Bernd Wohlgut referiert über „Kurdistan, Hauptherkunftsland der Flüchtlinge“
Unterwegs mit Panzerwagen

Beim Vortrag über Kurdistan konnte Bernd Wohlgut im Pfarrheim auch einige Flüchtlinge begrüßen. Bild: gz
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Eslarn
06.11.2016
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"Wenn man über ein Land oder über ein Volk spricht oder schreibt, muss man selbst dort gewesen sein." Zitat: Bernd Wohlgut

"Kurdistan ist ein nicht genau begrenztes Gebiet. Es verteilt sich auf die vier Staaten Iran, Irak, Syrien und Türkei und wird von den Kurden als historisches Siedlungsgebiet betrachtet." Der Weltenbummler Bernd Wohlgut beschreibt in seinen Büchern und Vorträgen nicht nur dieses Krisengebiet, sondern führt mit den Menschen vor Ort persönliche Gespräche, taucht in deren Kulturen ein. "Was ich schreibe und erzähle, habe ich selbst erlebt."

Im Namen der Katholischen Erwachsenenbildung begrüßte Anita Weichselmann die rund 25 Zuhörer. Die Idee für den Vortrag kam ihr nach einem zufälligen Treffen mit dem Künstler Helmut Langhammer, der auf Wohlgut hinwies. "Wenn man über ein Land oder über ein Volk spricht oder schreibt, muss man selbst dort gewesen sein", stellte der Referent fest. Im Pfarrheim berichtete er über seine Reise ins Türkisch- und Irakisch-Kurdistan, über die prekäre Lage der in Iran, Irak, Syrien und der Türkei verstreut lebenden Kurden und stellte den Bildervortrag unter das Thema "Kurdistan, Hauptherkunftsland der Flüchtlinge".

Die genannten Staaten vermeiden zumeist die Bezeichnung Kurdistan oder verbieten den Gebrauch des Begriffes und so leben die Kurden neben Arabern, Persern, Aserbaidschanern, Türken, Turkmenen, Armeniern und Assyrern in einem nicht genau begrenzten Gebiet. "Da das türkisch-irakische Kurdistan kein klassisches Reiseland ist, war vor Ort ein ortskundiger Begleiter notwendig." Obwohl Wohlgut für die Reise keine Genehmigung von den türkischen Behörden bekam, machte er sich auf den Weg ins südosttürkische Diyarbakir. Über Kontaktleute schaffte er es ins Land und auch in ein Flüchtlingslager. "Wir waren ohne Schutzweste, aber mit einem gepanzerten Auto unterwegs."

"Keiner verlässt gerne die Heimat und so leben die Menschen, so lange es möglich ist, mit dem Krieg", stellte Wohlgut fest. Viele Kurden fanden vorerst im großen Flüchtlingslager in Diyarbakir vor dem Krieg eine Bleibe oder zogen weiter in die Großstädte oder in andere Länder. Nicht weniger gefährlich war es im irakischen Kurdistan, wo der Buchautor einiges über die Entwicklung der kurdischautonomen Region erfuhr. In der Hauptstadt Erbil besuchte er auch den Basar. Zu Problemen mit der Polizei kam es, als er mit der Kamera ein Bild mit dem Parlamentsgebäude im Hintergrund machte. "Plötzlich hielt ein Auto an, aus dem vier Männer heraussprangen und mich umringten." Da er vor der Prüfung einiges löschen konnte, blieb die Kontrolle ohne Folgen.

"Es ist wie auf einem Basar. Jeder feilscht unter der Decke um die Gebiete der Kurden", blickte er in die Zukunft des kurdischen Volkes. Die Kurden möchten einen autonomen Staat in einem föderativen System, was die Türkei ablehnt. Mit Vorträgen möchte Wohlgut auf die unmenschliche Lage der Flüchtlinge hinweisen. "Denn es ist wichtig, dass die Menschen ein Gefühl dafür bekommen, warum viele ihr Land verlassen."

BiografieDer Weltenbummler Bernd Wohlgut hat eine ungewöhnliche Biografie. Der 48-Jährige stammt aus Pressath und arbeitet seit über 10 Jahren als Zivilangestellter bei der US-Armee am Truppenübungsplatz in Grafenwöhr. Bevor er als Zivilist zur US-Armee ging, war er 20 Jahre in der ostbayerischen Wirtschaft tätig. In den 1990er Jahren absolvierte er die Weiterbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten und war hierzu unter anderem mehrere Wochen auf privaten Sprachschulen in London.

Der sehr an Zeitgeschichte und Politik Interessierte wurde durch die Erzählungen der US-Soldaten von ihren Einsätzen inspiriert. Dies ermutigte Wohlgut, in ungewöhnliche Gebiete zu reisen und seine Erfahrungen, Erlebnisse und die geführten Gespräche in Vorträgen und Büchern zu veröffentlichen. Sein ungewöhnliches Hobby zog den Pressather bereits in viele Krisengebiete in der Welt wie Afghanistan, Pakistan, Sudan und Äthiopien. Positive Rückmeldungen hat er unter anderen von der "Kurdischen Gemeinde Deutschland", der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und für bedrohte Völker sowie von verschiedenen Organisationen für Menschenrechte erhalten. (gz)


Wenn man über ein Land oder über ein Volk spricht oder schreibt, muss man selbst dort gewesen sein.Bernd Wohlgut
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