Geister in den Tillygräben

Lokales
Eslarn
06.08.2015
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Ein von vielen vergessenes Bodendenkmal aus dem Mittelalter liegt versteckt im Wald im Eslarner Ortsteil Tillyschanz. Der Ortsname verrät bereits um welchen Zeitzeugen in der Natur es sich dabei handelt.

Nur eine Informationstafel direkt am Parkplatz kurz vor der Grenze zu Tschechien weist die Besucher darauf hin. Der Weg führt am Parkplatz kurz vor der Grenze entlang eines zugewachsenen Waldsteigs zu zwei Hinweistafeln. An den hügelartigen Mulden braucht der Betrachter schon einige Vorstellungskraft, um die Vertiefungen als Tillygräben zu identifizieren. Um sie ranken sich so manche skurrile Geschichten. Eine erzählt von nächtlichen Geistern, die ihren Ursprung aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs haben, dort spuken und nicht zur Ruhe kommen sollen.

Zeitzeugen der Edelmänner

Die Gräben sind Zeitzeugen aus dem Mittelalter, der Ritter und Edelmänner, aber auch der in Eslarn am Schlossberg angesiedelten Pfalzgrafen. Mitte des 13. Jahrhunderts bestand Eslarn aus 23 und 1588 aus 153 Anwesen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren es nur noch 120 Besitztümer. Das Natur- und Bodendenkmal, das eigentlich nur Insidern oder geschichtlich Interessierten bekannt ist, erinnert an den Krieg zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem protestantischen Böhmen im 17. Jahrhundert. Bei Waidhaus und Eslarn standen sich der damalige kaiserliche Feldherr Johann Tserclaes Graf Tilly und der Söldnerführer Landsknecht Peter Ernest Graf von Mansfeld, der die protestantischen Landsknechte anführte, gegenüber.

Vor Überfällen schützen

Graf Tilly wurde 1610 zum Bundesfeldherr der im gleichen Jahr gegründeten Liga bestellt und organisierte das bayerische Kontigent des ligistischen Heers. Zur Verteidigung wurden 1611 auf Befehl der Amberger Bezirksregierung nahe der böhmischen Grenze bei Waidhaus und Eslarn zahlreiche Bodenschanzen errichtet, die vor Überfällen aus Böhmen schützen sollten.

Die Erdaushebungen wurden später im Volksmund Tillyschanzen genannt. Die Gräben sollten gegen den Einfall aus Böhmen im Zuge der Religionswirren unter Kaiser Rudolf II. als Schutzschild dienen.

534 Männer aus Eslarn, Waidhaus, Moosbach und Burgtreswitz bauten vom 18. März bis 1. Juni 1611 das Sperrwerk Tillyschanze. Die ursprüngliche Grenzbefestigung bestand im wesentlichen aus einem umwallten Quadrat mit nach Osten vorgelagerten Gräben. 1620 wurde Tilly zum Generalleutnant der Liga befördert, besetzte in einem raschem Feldzug Oberösterreich und siegte am "Weißen Berg" bei Prag gegen die aufständischen Böhmen und ihren König Friedrich V. von der Pfalz.

Gerade der rücksichtslose Söldnerführer Graf von Mansfeld zog mit seinen protestantischen Truppen gegen das kaiserliche Heer ins Feld und dies bekamen vor allem die Oberpfälzer stark zu spüren. Anschließend verfolgte Graf Tilly das Heer des Feldherrn Mansfeld, das sich nach Westen zurückgezogen hatte. 1621 kam es zu einem blutigen Stellungskrieg bei Waidhaus und Roßhaupt, wobei auch die gesicherten Pässe bei Bärnau und Tillyschanz schwer umkämpft waren. Unter den Wirren des Kriegs hatte die Bevölkerung schwer zu leiden.

Strategisch verändert

Im gleichen Jahr ließ Feldherr Johann Tserclaes von Tilly die Grenzbefestigungen bei Eslarn strategisch verändern. Der Heerführer lag mit seiner Katholischen Liga und dem kaiserlichen Aufgebot bei Waidhaus/Roßhaupt (Rozvadov) den Truppen des Grafen Ernst von Mansfeld gegenüber und wollte mit den Veränderungen seine Flanken sichern. Im November 1621 beauftragte Maximilian von Bayern Tilly mit der Verfolgung der protestantischen Truppen.

Protestanten verdrängt

Der Heeresführer drängte die Protestanten aus der Oberpfalz und bezog an der Grenze zu Böhmen Winterquartier. Der kaiserliche Feldherr Johann Tserclaes Graf von Tilly war sicher eine der herausragendsten militärischen Figuren des Dreißigjährigen Krieges. Zum Dank für die Loyalität schenkte Kurfürst Maximilian von Bayern ihm die oberpfälzische Herrschaft Breiteneck bei Breitenbrunn.

Zehn Jahre später wurde Feldherr Tilly vom schwedisch-sächsischen Heer unter König Gustav Adolf bei Breitenfeld besiegt, von einer Doppelhakenkugel schwer verletzt und starb 1632. Seine letzte Ruhestätte fand er in Altötting.

In der Oberpfalz kam es zwischen 1639 und 1647 zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen kaiserlichen und schwedischen Truppen. Immer wieder wird die Tillyschanze befestigt, um feindlichen Truppen das Vordringen zu erschweren. Nicht nur die im Wald befindlichen Bodenschanzen und der Name des Eslarner Ortsteils Tillyschanz, sondern auch der Wallenstein-Tilly-Weg erinnern noch an diese unruhigen Zeiten.
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