Bierstube in Moorlandschaft

Lokales
Eslarn
22.05.2015
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Der idyllische Weiler "Torfhäusl" besteht seit 1920 und ist unter den insgesamt 25 Ortsteilen um Eslarn eine der kleinsten Ansiedelungen. Er stand des Öfteren im Fokus der Politik.

Mit der Pfingstveranstaltung (Hintergrund) erinnert der Oberpfälzer Waldverein im Zuge des Heimatfests an die Entstehungsgeschichte der Einöde "Torfhäusl" vor 95 Jahren und an die Gründungswanderung des OWV vor 93 Jahren. Die Staatsforstverwaltung hatte als Eigentümerin des Weilers vor Ort Förster und Waldarbeiterfamilien angesiedelt, die im 20. Jahrhundert zeitweise eine Wirtschaft betrieben und Bier ausgeschenkt haben.

Brennmaterial hergestellt

Der Weiler "Torfhäusl" entstand 1920 und liegt etwa vier Kilometer nordöstlich von Eslarn. Den Namen erhielt der Weiler vom Torf, der aus der sumpfigen Moorlandschaft abgebaut, getrocknet und als Brennmaterial verwendet wurde. Der Ort bestand 1926 aus einem Arbeiterwohnhaus mit Dienstzimmer und Stadel. Im Hofraum stand eine freistehende Gerätehalle und eine Bierhalle. In der Bierstube haben die Anwohner im 20. Jahrhundert im Nebenerwerb zeitweise auch Bier ausgeschenkt. Aufgrund der schwankenden Besucherzahlen wurde die Schenke 1956 endgültig geschlossen.

Das "Torfhäusl" geriet wegen der schlechten Wegverbindung und der drohenden Auflösung immer wieder in den Fokus der Politik. 1926 beantragte das Forstamt Eslarn, dass das "Torfhäusl", das bisher zum ausmärkischen Forstbezirk gehörte, der politischen Gemeinde Eslarn zugeteilt werde. Dem wurde zugestimmt.

Ein weiteres Thema im Marktrat war 1955 der schlechte Weg von Eslarn zum "Torfhäusl". Im Einvernehmen mit dem Staatsforsten bemühte sich die Kommune einen brauchbaren Fahrweg zu schaffen und die sogenannte "Sudetenstraße" in seiner ganzen Ausdehnung vom "Torfhäusl" bis zur Einmündung in die Staatsstraße dem öffentlichen Verkehr zu widmen. Dies scheiterte, da sich die Bundesbahn weigerte, neue ungeschützte Bahnübergänge entlang der Schienenstrecke zu schaffen.

"Pfrentschweiher"

Ein weiterer Gemeindeantrag beinhaltete die Zuteilung eines separaten Gemeindeteilsnamen für das Staatsgut Pfrentsch, woraus später der Name "Pfrentschweiher" hervor ging. Gleichzeitig fragte die Regierung 1958 nach, ob der anscheinend unbewohnte Gemeindeteil "Torfhäusl" namensmäßig noch beibehalten werden könne. Der Rat beschloss, dass die im amtlichen Ortsverzeichnis für Bayern mit einem Stern gekennzeichneten Orte Gerstbräu, Goldberg, Öd, Torfhäusl und Zankeldraht ihren Namen weiter behalten sollten. Als Grund wurden die noch immer bewohnten Häuser angeführt.

Ein erneuter Antrag der Oberpfälzer Regierung erfolgte 1977 mit der wiederholten Begründung, die Gebäude seien unbewohnt. Das Landratsamt Neustadt/WN und die Marktgemeinde Eslarn hielten den Ortsnamen jedoch weiterhin für gebräuchlich. Der damalige Bürgermeister Ludwig Landgraf verwies auf das vermietete Wochenendhaus im "Torfhäusl" hin. Der pensionierte Regierungsoberinspektor Herrmann aus Regensburg nahm sich als neuer Bewohner der Erhaltung der Gebäude an und sorgte sich um den umliegenden Wald- und Wiesenbereich.
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