Die Geschichte der Eslarner Bockl, einer der längsten Lokalbahnen in der Oberpfalz
Bockl bringt Aufschwung

Das endgültige Aus für den Personenverkehr in Eslarn kam 1975 und für den Güterverkehr 1993. Bis dahin hielt immer eine Lok am Bahnhof. Repro: gz
Lokales
Eslarn
21.05.2015
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Der Eslarner Bockl von Eslarn nach Weiden war mit 56 Kilometern eine der längsten Lokalbahnen in der Oberpfalz. Er brachte in den 85 Jahren gerade der strukturschwachen östlichen Oberpfalz wirtschaftlichen Aufschwung.

Mit dem Erlass des bayerischen Lokalbahngesetzes vor 130 Jahren sollten alle Regionen an das Eisenbahn-Verkehrsnetz angeschlossen werden. Die Eisenbahnstrecken gewannen vor allem wirtschaftlich und später für den Personenverkehr immer mehr an Bedeutung.

1908 in Eslarn

Am 16. Oktober 1886 wurde die erste Teilstrecke der Lokalbahn von der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahn von Neustadt/WN über Floß bis zum damaligen Bezirksamt in Vohenstrauß eröffnet. Am 16. August 1900 erreichten die Schienen den Grenzort Waidhaus und am 1. Oktober 1908 den Endpunkt Eslarn, wo ein Empfangsgebäude, Güterschuppen und ein zweiständiger Lokschuppen errichtet wurden.

Der Endbahnhof in Eslarn gab dem Bockl auch die volkstümliche Bezeichnung. Der Ort zählte damals über 3000 Einwohner, war fast so groß wie die Kreisstadt Vohenstrauß und einer der größten Marktgemeinden in der Oberpfalz. Die Bahnstrecke von Eslarn nach Neustadt und weiter nach Weiden war mit 56 Kilometer eine der längsten und bekanntesten Lokalbahnstrecken in der Oberpfalz.

Der Eslarner Bockl schnaufte mit einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von rund 30 Stundenkilometer die Oberpfälzer Hügellandschaft hinauf und kam in Weiden erst nach zwei Stunden an. Auf der Strecke verkehrten täglich zwei Züge in jede Richtung und der Sommer-Fahrplan 1914 umfasste fünf und ab 1927 nur noch vier Züge.

Winter bereitet Probleme

Die Zugverbindung brachte vor allem in der Grenzregion, aber auch mit der Versorgung auf der Straße aus dem nahen Böhmen wirtschaftlich einen deutlichen Aufschwung. Den Transport auf den Gleisen nutzten hauptsächlich die Glasschleiferindustrie, der Holzhandel und der Stahlpalettenbau.

Durch die höheren Lagen und Steigungen mitten im Oberpfälzer Wald waren so manche Orte im Winter regelrecht eingeschneit und aufgrund der hohen Schneewehen an manchen Tagen nicht erreichbar. Auch die Bahnstrecke nach Eslarn war verstärkt durch Schneewehen gefährdet, da besonders im Winter der Ostwind ("Böhmische") herrschte.

Die Möglichkeit der Anreise mit dem Zug nahmen auch die Mitglieder der Heimatvereine aus München und Nürnberg, nicht nur alle fünf Jahre zu den Heimatfesten, sondern jährlich für einen Besuch ihrer Heimat wahr. Die Ankunft mit dem Eslarner Bockl zur Teilnahme am Heimatfest wurde am Bahnhof stets mit Blasmusik gefeiert.

Aber auch die Jugendlichen nutzten die eingesetzten Personenwaggons als Beförderungsmittel zur Schule nach Vohenstrauß und Weiden. Zudem pendelten einige Erwachsene zur Arbeitsstelle oder zum Einkaufen in die Kreisstadt.

Rückgang der Passagiere

Der im Zweiten Weltkrieg und danach recht starke Personen- und Güterverkehr konnte sich bis zum 1. Juni 1975 auf der ganzen Strecke halten und ab 1992 wurde der Bahnverkehr auf dem Abschnitt von Weiden nach Floß beschränkt. Das endgültige Aus in Eslarn kam für den Personenverkehr 1975 und für den Güterverkehr 1993. Der Grund der Einstellung lag im starken Rückgang der Passagiere auf ein Zehntel, wodurch der Bahn ein jährliches Defizit von rund 700 000 Mark entstand.

60 Bahnübergänge

Die Einstellung des Personenverkehrs auf den Schienen wurde zudem mit der kürzeren Straßenverbindung, den langen Fahrzeiten und geringen Geschwindigkeiten der Bahn, die wegen der zahlreicher Kurven, der Steigungen und der 60 Bahnübergänge bedingt war, ausführlich begründet. Aus strukturpolitischen Gründen und des regen Warenverkehrs blieb der Güterverkehr bis 22. Mai 1993 erhalten. Am 28. Mai 1995 stieg letztmals Rauch aus einer Lokomotive und die letzten Güterwaggons rollten zwischen Neustadt/WN und Vohenstrauß.

Nach dem endgültigen Abbau der letzten Schienen 1995 war der Eslarner Bockl Geschichte. Seit 1999 vergnügen sich auf dem neu erstellten Bocklweg Radfahrer und Wanderfreunde. An den Bockl erinnern am Einstieg zum Radweg in Eslarn noch ein Teil einer echten Dampflokomotive, ein Lokschuppen und eine Eisenbahn-Bogenbrücke aus Granitquadern.
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