Hopfenanbau in Eslarn
Dem Himmel entgegen

Es waren die Eltern und Großeltern, teilweise noch deren Verwandte, die zum Hopfenzupfen in die Hallertau gewandert waren. Repro: gz
Vermischtes
Eslarn
17.05.2016
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Wer das "Grüne Gold" sprießen sehen möchte, dem gibt Eslarn am kleinen Hopfengarten am Kommunbrauhaus eine Gelegenheit. In der Gemeinde bauten früher sogar einige Bauern Hopfen selbst an.

Am Kommunbrauhaus wird unter dem Sprichwort "Dem Himmel entgegen" an die alte Tradition erinnert. Laut dem Geschichtsforscher Josef Hanauer wurde vor Jahrhunderten in der Gegend um Eslarn Hopfen angebaut. Der Grund lag in einem eigenen Brauhaus um 1522 und vielen Hausbrauern.

Eigene Hopfengärten hatten um 1550 die Eslarner Jorg Kaiser im Lechloe und 1673 der Metzger Stephan Griesl neben der "Fidlpaindt". Im Dezember 1757 bauten Georg Karl in Passenrieth und Wolf Urbanisch in Roßtränk jeweils 100 Hopfenstöcke sowie in Eslarn Andre Bauriedl über 100 und Stephan Bauriedl über 70 Stöcke an.

Anregung der Regierung


Das größte Feld mit 200 Stöcken hatte der Ortspfarrer, der dem Beispiel der Klosterbrauereien folgte und eigenes Bier herstellte. "Der Anbau geschah allerdings weniger aus eigenem Entschluss der Grundbesitzer, sondern auf Anregung durch die Regierung", schrieb Hanauer ins Heimatbuch. Schnell wurde die Region um Sulzbach und Amberg zum größten Hopfen-Anbaugebiet in Deutschland und die Stadt Nürnberg das größte Hopfenzentrum der Welt. Von dort gelangte das Produkt bis nach Übersee.

Auch viele Landesfürsten oder Gelehrte sprachen sich für den Anbau von Hopfen aus, um damit den Wohlstand des Volkes zu heben und dem Staat bessere Steuereinnahmen zu sichern. Die Empfehlung löste 1860 einen wahren "Goldrausch" aus. Ein Zentner Hopfen wurde zum Rekordpreise von bis zu 500 Mark gehandelt. Das damaligen Jahreseinkommen lag bei 600 Mark. Die Phase des Oberpfälzer Hopfens dauerte allerdings nur recht kurz, da die Hallertau mit ihren ertragreichen Böden in den Wettbewerb eintrat.

Der Hopfen will nach Feststellung der Bauern jeden Tag seinen Herrn sehen. Die Stecklinge müssen im Frühjahr in den Boden, werden im Uhrzeigersinn um die Kletterhilfen gelegt und wachsen bis Ende Juli auf eine Höhe von rund sieben Metern. Da viele Bauern wegen der mittlerweile spärlichen Erträge und der arbeitsintensiven Instandhaltung der Hopfengärten gegen den Anbau waren und den Getreideanbau bevorzugten, versiegte in den folgenden Jahrzehnten gerade in der Oberpfalz die Lust am Hopfenanbau.

Die Hallertau wurde um 1900 zum deutschen Hopfenzentrum. Viele Frauen aus der Oberpfalz seien zu Fuß nach Nieder- und Oberbayern marschiert, um bei der Ernte mitzuhelfen und ein paar Groschen zu verdienen. Als am 1. Oktober 1908 die Bahn auch Eslarn erreichte, brauchten die Hopfenpflücker aus dem Grenzland nicht mehr mit dem Fahrrad oder zu Fuß, sondern reisten auch mit dem "Eslarner Bockl" zum Pflücken an.

Allerdings gab es einen kleinen Haken: "Vorm Krieg san d'Leid midn Radl ins Oberboarische zum Hopfazupfa gfoan. Midn Zug hams ned foan kenna, weil des mehr koast häd wies verdeant ham", erzählten Zeitzeugen. "Auch während des Krieges waren wir beim Hopfenzupfen und haben pro Metzen 60 Pfennig erhalten", sagte Lina Forster, die als 15-Jährige mit weiteren Frauen jeweils zwei Wochen unterwegs war. Pro Tag schaffte ein Zupfer rund 6 Metzen (1 Scheffel), fügte die heute 89-Jährige an. Das Quartier auf einem Strohlager im Stall war zwar einfach, aber trocken. Zeitweise kamen über 200 000 Hopfenzupfer in die Hallertau, mehr als dort wohnten.

Verschiedene Sorten


An den Hopfenanbau in Eslarn erinnert heute ein kleiner Hopfengarten am Museum "Biererlebnis Kommunbrauhaus", wo die amerikanische Sorte Cascade, der Hopfen Merkur vom deutschen Forschungsinstitut, der Tettnanger aus Baden-Württemberg und vor allem der Mittelfrühe aus dem bayerischen Hallertau in die Höhe sprießen.

"Der Bayerische Hopfen ist nicht nur der Beste, sondern ist auch ein Bestandteil im Eslarner Kommunbier", wissen die örtlichen Bierbrauer. Der Hopfen wird heute vakuumverpackt angeliefert und ist daher länger haltbar. Bleibt abzuwarten, welche Sorte am Kommunbrauhaus am schnellsten wächst. . .
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