Partnerschaft mit Belá: Bürgermeister wünscht sich Zusammenarbeit der Rettungsdienste
"Die Zukunft ist gesichert"

Lokales
Eslarn
16.10.2015
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Die Partnerschaft zwischen Belá nad Radbuzou (Weißensulz) und Eslarn besteht seit 25 Jahren. Dieses Jubiläum feiern die Nachbarkommunen am Samstag, 17. Oktober. Bürgermeister Reiner Gäbl blickt im NT-Interview auf die vergangenen Jahre zurück und steckt die zukünftigen Ziele ab.

Wie lebendig ist die Beziehung zu Belá noch?

Die Partnerschaft ist nach 25 Jahren noch dynamisch. Die Euphorie einer solchen Beziehung mit einer Gemeinde in einem bis dahin durch Stacheldraht getrenntem Land ist zur Normalität geworden.

Welche Ideen und Ziele wurden seit 1990 verwirklicht?

Zu nenne sind gegenseitige Besuche, intensiver Austausch mit der damaligen Haupt- und jetzigen Grundschule sowie interkommunale Projekte. Konkret fällt mir der Ausbau der Staatsstraße von Eslarn nach Tillyschanz, des Paneuroparadwegs und des Jakobs-Wegs ein. Außerdem haben wir die ehemaligen Gedenkstätte in Eisendorf mit Mitteln des Zukunftsfonds renoviert. Zum Zusammenwachsen haben sicherlich auch die zahlreichen zweisprachige Tourismus- und Wanderbroschüren sowie jeweils in den Orten mit Fördermitteln realisierte "Spiegelprojekte" gebracht. Als Beispiel dafür steht in Eslarn das "Brauereierlebnis Kommunbrauhaus".

Was hat die Partnerschaft den beiden Kommunen gebracht?

Neben den genannten tatsächlichen Projekten insbesondere eine Aufwertung der Grenzregion, weg vom Eisernen Vorhang hin zur Mitte Europas.

Welche Freundschaften sind entstanden und noch aktiv?

Am engsten ist die Verbindung des Eslarner Fremdenverkehrsvereins mit dem Touristikverein in Belá. Neben regelmäßigen Ausflügen und Treffen gibt es eine gemeinsame Line-Dance-Gruppe - Countrymusik ist in Tschechien zu Hause. Ebenfalls intensiv ist die Zusammenarbeit der beiden Schulen - die Konrektorin ist zugleich zweite Bürgermeisterin im Nachbarort.

Das ist ein gutes Stichwort. Wie haben die Bürger, Schulen und Vereine von der Partnerschaft profitiert?

Alle Bürger haben durch offenen Grenzen Vorteile. Dies führt zu mehr Freizeitmöglichkeiten und mittlerweile profitieren wir alle auch von einem gemeinsamen Arbeitsmarkt. Gerade die Kinder der beiden Schulen erleben durch den ständigen Austausch den Begriff eines vereinten Europas. Geschichte wird aufgearbeitet, Sprachbarrieren abgebaut.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Belá nad Radbuzou in den vergangenen Jahren?

Unsere tschechische Nachbarkommune hat sich prächtig entwickelt: Infrastruktur, Straßenbau und Ortsbild haben sich sichtlich verändert. Der Marktplatz und der Kirchenplatz sind zu einem wahren Kleinod geworden. Allerdings hat unser Partner mit den gleichen strukturellen Problemen zu kämpfen wie Eslarn. Libor Picka (Bürgermeister von Belá nad Radbuzou) gelingt es hervorragend, europäische und nationale Fördermittel für seine Gemeinde einzusetzen.

Hat die Partnerschaft zwischen den beiden Kommunen Zukunft?

Die Zukunft ist gesichert. Die gegenseitigen Kontakte sind seit 25 Jahren kontinuierlich vorhanden. Gerade bei offiziellen Anlässen wie Kirchweih oder dem Jahrestag der Befreiung sind wir als offizielle Gäste gerne gesehen und genießen eine unbeschreibliche Gastfreundschaft.

Was ist in den nächsten Jahren geplant, um die Partnerschaft weiterhin mit Leben zu füllen? Welche Ziele haben Sie?

Gäbl: Die unterschiedliche Sprache ist mitunter ein Problem. Deshalb setze ich auf die weitere Zusammenarbeit der beiden Schulen, eine Kooperation mit den beiden Kindergärten und einen Ausbau der Kontakte zwischen den Gemeinderäten, unter anderem durch einen regelmäßigen Austausch. Wünschenswert wäre für mich beispielsweise eine Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren oder der Rettungsdienste und eine gemeinsame touristische Vermarktung der Region. Schließlich sind die Voraussetzungen für einen sanften Tourismus am Wander- und Raddrehkreuz "Tillyschanz" ideal.
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