab 1998 die Sanierung des Nordostteils. Die im September 2007 in Kraft getretene neue Schulreform war mit der Verlegung der Hauptschule nach Moosbach verbunden. Die Grundschüler gehen bis heute in ihrem Heimatort zur Schule.
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