Eslarner oft von Leid geplagt

Die Aufnahme zeigt Kirche und die umliegenden Häuser um 1890. Das Gotteshaus hatte vor dem verheerenden Großbrand 1895 noch den alten Zwiebelturm. Repro: gz
Lokales
Eslarn
13.03.2015
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Eslarn wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Nach Ansicht der Geschichtsforscher soll "Eslern" oder "Eslaern" bereits im neunten Jahrhundert existent gewesen sein, was sich aber nicht belegen lässt.

Ab Freitag, 31. Juli, feiert die Grenzgemeinde neben dem 24. Heimatfest auch das 775-jährige Bestehen. Der Ortsname soll zum einen von einem Weideplatz oder von der Fischart "Eßling" herrühren, der später auch im Gemeindewappen verewigt wurde.

Bedeutung des Ortsnamens

Die Meinungen über die Bedeutung des Ortsnamens Eslarn gehen bei den Heimatforschern, Oberlehrer Hans Schlemmer und dem katholischen Priester Dr. Josef Hanauer, auseinander. Ein bei Eslarn befindlicher Weideplatz nahe der böhmischen Grenze soll früher Reitern und Fuhrwerksbesitzern als Rastplatz und den Tieren zum Äsen gedient haben.

In den Bezeichnungen "Es" oder "Ez", die mit dem Äsen des Viehs verbunden wurden, und in der Ansiedelung von Menschen durch den Grundbesitzer am "Es" (Weideplatz) vermuten die Historiker die ersten Anzeichen für die Entstehung eines neuen Weilers mit den Namen "Eslern" oder "Eslaern".

Eine weitere Annahme bringt den Ortsnamen mit einem als "Eßling" bezeichneten Fisch in Verbindung, der sich später auch im Gemeindewappen wieder fand. Die erste urkundlich nachgewiesene Nennung von "Eslaern" erfolgte 1240, wobei der Ort 1255 als herzoglich bayerischer Besitz genannt wird. So soll 1271 Herzog Ludwig von Oberbayern den Ort gekauft haben.

23 Anwesen

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts bestand Eslarn aus 23 Anwesen. Die dazugehörigen Weiler entstanden wohl aus der Rodungszeit zwischen erstem und 12. Jahrhundert. Mitte des 13. Jahrhunderts zählte der Ort 11 Höfe, 1 Mühle und 11 Wohnstätten, zu denen nur ein kleiner Grundbesitz gehörte.

Schwere Zeiten erlebten die Siedler um 1450 durch die Pest und Jahre später wegen des Einfalls der Hussiten. Mit großer Not und furchtbarem Elend hatten die Menschen vor allem zwischen 1443 bis 1588 auf dem Land zu kämpfen. Bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich im Süden der Ortschaft auf dem früher bezeichneten Wenzelsberg, dem späteren Schlossberg, eine kleine Kapelle, die dem heiligen Wenzeslaus geweiht war. Das Kirchlein war Anlaufpunkt vieler Wallfahrtsgruppen aus der Region.

Der Eslarner Hofmarksherr, Ritter Hieronymus Stöckl von Rottach zu Eslarn, nahm um 1567 die Kapelle als Grundstock für ein neues Herrenhaus. Um das 16. Jahrhundert wurden außerhalb von Eslarn wieder Bauernhöfe gegründet. Die Bevölkerung nahm nur langsam zu, 1588 waren es 153 Anwesen. Erst 1598 erhielt das Dorf die Erlaubnis, ein Wappen zu führen. 1619 verlieh Pfalzgraf Johann als Administrator der Oberpfalz die Marktrechte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs von 1618 bis 1648, den protestantische böhmische Stände mit dem Prager Fenstersturz ausgelöst hatten, war eine normale Bewirtschaftung der Felder und Wiesen nicht mehr möglich, so dass sich der Grundbesitz in einem desolaten Zustand befand. Es entfachten Auseinandersetzungen zwischen den Getreuen des Kaisers mit der katholischen Liga und der protestantischen Union.

Hohe Blutzolle

Im Gemeindegebiet erinnern noch die Tillygräben unmittelbar an der Landesgrenze beim Ortsteil Tillyschanz an diese Kriegsjahre und an den kaiserlichen Feldherrn Graf Johann T'Serclaes von Tilly, dem die Landsknechte von Mansfeld auf böhmischer Seite gegenüber standen. Da der Dreißigjährige Krieg hohe Blutzolle forderte, gab es um 1650 nur noch 120 Besitztümer. Zudem wurde die Kapelle als auch das Herrenhaus zerstört.

Schwere Zeiten

Erst von 1809 bis 1880 stieg die Einwohnerzahl von 1535 auf 2525. Schwer geprüft wurde die Bevölkerung vor allem durch mehrere Brände um 1900. Der Großbrand 1895 vernichtete 147 Wohn- und 247 Nebengebäude. Schwere Zeiten erleben musste die Menschen während der beiden Weltkriege 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945, aber auch im Anschluss durch den bevorstehenden Wiederaufbau.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als der Ort nach allen Kriegs- und Brandschäden neu aufgebaut war, ging es kontinuierlich aufwärts. Die Bevölkerung wuchs 1945 bis 1947 durch die Zwangsaussiedelungen aus dem Sudetenland und Schlesien auf über 4000 Personen.

Viele Eslarner wanderten wegen mangelnder Arbeit nach Amerika oder nach Nürnberg, München, Regensburg und Zwickau aus. Da die Auswanderer der Heimat stark verbunden bleiben wollten, gründeten die Eslarner an den neuen Wohnsitzen jeweils Heimatvereine. Bei den Heimatfesten und größeren festlichen Veranstaltungen beweisen die Mitglieder mit ihrer steten Anwesenheit ihre starke Liebe zum Heimatort Eslarn. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist der Markt vom Randdasein in den Mittelpunkt Europas gerückt.
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