Der lange Weg zum Markt

Das Wappen an der Außenwand (links) bereichert seit Jahrzehnten das Gebäude. Bild: gz
Lokales
Eslarn
04.04.2015
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Die wichtigsten Eckpfeiler in den Gemeinde-Annalen waren 1240 die erste urkundliche Erwähnung sowie die Verleihungen des Wappenbriefes 1598 und der Marktrechte 1613. Diese Daten rücken auch zum Heimatfest wieder in den Fokus.

Das Wort Markt wurde in amtlichen Schreiben regelmäßig ab 1602 verwendet, obwohl die Verleihung durch Pfalzgraf Johann II. als Administrator der Oberpfalz erst am 18. Januar 1613 offiziell erfolgte. Die meisten der heute bestehenden politischen Gemeinden führen als unverwechselbares Zeichen der bürgerlichen Identität ein eigenes Wappen und Dienstsiegel.

Brand zerstört Urkunden

Kurz vor Ende des 15. Jahrhunderts baten die Eslarner die Regierung in Amberg mit einer Eingabe vergeblich um die Verleihung von Privilegien. Dem wiederholten Ansinnen entsprach 1499 Pfalzgraf Philipp zu Amberg und bestimmte Eslarn als "Oberhof" zu Neunburg vorm Wald. Damit durften Leute mit geringfügigen Vergehen abgeurteilt werden. Nachdem der Großbrand im Jahr 1567 alle Originalurkunden vernichtet hatte, verlor Eslarn alle Privilegien. Zudem hatte Hofmarksherr Hieronymus Stöckl, der am Wenzelsberg (heute Schlossberg) ein Herrenhaus erbauen ließ, den Eslarnern laut Überlieferung "allgemach alle Freiheiten und die niedere Gerichtsbarkeit entzogen".

Nach dessen Tod erhielt die Dorfgemeinde die früheren Rechte zurück, blieb aber weiterhin Dorf. Die übertragenen Privilegien erlaubten der Gemeinde bei geringfügigen Schuldfragen, die nicht die Summe von fünf Gulden überstiegen und bei Streitigkeiten wegen des Arbeitslohns sowie über Raufereien, "falls dabei nicht Blut geflossen war", eigenständig Entscheidungen zu treffen.

Der Besitz von "Eslern" war des Öftern verpfändet und fiel 1570 erneut an die Pfalzgrafen. Mit der Verleihung des Wappenbriefes 1598 durfte Eslarn neben dem Wappen ein neu angefertigtes Siegel führen. "Das Wappen zeigt einen blauen Schild mit einem schwarzen Balken in der Mitte zwerch durchzogen, hinter solchem ein aufrecht stehender halber gelber Löwe im oberen, im unteren Teil aber ein Fisch, Eßling genannt."

Mehr Freiheiten

Aus den Archiven geht hervor, dass bereits 1602 in amtlichen Schreiben das Wort Markt gebraucht wurde und der herzoglich-bayerische Besitz Marktfreiheiten besaß, obwohl zu dieser Zeit noch keine Marktrechte im eigentlichen Sinne verliehen worden waren. Die Gemeinde bat 1612 erneut um Bewilligung der bisherigen "Freiheiten und Vermehrung derselben".

In erster Linie ging es um das im Freiheitsbrief verwendete Wort "Dorf gemein" statt der gewünschten Bezeichnung Markt. Das Ansinnen gewährte Pfalzgraf Johann II. am 18. Januar 1613 mit der Verleihung der Rechte, sich künftig Markt nennen zu dürfen.

Die Verleihung bedeutete, beispielsweise das Recht den neunten Pfennig als Ungeld einzunehmen. Zu den Rechten kamen auch Pflichten, nach denen beim Markthandel mit Vieh, Getreide und Obst der "Zehnte" als Abgabe in Naturalien an den Landesherrn abgeliefert werden musste.

Die im Schwedischen Krieg 1634 aberkannten Freiheiten bewilligte 1667 Kurfürst Ferdinand Maria aufs Neue und 1809 hob der bayerische König die niedere Gerichtsbarkeit, wie sie auch Märkte inne hatten, endgültig auf und setzte besoldete Richter ein.

Die verschiedenen geformten Wappen im Inneren des Rathauses und das in Granit gemeißelte Wappenrelief von 1907 an der äußeren Rathausfront erinnern noch an die Zeit der Verleihung. Die Ereignisse erwachen alle fünf Jahre beim Heimatfest, dass vom 31. Juli bis 9. August gefeiert wird.
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