Ferkel in allen Ecken

Beim Markttreiben am Sonntag, 9. August, ist auch wieder altes Handwerk wie das Fertigen von Besen, Rechen und Holzschuhen von den Jüngeren zu sehen. Bild: gz
Lokales
Eslarn
29.05.2015
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Zum Eslarner Heimatfest gibt es auch ein großes Markttreiben, das ans Feilschen vor einigen Jahrhunderten und das vielfältige Angebot erinnern soll. Märkte waren früher für die Bevölkerung ein besonderes Ereignis. Jeder legte großen Wert, dabei sein zu dürfen.

Der Handel mit Vieh und selbsterzeugten Produkten auf Jahrmärkten reicht ins 17. Jahrhundert zurück. Am 18. Januar 1613 verlieh Pfalzgraf Johann als Administrator der Oberpfalz der Gemeinde das Recht, sich künftig Markt mit allen Freiheiten nennen zu dürfen. Um 1628 durften drei Jahrmärkte veranstaltet werden. Am Sonntag, 9. August, ab 10 Uhr wird es beim Markttreiben eine Neuauflage geben.

Keine Zahnbrecher

Die Landwirte und Schaulustigen versammelten sich im 17. Jahrhundert gerade in ländlichen Gebieten in bestimmten Abständen zum Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten und von Vieh. In einer Polizeiordnung um 1692 stand, dass auf Kram- und Viehmärkten "keine Marktschreyer, Zahnbrecher, Gaukler, Seil- und Schwerttänzer und ungleiche Taschenspieler geduldet werden, die armen einfältigen Leuten das ihre abzwacken". Wegen einer Viehseuche wurde der Viehmarkt um 1796 eingestellt. Ab 1817 wurden diese Märkte wieder bewilligt. Seit 28. Oktober 1879 gibt es die bis heute geltende Jahrmarktordnung mit maximal vier Veranstaltungen im Jahr. Im 19. Jahrhunderts hielten viele Eslarner auf ihren landwirtschaftlichen Grundstücken Ziegen und handelten damit.

1950 stellte Bürgermeister Josef Karl einen Antrag auf Erlaubnis für einen Viehmarkt. Aber der Auftrieb war so gering, dass er in den Folgejahren auf eine Fortführung verzichtete. Auf die Markttage wies der Gemeindediener hin, der sich mit einer Glocke Gehör verschaffte.

In den Geschichtsbüchern wird 1951 von einem Eslarner Ferkelmarkt mit 23 Landwirten aus der gesamten Oberpfalz berichtet. Angeboten wurden 178 Ferkel, 34 jüngere und ältere Ochsen und Kühe. Ab und zu befanden sich auch Pferde, Esel und Ziegen darunter. So quiekte es beim Ferkelmarkt bereits am frühen Morgen aus allen Ecken. Die Gemeindegebühr für die Teilnahme betrug 20 Pfennig. Auch andere Vieh- oder Pferdehändler und Metzger nahmen die Möglichkeit wahr, am Markt ein Geschäft abzuschließen.

Auch Handwerker

Auch viele Handwerker nutzten den Markttag, um Eigenerzeugnisse zu verkaufen. Der Seiler bot aus Hanf, der in der Gegend geerntet wurde, handgefertigte Seile, Stricke und Stränge für Pferdestränge und der Hammerschmied hatte die begehrten Hacken, Dengelhammer und Feilen im Sortiment. Korb- und Rechenmacher, Fassbinder, Weber und Schmiede präsentierten ihre Handwerkskunst.

Die Jahrmarktgebühr betrug laut Niederschrift im Beschlussbuch des Gemeinderates vom 28. Oktober 1923 für jeden laufenden Meter Ausstellungfläche 15 Goldpfennige. Nach einem Gemeinderatsbeschluss wurden 1927 die Mindestgebühren für den Jahrmarkt auf 50 Pfennig erhöht und die Standgebühren auf eine Reichsmark je nach Größe festgelegt.

Die Menschen nutzten den Markt zum Einkaufen, Handeln oder zum Austausch von Neuigkeiten aus der Politik und dem Privatleben. Dass es nicht nur zu verbalen Diskursen, sondern auch zu körperlichen Meinungsverschiedenheiten bei den Märkten kam, belegt ein Zeitungsbericht vom 22. Oktober 1988: "Leider kam es nachts in einem Gasthaus zu einer Rauferei, welche auf der Straße fortgesetzt wurde, wobei das Messer eine Rolle spielte. Von den Raufbolden wurde einer an der Hand und der andere am Rücken verletzt und beide bedürften ärztliche Hilfe."

Nicht mehr rentabel

Kurz vor Ende des 21. Jahrhunderts wurde der Schlachtviehmarkt aus veterinärpolizeilichen Gründen eingestellt. Auch der Ferkel- und Pferdemarkt war nicht mehr rentabel. An deren Stelle traten Verkaufsbuden oder Fahr- und Schaugeschäfte.
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