Heimatverein „Eisendorf und Umgebung“ blickt auf 110 Jahre altes Kreuz
Wunder am Steinock

Die ehemaligen Eisendorfer erinnern sich an die schönen Stunden am Steinock-Kreuz. Bild: gz
Vermischtes
Eslarn
18.07.2016
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Das "Steinock-Kreuz" in Eisendorf (Železná) grüßt seit 110 Jahren aus Böhmen in Richtung Bayern. Es überstand sogar die Zeit des Kalten Kriegs.

Landwirt Johann Siegler hatte es nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" im Auftrag des Heimatvereins "Eisendorf und Umgebung" restauriert. Die Familie Siegler mit Hausnamen "Mucke" wohnte in Eisendorf. Der Hof mit der Hausnummer 80 befand sich ortseinwärts links nach dem Mühlweiher (Eisendorfer Weiher), direkt an der Abzweigung nach "Dianaberg".

Zu den landwirtschaftlichen Grundstücken von Josef Stiegler gehörte die Anhöhe "Steinock" am nördlichen Ortsrand, zu der die "Heitgaß" hinauf führte. Der Landwirt rodete die mit Schlehdornsträuchern, Ulmen und Buchen verwucherte Fläche und sprengte die vorhandenen Felsformationen.

Eisengießerei Rozmital


Die Arbeiten seines Vaters vollendete Hofnachfolger Johann Nepomuk Siegle. Auf der höchsten Erhebung von Eisendorf errichtete Siegler ab 2005 eine Betonplatte und stellte auf diese 2006 ein vier Meter hohes in Balkenform gegossenes Eisenkreuz. Das Kreuz stammte aus der bischöflichen Eisengießerei Rozmital und wurde vor 110 Jahren mit dem Christuskorpus an "Christi Himmelfahrt" eingeweiht.

Der mit 81 Jahren verstorbene Erbauer hinterließ für seine böhmischen Landsleute ein begehrtes Ausflugsziel. Das große Kreuz am Hausberg im böhmischen Eisendorf war für viele auch ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung. Alljährlich traf sich die Bevölkerung auf der Anhöhe zum Erntedankfest und zu Andachten.

Vor Ort erinnerte man sich an die Brandkatastrophe am 15. Juli 1898, bei der innerhalb weniger Minuten 58 Häuser und das Dach der Kirche in Flammen standen. Durch den Brand wurden 115 Familien, über die Hälfte der Einwohner, obdachlos. In den Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges trafen sich am Kreuz zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten deren Angehörige. Der Aussichtspunkt mit weitem Blick ins Landesinnere entwickelte sich für die ehemaligen Bewohner von Eisendorf zur Kulturstätte.

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs waren die Enteignung und die Zwangsaussiedelung ab 1946. Als unmittelbar am Standort des großen Kreuzes die tschechoslowakischen Grenztruppen einen hohen Aussichtsturm errichteten, fürchteten viele Beobachter von der deutsch-tschechischen Grenzlinie aus den Fall des "Steinock-Kreuzes". Wie ein Wunder ließen die Grenzsoldaten entgegen der gesprengten Pfarrkirche, vieler abgerissener Häuser und der Auflassung des Friedhofs das Kruzifix an Ort und Stelle stehen und verrückten sogar den Turm um einige Meter.

Probebohrungen sichtbar


Bei der Grenzöffnung 1989 konnte man die Probebohrung in der Nähe des Kreuzes noch sehen. Mit Treffen hielt bis heute vor allem der Heimatverein "Eisendorf und Umgebung" das Gedenken aufrecht. Es kam zur Wiederbelebung der Stätte am Steinock. Bei der vergangenen Zusammenkunft erinnerte der Ehrenvorsitzende Josef Hoffmann im Beisein des Ortsbetreuers Waldemar Hansl an die Sanierung des Kreuzes.

Der 130 Kilogramm schwere Christuskorpus wurde drei Jahre nach der Grenzöffnung auf Initiative des verstorbenen Ortsbetreuers Toni Ziegler und im Einvernehmen mit der tschechischen Gemeinde Belá nad Radbuzou durch Hans Poingfürst restauriert und 1993 erneut gesegnet. Die baufälligen Sitzbänke von 1991 tauschte Josef Hoffmann mit zwei neuen Bänken aus. "Alle werden wir älter, auch die Erinnerungen in uns", stellte Monsignore Pfarrer Gerhard Hettler aus Passau fest.

In einem Gedicht beschrieb Friedrich Reichl von der ehemaligen Buchermühl in Neudorf (Rittermeisterhaus) die Geschehnisse aus Sicht des Kreuzes: "Ein Wunder ist geschehn, ich durfte immer noch am Steinock stehn. Sah die Zeit vergeh'n, dunkle Wolken vorüber zieh'n und die Menschen durften ihre Heimat nur aus der Ferne seh'n. Der Sperrzaun ist gefallen, kein Stacheldraht steht mehr dort, frei ist nun wieder der Weg zu unserem Heimatort."
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