Erbe des Kommunbiers

Lokales
Eslarn
28.04.2015
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In Eslarn ist das Thema Bier in jeder Hinsicht einzigartig und vielseitig. Nun weiht der Markt das Bauprojekt "Biererlebnis Kommunbrauhaus" ein.

Die Gemeinde wirbt mit einem rund 500-jährigen Kommunbrauwesen, den Werbeschlagern Kommunbier und Rebhuhnzoigl sowie mit den mit Silber und Gold ausgezeichneten Biersorten der 141-jährigen Familienbrauerei Bauriedl. Unweigerlich verbunden mit dem Kommunbier ist in Eslarn der inzwischen 88-jährige Kommunbraumeister Georg Zierer, der seit 1951 Jahr für Jahr süffige Hopfengetränke garantiert.

Diese Jahrhunderte andauernde Tradition spiegelt sich bei der Einweihung des Bau- und Sanierungsprojektes "Biererlebnis Kommunbrauhaus" am Samstag, 9. Mai, wieder (Hintergrund). Der älteste Bericht über Biergenuss in Eslarn stammt von 1529 oder 1530 und wird mit Pfarrer Matthias Holzprobst in Verbindung gebracht. Der Geistliche soll sich eines Vergehens schuldig gemacht haben, in dem er Bier gebraut hatte, ohne vorher das Malz messen zu lassen. Zur Strafe musste er drei Schilling zahlen.

Die Geschichtsforscher berichten von einem ersten Mulzerhaus (Brauhaus), das die Hofmarksherren im 15. Jahrhundert in der Nähe des alten Schlosses beim Anwesen des "Wasserschmiedes" (heute Pfarrer-Bayer-Straße) erbaut hatten. Die erste urkundliche Erwähnung war erst 1583. Zu dieser Zeit befand sich in der Nähe des Malzhauses auf dem Grund des Hieronymus Stöckel auch eine Taverne (Mittleren Bachgasse). Die Eslarner bezeichneten diese als das "Wirtshaus auf dem Ratschin".

1717 Eimer Bier

Bei dem großen Brand 1567 wurde das alte Schloss und das dazugehörige Malz- und Brauhaus ein Raub der Flammen. Stöckel verlegte sein neues Herrenhaus auf den "Wenzelsberg", dem heutigen Schlossberg, und baute für mehr als 500 Gulden unterhalb ein neues Malz- und Brauhaus. In einem Bericht des Jahres 1777 heißt es: Nach altem Herkommen ist in Eslarn "ein jeder Bürger" berechtigt, Bier zu brauen und "im Haus anzuzapfen". So sollen 1779 im Kommunbrauhaus 1717 Eimer Bier und 300 Eimer Kofent (Dünnbier) gebraut worden sein.

1868 brannte das Brauhaus ab und wurde im selben Jahr wieder aufgebaut. 1900 brachen die Hofmarksherren das alte Brauhaus ab und bauten am Südrand der "Hofweiherwiesen" ein neues Brauhaus auf. An dieser Stelle befand sich bereits das Brauhaus von Stöckel.

Das bürgerliche Brauhaus, das allgemein Kommunbrauhaus genannt wurde, war Eigentum des Markts. Früher hat ein beachtlicher Teil der brauberechtigten Eslarner bei Gelegenheit Bier auch an Gäste ausgeschenkt. Dies geschah nicht das ganze Jahr über, sondern nur zu der Zeit, da genügend Bier gebraut worden war. Die Schankwirte gaben dies durch ein besonderes Zeichen an ihrem Haus zu erkennen - darum der Name Zoiglwirt.

1946 und noch viele Jahre danach gab es in Eslarn 15 Zoiglwirte. Kommunbrauer Georg Zierer senior braut im Frühjahr und Herbst, heizt nach alter Tradition für die 62 Brauberechtigten den Kessel noch mit Holz und Kohle und braut mit seinen langjährigen Erfahrungen ein qualitativ und geschmacklich hochwertiges Kommunbier, eine typische Eslarner Einmaligkeit.

Gemeindeeigenes Brauhaus

Das Deutsche Patent- und Markenamt München hat Eslarn 2004 die Markenrechte für Kommunbier und Rebhuhnzoigl erteilt. Das Kommunbrauhaus ist eines der wenigen noch betriebenen gemeindeeigenen Brauhäuser in Deutschland. Durch die Sanierung des denkmalgeschützten Brauhauses und Lagerhauses soll das traditionelle Erbe des Kommunbiers in der überlieferten Form auch den kommenden Generationen erhalten bleiben.
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