Fußball
Aumann springt in die Bresche

Die Autogramme von Raimond Aumann waren in Eslarn gefragt. Aber auch mit der Unterschrift des erkrankten Javier Martínez soll der Bayern-Fanclub Eslarn noch ausgestattet werden. "Die schicken wir euch zu", kündigte er an. "So viele, dass auch das Nachbardorf versorgt werden kann." Bild: af
Sport
Eslarn
28.11.2016
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Der Bayern-Fanclub Eslarn hatte extra Fähnchen mit dem Konterfei des prominenten Besuchs anfertigen lassen, ja sogar eine Videosequenz erstellt. Auch das Goldene Buch der Marktgemeinde lag zur Unterschrift parat. Am frühen Sonntagmorgen kam aber die Absage: Javier Martínez plage ein grippaler Infekt, teilte die Bayern-Zentrale mit, der spanische Nationalspieler könne deshalb nicht zur geplanten Adventvisite in die Oberpfalz kommen.

Dem ersten Schreck folgte die Entwarnung: Damit die Feier nicht ins Wasser fallen musste, schickten die Bayern einen Ersatz los: Raimond Aumann, seit 20 Jahren Leiter der Fan-Abteilung, sprang ohne Zögern in die Bresche. "Ich kann den Javi spielerisch und optisch nicht ganz ersetzen", scherzte der Ex-Nationaltorwart vor 250 Fanclub-Mitgliedern. "Aber das Mia san Mia hätte er in Eslarn nicht verstanden."

Aumann hörte den Eslarnern nicht nur zu. Der 53-Jährige, der zwischen 1982 und 1994 in 216 Bundesligaspielen im Tor des FC Bayern stand, hatte auch jede Menge zu erzählen. Zum Beispiel, dass er "richtig froh" sei über das 2:1 gegen Leverkusen am Samstag. Denn zuletzt sei es "nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben". Aumann gab sich zwar optimistisch, dass "wir zurück in die Erfolgsspur finden". Aber die Meisterschaft sei kein Selbstläufer. "RB Leipzig ist ein ernstzunehmender Konkurrent", sagte der Weltmeister von 1990. "Die machen einen exzellenten Job." Ist Leipzig ein Titelkandidat? Aumann runzelte die Stirn: "Es kann gefährlich werden. Wir haben die Dreifachbelastung Meisterschaft, Pokal und Champions-League ..."

Apropos Königsklasse: Um die zu gewinnen, so Aumann, benötige man neben sportlicher Klasse auch Glück. "Planbar ist der Titel nicht." Bei der Top-Konkurrenz aus Spanien würde Aumann kurzerhand zu einem radikalen Mittel greifen: "Atletico ist Wahnsinn, Real und Barcelona haben viel Qualität. Am besten wäre es, zwei von denen zu disqualifizieren."

Obwohl eine ganz andere Generation, löcherten viele Kinder den "Torwart-Oldie" mit Fragen. "Wer war der beste Bayern-Trainer?", wollte ein Junge wissen. "Jupp Heynckes, weil er mich zur Nummer eins im Bayern-Tor gemacht hat." Der unangenehmste Stürmer? "Horst Hrubesch, der war ekelhaft." Nur bei einer Kernfrage gab's ein Zögern: Wer war eigentlich der stärkste Bayern-Torwart? "Da enthalte ich mich", schmunzelte Aumann, um dann doch nachzuschieben. "Sepp Maier war der Beste." Wer weiß, ob Javi Martínez den Namen überhaupt gekannt hätte.

Jupp Heynckes, weil der hat mich zur Nummer eins im Bayern-Tor gemacht.Raimond Aumann bei der Frage nach dem besten Bayern-Trainer
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