Auswahl aus 180 Bildern

Lokales
Eslarn
01.07.2015
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In der Kriegsgefangenschaft dienten dem damals 20-jährigen Siegmund Witzlau die Finger oder ein eigenes Haar zum Skizzieren von Landschaften. Zum Heimatfest bietet der gebürtige Berliner in seiner Wahlheimat einen Einblick in seine Bildersammlung.

Der Maler wird ab Montag, 3. August, ab 14 Uhr zur Heimatfest-Ausstellung in einem separaten Klassenzimmer rund 25 Bilder und Zeichnungen ausstellen. Die Werke zeigen die Liebe zur Natur und die Spachteltechnik - die typische Handschrift des inzwischen 90-Jährigen.

In seinem jüngsten Bild mit dem Titel "Der Unentwegte" spiegelt sich in der Rolle eines Landstreichers die ungewisse Zukunft des Malers während des Kriegs und der Gefangenschaft. Der Berliner lebt seit 1985 in Eslarn und genießt seither die schöne Landschaft. Letzteres bieten ihm stets schöne Motive, die er in vielen Bildern verewigte. Die einzelnen Zimmer vom Keller bis zum Dachgeschoss ziert eine bunte Bildergalerie.

Nach dem Tod seiner Frau Gertraud beschäftigt sich der Rentner noch mehr mit der Malerei, aber auch mit Musizieren, Kochen und Lesen. Beim Malen legt Witzlau des Öfteren den gewöhnlichen Pinsel beiseite und verleiht seinen Ölbildern mit der Spachteltechnik plastische Strukturen.

Zum Malen kam der damals 18-jährige Siegmund Witzlau kurz vor dem Krieg und vor allem in der Kriegsgefangenschaft. Da er keine Ausrüstung hatte, dienten ihm Kreide, aber auch ein eigenes Haar und die Finger zum Skizzieren und Auftragen der Farbe. "Da ich als junger Mann viele Haare hatte, war ich auch reichlich mit Werkzeugen ausgestattet", fügte der Rentner mit einem verschmitzten Lächeln an.

In der Gefangenschaft erhielt er für die besonderen Bilder sowohl von den Amerikanern und später bei den Russen enorme Anerkennung. "Da ich meine Bilder für Proviant und für Zigaretten eintauschen konnte, ging es mir einigermaßen gut." Viele der damaligen Witzlau-Werke zieren vermutlich noch heute einige Wände in Amerika und Russland. Nach dem Krieg besuchte er 1946 die "Meisterschule für Kunstgewerbe", die heutige Akademie der Künste in Berlin. Momentan beschäftigt sich Witzlau in seinem Haus mit dem 180. Bild und der Bilderauswahl für die Heimatfest-Ausstellung.
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