"Eslarn ist gut, die Leute sind gut"

Den geflüchteten Frauen und Kindern gefällt es in ihrer Unterkunft in der Pension Schellenbach ausgezeichnet. Die Männer waren zu der Zeit in der Moschee in Weiden. Bild: jla
Lokales
Eslarn
25.09.2015
47
0

Schlagzeilen, Bilder und Diskussionen zur Flüchtlingslage sind momentan omnipräsent. Diese stammen zwar recht selten aus Orten wie Eslarn, Probleme gibt es hier aber dennoch. Hauptsächlich ist die Hilfe der Bevölkerung nötig.

Die beengte Situation im ersten Stock des Gasthofs Schellenbach deutet nicht gerade darauf hin, dass nur ungefähr die Hälfte der 16 Bewohner anwesend ist. "Die Männer sind alle in der Moschee in Weiden", weiß Anita Weichselmann, die sich um die Flüchtlinge in Eslarn kümmert. Das Platzangebot ist aber selbst für die verbliebenen Frauen und Kinder begrenzt. Hier bekommt "jeder so ziemlich alles von jedem" mit. Trotzdem hört man fast ausschließlich Positives: "Wir haben hier jeden Tag Strom", strahlt eine Frau aus Palästina.

Ähnliche Beweggründe

In der Pension an der Hans-Schlemmer-Straße sind längst nicht alle Asylbewerber untergebracht. Weichselmann geht von "ungefähr 60 Menschen aus Albanien, der Ukraine, Armenien, Syrien, Palästina und Tschetschenien" aus, die in "zuvor leerstehenden Privathäusern" wohnen. Die Beweggründe für die Flucht aus ihrer Heimat dürften bei den meisten übereinstimmen: Verfolgung, Gefängnis, Krieg und die politischen Unruhen in ihren jeweiligen Herkunftsländern sind durch die Berichterstattung hinreichend bekannt. Einen genaueren Einblick gewährt eine Tschetschenin, sie spricht von "fälschlichen Beschuldigungen gegen meinen Mann".

Eine andere Bewohnerin berichtet von der Flucht aus Palästina, die über Libyen führte, und bei der sie vier Tage Bootsfahrt über das Mittelmeer ertragen musste. Trotz dieser Strapazen könne kein Asylsuchender mit endgültiger Sicherheit in Deutschland bleiben, beschreibt Weichselmann die ungewisse Situation. Diese ist wahrscheinlich das größte, aber definitiv nicht das einzige Problem der Flüchtlinge in Eslarn. "Vor allem bräuchten wir Paten für die Familien, weil somit zum Beispiel Behördengänge und Arztbesuche erleichtert werden könnten", erklärt die Betreuerin. Ebenso dringend würden Freiwillige gesucht, die den Asylbewerbern die deutsche Sprache beibringen. Es sei nämlich kaum möglich, ohne Deutschkenntnisse eine Arbeitsstelle zu finden.

"Die Frauen und Männer möchten aber unbedingt arbeiten gehen, um eine gewisse Tagesstruktur wiederzugewinnen. Außerdem könnten sie sich dann auch untereinander besser verständigen, da ihnen aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft oft nichts anderes übrig bleibt als Deutsch zu sprechen." Interessierte können sich bei Weichselmann oder Bürgermeister Reiner Gäbl melden.

Familien sind glücklich

Sechs Flüchtlinge arbeiten bei der Gemeinde. Zwei Kinder gehen in die Schule nach Vohenstrauß, einige trainieren beim Sportverein, manche sind im Kindergarten. Dort falle laut Weichselmann die Integration besonders leicht. "Aber auch sonst habe ich noch keine negative oder dumme Bemerkung gehört." Die Familien sind glücklich: "Deutschland ist gut, Eslarn ist gut, die Leute sind gut, Frau Weichselmann ist sehr gut", lacht eine Bewohnerin der Pension. Allen Problemen und aller Ungewissheit zum Trotz.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.