Vor der Kapitulation überschlugen sich die Ereignisse
Eslarn unter Beschuss

Nach einem verheerenden Granatenhagel kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kamen die ersten Kettenfahrzeuge nach Eslarn. Repro: gz
Lokales
Eslarn
23.04.2015
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Durch die Unvernunft einiger Unbelehrbarer kam es kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in der Zivilbevölkerung zu weiteren Opfern. Sinnlose Straßenbarrikaden sollten den Einmarsch der vor Eslarn stehenden Amerikaner verhindern und waren Auslöser eines gewaltigen Granatenhagels.

In den letzten Kriegstagen starben in Eslarn noch sieben Menschen. Der Zweite Weltkrieg forderte von 1939 bis 1945 an den Fronten, in Gefangenenlagern und in der Heimat alleine unter den Eslarnern 248 Opfer.

Ereignisse überschlagen sich

Nach dem die Gemeinde vom Krieg einigermaßen verschont geblieben war, überschlugen sich einige Tage vor der Kapitulation der Wehrmacht die Ereignisse. Vor 70 Jahren, am 24. April 1945, versuchten Soldaten der Waffen-SS mit Straßenbarrikaden kurz vor Eslarn den Einmarsch der Amerikaner zu verhindern und lösten dadurch einen gewaltigen Granatenhagel aus. Die tragischen Ereignisse der letzten Tage bis zum Kriegsende schilderten Oberlehrer Hans Schlemmer und Theologieprofessor Josef Hanauer in ihren Heimatbüchern. Außerdem erinnerte sich der Zeitzeuge Georg Würfl. Er war unter dem Hausnamen "Mucklschorsch" bekannt.

Mehrere Brände

Die letzten Kriegstage erlebte Würfl in seiner Heimat, wo die Kommandierenden der Schutzstaffel (SS) am 24. April gegen Mittag wegen des zu erwartenden Einmarschs der Amerikaner noch den Einsatz von Panzersperren in der Waidhauser Straße und vor Putzenried beim sogenannten "Boxberg" anordneten. Die Gegenwehr war für die Amerikaner Anlass, um Eslarn unter Beschuss zu nehmen und ausweichend mit den Panzern über Bruckhof sowie Thomasgschieß nach Eslarn vorzurücken. Die ersten Geschosse schlugen um 14 Uhr in und um Eslarn ein. Sie entfachten bei mehreren Anwesen Brände.

Die Bürger suchten in den Kellern Schutz. Rund 80 bis 100 Geschosse zerstörten zahlreiche Gebäude, ließen Brände entfachen und erdrückten den letzten Widerstand der Waffen-SS. Das Schicksal wollte es, dass sich zu der Zeit Joseph Schaller am Marktplatz aufhielt und von einem Geschoss-Splitter tödlich getroffen wurde. Ein weiteres Opfer war der Bäckermeister Johann Merold, der sich mit der Familie im Keller der Familie Würfl in der Singerstraße in Sicherheit glaubte.

Trotz der erheblichen Gefahren, von einem Splitter getroffen zu werden, stieg Johann Riederer auf den Kirchturm und hisste ein weißes Betttuch. Die amerikanischen Panzer rollten nach einigen Zögern aus in Richtung Ortsmitte und wenige Tage später weiter in Richtung des ehemals böhmischen Eisendorf.

Erschreckt und verängstigt

Zur Freude der Kinder gab es von den freundlichen Soldaten Kaugummi und mit etwas Glück ein Stück Schokolade. Zur Sicherheit verfügte die Besatzungsmacht eine 18-stündige Ausgangssperre. Der 40-jährige Landwirt Michael Rauch aus Gmeinsrieth befand sich zu Feldarbeiten auf seinem Acker. Der Eslarner wurde von den Amerikanern auf dem Feld angetroffen und aus einer gewissen Entfernung laut angesprochen. Erschreckt und verängstigt rannte der Mann in Richtung seines Anwesens und wurde auf seiner angeblichen Flucht angeschossen. Wegen der schweren Verwundung starb er noch am gleiche Tag.

Beim Spielen im Freien an der Kirche hantierten am 28. April vier schulpflichtige Kinder an einer Fundmunition. Plötzlich gab es eine verheerende Explosion, bei der sich die vier Buben schwer verletzten. Trotz ärztlicher Versorgung starben der 8-jährige Bäckersohn Andreas Merold am 8. Mai, der 13-jährige Postbotensohn Alfred Merold am 9. Mai, der 11-jährige Landwirtsohn Christian Karl am 26. Mai und der 13-jährige Landwirtsohn Joseph Leipold am 15. August.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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