Mechanik vor Elektronik

Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent (rechts) und Dieter Melzner informierten die Siedler über Einbruchsvorbeugung. Bild: fjo
Lokales
Eslarn
29.10.2015
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Die Angst vor Einbrüchen ist in der Bevölkerung groß. Grund genug für die Siedlergemeinschaft Eslarn, sich von Experten Sicherheitstipps zu holen.

Beruhigende Worte kamen vom Leiter der Polizeiinspektion Vohenstrauß, Martin Zehent. Noch sei die Häufigkeit von Delikten nicht so groß wie in Ballungsräumen. Er stellte einen besonderen Aspekt heraus: Betroffene leiden meist weniger unter dem Diebstahl als vielmehr an auftretenden psychischen Problemen.

Der einfachste Schutz sei noch immer das Zusperren. Häufig kämen Täter durch offene Türen in das Haus. Er forderte die Zuhörer auf, jede Beobachtung ernstzunehmen und jede noch so kleine Auffälligkeit der Polizei mitzuteilen. "Nur so bekommen wir ein Bild, wo sich etwas tut."

Einbrüche rund um die Uhr

Sein Kollege Dieter Melzner machte zunächst Schluss mit verschiedenen Vorurteilen. Der kriminalpolizeiliche Fachberater von der Weidener Kripo ging auf Schutzmaßnahmen ein, die er für den Großteil der Bevölkerung als ausreichend ansah. Denn das Vorgehen der Einbrecher habe sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren kaum verändert. Außer, dass mittlerweile rund um die Uhr eingebrochen werde.

Von einem direkten Kontakt mit dem Täter riet Melzner dringend ab. Zur Vorbeugung gab er den Grundsatz aus, Mechanik vor Elektronik zu setzen. Zwei Drittel der Einbrüche passierten über ebenerdig erreichbare Fenster oder Fenstertüren. Für die Nachrüstung bestehender Fenster gäbe es dennoch wirksame Möglichkeiten mit einem geringem Aufwand.

Gekippte Fenster waren ein zweites Thema. Hierzu plädierte er primär für ein Vergittern. Die vorgestellten mechanischen Maßnahmen hielt der Experte für geeignet, um 100 Prozent an Gelegenheitseinbrechern fernzuhalten. Von Alarmanlagen, bei denen die Anschaffungskosten unter 5000 Euro liegen, hielt er nicht viel. Denn ein Fehlalarm mit Polizeieinsatz käme immerhin auf rund 200 Euro. Dieses Geld lasse sich mit einem komplett funktionierenden System sparen.

Übersichtlicher Garten

Melzner wies darauf hin, dass eine Videoüberwachung selbst auf dem eigenen Grundstück kennzeichnungspflichtig sei. Tresore nahmen einen weiteren Teil des Fachreferats ein. Zudem verwies der darauf, eine Balkonsicherung nicht zu vergessen. Außerdem sollte auch auf die Gartengestaltung geachtet werden. "Bereits ein übersichtliches Grundstück kann Einbrecher abhalten." Sehr viele Einbrüche würden zudem von wachsamen Nachbarn verhindert.

Auch wenn der Kreis der Zuhörer eher klein war, folgten am Ende eine rege Diskussion. Als Berater informiere er firmen- und produktneutral jeden, egal ob Privatperson, Firma oder Kommune - und das kostenfrei, "aber hoffentlich nicht umsonst". Im Halten von Hunden sah Melzner keinen Alarmanlagen-Ersatz, auch wenn ein Drittel aller verhinderten Einbrüche den Vierbeinern zuzuschreiben sei, weil diese aufmerksam machten. In Eslarn komme sogar eine generelle Freistellung von der Hundesteuer in Frage, sofern das Anwesen im Außenbereich liege, ergänzte Bürgermeister Reiner Gäbl.
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