Autorin Marianne Ach liest und erzählt in ihrem Heimatort Eslarn - Harte Kindertage in der ...
Berechtigtes und unberechtigtes Glück

Marianne Ach las aus einigen ihrer Romane. Bild: gz
Lokales
Eslarn
06.08.2015
1
0
Marianne Ach hat inzwischen fünf Bücher veröffentlicht. Die 73-Jährige hat viel zu erzählen. Erst mit 50 Jahren fing die pensionierte Realschullehrerin zu schreiben an. Was bisher entstand, stellte sie in ihrem Heimatort Eslarn vor 130 Zuhörern in der Schulturnhalle vor.

"Schreibe, um dich zu retten und eines Tages wirst du schreiben, weil du gerettet worden bist", lautet das Motto der Autorin. Ihre Stoffe findet sie rund um Eslarn. Mit 13 verließ sie Elternhaus, vertraute Menschen, Gerüche, den Wasserfall und die Himbeersträucher.

Enttäuschte Hoffnungen

Den Vater verbindet Ach mit einer Feldpostkarte aus Russland, von wo er nie mehr zurückkehrte. "Du darfst jetzt nicht mehr Kind sein", forderte die Mutter. Mit der Grenze verbindet die Autorin die Wörter "Stacheldraht" und "Niemandsland". "Mit vielen Wünschen und viel Hunger ging es bei 20 Grad Kälte in Richtung neue Heimat", schilderte sie die Flucht ihres späteren Mannes aus dem Sudetenland. Anders als erhofft, erwarteten ihn ein kalter, feuchter Raum, den viele teilen mussten.

Das spätere Zuhause, die Enge und das Ungewisse im und nach dem Krieg verewigte die Schriftstellerin im Roman "Winterherzen". Die Bevölkerung war durch den Eisernen Vorhang in ihre Schranken gewiesen. Sie war an Enge gewöhnt und hatte nichts Ausladendes oder Überflüssiges in ihrer Sprechweise. Dies war auch für Marianne Ach prägend. Als junges Mädchen erlebte sie, wie eine Tante auf der Hochzeit ihrer Nichte starb, ein Landstreicher nicht mehr nach Hause zurückfand, ein Sägewerk brannte und in den Bierkellern Kühle und Dunkelheit vorherrschte. "Wir sind zu viert: die Großmutter, die Mutter, meine Schwester und ich. Vier ratlose Menschen, die ihre Teller anständig leer essen und immer noch hungern."

Ihre Biografie fasst sie so zusammen: Eine Frau, die Nonne wird und das Kloster wieder verlässt, die auf ihre Berufsjahre als Lehrerin zurückblickt und die als Schriftstellerin auf Lesereisen unterschiedlichste Erfahrungen macht. Inzwischen lebt sie in München.

In "Der Blechsoldat" befasst sich die Schriftstellerin aus der Sicht einer kleinwüchsigen, schwangeren Magd, die gar nicht ins Bild der Machthaber passt, mit der NS-Zeit. "Der Blechsoldat" gibt es dank der Illustrationen von Elena Litzinger auch als Schullektüre.

Ach bezeichnet Ilse Aichinger als literarisches Vorbild. Ihr Lieblingsroman "Die größere Hoffnung" handelt von dem halbjüdischen Mädchen Ellen im Dritten Reich. "Jedes Mal, wenn ich das lese, bin ich nicht mehr so sicher, ob mein Glück auch berechtigt ist," überlegt Ach.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.