"Gefangen in goldenen Ketten"

Der Gasthof "Zur Krone von Bayern", hier um 1900, blickt auf eine 350-jährige Geschichte zurück. Am 1. Januar schließt der "Kuch", wie die Wirtschaft auch genannt wurde. Repro: gz
Lokales
Eslarn
13.12.2014
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Eine 350-jährige Wirtshausgeschichte in Eslarn endet am 1. Januar. Dann schließt Gastwirtschaft "Zur Krone von Bayern", besser bekannt als "Kuch". Das wird in der Gemeinde eine große Lücke hinterlassen.

Das Ehepaar Maria und Max Karl machte sich mit der Gastwirtschaft "Zur Krone von Bayern" und dem großräumigen Festsaal unter dem Hausnamen "Kuch" weit über den Landkreis hinaus einen Namen. Nach der Aufgabe der Metzgerei vor zwei Jahren folgt ab 1. Januar das Aus des Gaststättenbetriebs. Weiterhin anbieten wollen die "Kuchwirte" die Frühstückspension und auf Bitten vieler Stammkunden den "Kuch"-Saal" für Trauerfeiern.

Generationen folgten

Die Häusergeschichte der Familie Karl reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Anwesen Bahnhofstraße 19 und die Moosbacher Straße 3 waren um 1662 im Besitz von Hans Carl, der den Komplex an Sohn Hans Carl "dem Oberen" übergab. Das Erbe wurde von Generation zu Generation weitergereicht.

Nach den Überlieferungen soll bereits vor 350 Jahren eine Gaststube im "Kuch"-Anwesen existiert haben. Die Geschichtsschreiber nennen erstmals 1780 den Tafernwirt Stephan Karl. 1811 ging das Ensemble an Wilhelm Karl. 1859 wurde der Grundbesitz geteilt, so dass Johann Karl das Stammhaus erhielt und Josef Karl auf dem Nachbargrund in unmittelbarer Nähe das sogenannte "Weiherhaus" errichtete.

Um 1900 wechselte das damals noch genannte "Kochhaus" vier mal den Besitzer. Der Hausname "Koch" geht auf den Eigentümer Andreas Koch zurück. 1933 folgten Albert Karl und 1950 Alfons Karl, Vater von Max Karl. 1981 wurde aus dem "Kochhaus" das "Kuchanwesen". Der heutige Besitzer Max Karl übernahm 1983 mit seiner Ehefrau Maria, geborene Riedl, das gut gehende Wirtshaus und die damalige Metzgerei.

Noch viele Jahre unterstützte die "Kuch"-Wettl" (Barbara Karl) ihren Sohn Max hinter der Ladentheke. Die Fleisch- und Wurstwaren wurden im eigenem Schlachthaus nach alterhergebrachter Tradition hergestellt und waren sehr gefragt. Die Bediensteten der damals noch angesiedelten Behörden wie Forst, Post, Zoll und Polizei kamen regelmäßig zum Mittagstisch und lobten, wie viele andere Stammgäste, das vielfältige Speisenangebot. Das Ehepaar bot weiterhin Tanzabende zu allen Anlässen wie Kirchweih und Fasching an. Ab 1962 folgten die legendären Auftritte der Texas-Kapelle, die Jahre später unter "Mexikanos" für überörtliches Aufsehen sorgte. In der Kapelle spielten Trompeter Horst Füssl, Gitarrist Franz Planek, Pianist Norbert Karl und Schlagzeuger Max Karl. Den Gesang übernahmen die "Kuch"-Brüder Norbert und Max Karl. Der Andrang war so groß, dass der Saal schon zwei Stunden vor Beginn voll belegt war. "Wenn wir das Lied ,Gefangen, gefangen in goldenen Ketten' anstimmten, tobte der ganze Saal", erinnerte sich Max Karl.

Im ersten Stock des "Kuchanwesens" befand sich ein zweigeteilter Saal, links die Diskothek und rechts ein Tanzsaal. Ein Spielsalon mit Kicker und Billiard wirkte auf die Jugend wie ein Magnet. "Früher kamen die Leute mit dem Bocklzug zum Tanzen nach Eslarn und fuhren mit dem ersten Zug am frühen Morgen wieder nach Hause", blickten Maria und Max Karl zurück.

Ab 1974 folgte die Zusammenlegung der Räume, und aus dem Tanzlokal "Kuch" wurde 1978 die Diskothek "Mermory". Wegen des freien Eintritts und der Musik kamen die Gäste aus allen angrenzenden Landkreisen. Die ersten Discjockeys waren unter anderen Hans Salomon, Helmut Singer und Mike Wittmann. Neben der Feuerwehr, den Löwen- und Bayernfans bestimmte die Schützengesellschaft Hubertus den "Kuch" zum Vereinsheim. In den oberen Räumen existierte rund 20 Jahre eine Schützenhalle, in der die Hubertusschützen viele sportlichen Höhepunkte feierten. Ab 1964 legte die Familie Karl ein Augenmerk auf die Frühstückspension mit 23 modernen Zimmern und auf den 200 Personen fassenden Speisesaal.

Nachdem 2012 die Metzgerei Karl für immer die Türen geschlossen hatte, folgt mit Ablauf dieses Jahres das Ende der Landgaststätte "Zur Krone von Bayern" mit dem "Kuch"-Saal". "Das Geschäft im Wirtshaus geht sehr gut, aber uns fehlt einfach ein Nachfolger, zudem bin ich gesundheitlich angeschlagen und habe ein Alter, dass zum Aufhören anregt."

Verkauf möglich

Die Frühstückspension will das Ehepaar Karl noch einige Jahre weiterführen und den Saal für Trauerfeiern öffnen. "Falls sich jemand findet, könnten wir uns auch einen Verkauf vorstellen." Im Gespräch merkt man dem 68-jährigen Wirt und der 61-jährigen Wirtin leichte Wehmut an. "Die Wirtshauskultur hat sich in den letzten Jahren nicht nur in Eslarn rapide geändert", stellte Karl mit Blick auf Frühschoppen und Kartenspiel fest. "Früher hatte keiner ein Handy, kaum einen Fernseher und auch mehr Zeit zur Unterhaltung."

Mit einer Nostalgie-Disco am Samstag, 27. Dezember, ab 19 Uhr im "Kuchsaal" soll diese Gemütlichkeit noch einmal aufleuchten. Ehemalige DJs werden mit Evergreens und Schlagern den Gästen kräftig einheizen und Erinnerungen wachrütteln.
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