Eslarn: Das Land der Mühlen

In der Presslmühle wird heute noch aus Wasserkraft Strom erzeugt. Bild: gz
Lokales
Eslarn
13.07.2015
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Der Ort lebte in den vergangenen Jahrhunderten von der Holz- und Eisenindustrie. Der Grund waren die zahlreichen Wälder und Gewässer.

Es gab zahlreiche Mühlen, Hammer- und Polierwerke und Stromerzeuger. Zur Erhöhung des Wasseraufkommens wurde vor Jahrhunderten ein Graben vom Lindauer- zum Kreutherbach angelegt, der im Volksmund "400-Lämmergraben" genannt wird. Mit ihm befassten sich die Heimatforscher Hans Schlemmer und Georg Hanauer, sowie in der Festschrift der an der Hauptschule in Eslarn von 1993 bis 2000 wirkende stellvertretende Schulleiter Peter Staniczek.

Streit mit Neusiedlern

In Eslarn existierte bereits 1387 am Schlossberg unterhalb des Herrenhauses von Hofmarksherr Hieronymus Stöckel ein Hammerwerk. In der ehemaligen "Haberlmühle" wurde mit Wasserkraft ein Eisen- und Schienhammer mit Schmelzofen betrieben. Da im 16. Jahrhundert die auf dem "Bühl" wohnhaften Untertanen des Pflegamtes Pleystein ihr Vieh zum "Blumbesuch" (Viehweiden) in die Lindau gebracht haben, führte das zu ständigen Streitereien mit den Neusiedlern (Köhlern) von Lindau.

Die Lindauer gruben den Mühlbach, der von der Lindau in Richtung Eslarn floss, 1676 ab und leiteten das Wasser nach Böhmen. "Durch das Abgraben des Wassers entstand den vier Müllern und der übrigen Bürgerschaft von Eslarn beträchtlicher Schaden", schrieb Hanauer. Den Streit wollte 1677 eine kurfürstliche Kommission schlichten und empfahl den Lindauern die rechte Seite und den Eslarnern die linke Seite am Mühlbach (Lindauer Bach) als Viehweide zu nutzen. Da sich die Lindauer nicht an die Abmachung hielten, war die Angelegenheit auch 200 Jahre später noch nicht geklärt.

In und um Eslarn existierten vor dem Dreißigjährigen Krieg etliche Mühlen. Zunächst bargen der Langauer-, Heckermühl-, Stück- und Kreuther Bach aus dem Einzugsgebiet des Stangen- und Stückberges genügend Wasser. Die fortschreitende Siedlungstätigkeit, die Zurückdrängung des Waldes und die daraus resultierende Wasserknappheit machte größere Wassermengen notwendig. Nach den Überlegungen sollten weitere Gewässer aus dem Bereich Lindau in Richtung Eslarn geleitet werden. Dazu wurde mit der Genehmigung der Herrschaft Pleystein ein knapp drei Kilometer langer Graben nördlich um den Lindauer Berg zum Kreutherbach, dem heutigen "Lindauerbach", angelegt und das Wasser im Möhrenbach über die Wasserscheide Fahrbachtal in Lindau ins Loisbachtal nach Eslarn geleitet. Die Maßnahme war mit einem Aufwand von 400 Lämmern verbunden und wurde im Volksmund seither "400-Lämmergraben" genannt.

Konzession erhalten

1852 wollte der Eslarner Tafernwirt Johann Brenner am Lindauer Bach eine Glasschleife errichten und Arbeitsplätze schaffen. Trotz Einwände durch das Forstamt, das durch die Glasarbeiter im nahen Wald Jagd- und Holzfrevel fürchtete, erhielt der Tafernwirt am 16. Juni 1852 eine Konzession. Im Jahr 1874 erwarb Joseph Heldwein das Schleif- und Polierwerk "Brennerschleife" und führte es bis zu seinem Tod im Jahre 1908. Vor der Errichtung der "Brennerschleif" verlief zwischen 1860 und 1874 der Lindauer Bach vom Preßlhaus durch die natürliche Talmulde westlich des "Schleifergrabens" nach Norden zur Neumühle, die 1792 im Ortsteile "Kreuth" existierte. Die "Goasmühl" oder "Kluch-Seech" wurde von 1885 bis 1957 von Christoph Klug betrieben. Der Eslarner Karl Schmid errichtete in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Gebiet von Kreuth die Preßlmühle. Auch heute wird zur Stromgewinnung noch die Wasserkraft des Lindauer Baches genutzt. Zu dem Zeitpunkt verlief der Lindauer Bach von der Abzweigung in Lindau bis zur Querung des Fußweges Lindau nach Kreuth zur Pressl-Mühle, dessen Besitzer zu den "Bochramaran" gehörte. 1938 veränderte sich der Bachlauf aufgrund der Flurbereinigung, Weiherbauten und dem Bau des Anwesens Gerstbräu 1 und die Mühlen, Hammer- und Polierwerke verschwanden und geblieben sind leerstehende und von der Natur vereinnahmte Häuser. Weiterhin existent ist der Hammergraben, der das Wasser von Lindau in die Eslarner Gewässer zur Stromgewinnung zu manchen Anwesen führt.
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