Küchel zu Kirchweih
Übung macht den Kringel

In 180 Grad heißem Fett bäckt Sieglinde Reindl die "Ausgezogenen" heraus. Bilder: ehi (2)
Vermischtes
Eslarn
08.10.2016
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Mit Puderzucker schmecken die Küchel am besten.

Bei Sieglinde Reindl riecht es köstlich nach gebackenem Hefeteig. In der Küchenmaschine dreht schon die nächste Ladung ihre Runden. Der Teig ist geschmeidig und klebt nur noch ganz leicht an den Fingern. So ist er perfekt.

Die Suche nach jemandem, der jetzt zur Kirwazeit noch selbst Kücheln backt, war nicht leicht. "Rufen Sie doch Sieglinde Reindl an. Sie macht auch für uns immer welche", gab Kreisbäuerin Christa Kick den entscheidenden Tipp. "Der Nachwuchs fehlt", bedauert auch Reindl, dass immer weniger junge Menschen diese Tradition fortführen.

Dabei ist das gar nicht so schwer. Reindl rät, nach dem ersten Versuch nicht aufzugeben, auch wenn die Schmalzkringel vielleicht nicht ganz so gut geworden sind. "Übung macht den Meister." Das Gefühl für die richtige Teigkonsistenz müsse sich genauso erst entwickeln, wie die richtige Technik beim Ausziehen, wie das Formen der Kücheln genannt wird.

Geheimes Rezept


Die genaue Zusammensetzung ihrer Mischung verrät Reindl nicht - jede Bäckerin hat ihre Geheimnisse. Nur so viel sei gesagt: Es handelt sich um einen klassischen Hefeteig, den sie im Laufe der Jahre verändert hat. "Ich habe viel ausprobiert und andere Frauen gefragt, was sie reintun." Wichtig beim Hefeteig sei vor allem, dass er genug Zeit zum Gehen bekommt. "Und er darf nicht zu klebrig sein. Wenn er sich beim Rühren selbst vom Schüsselrand löst, passt er."

Zum Gehen stellt Reindl die Teigschüssel in den Ofen. "Auf 50 Grad - nicht wärmer - heizen und dann ausschalten", rät sie. Weiterverarbeiten kann sie ihn nach erfolgreicher Fingerprobe: Bleibt der Abdruck sichtbar und schließt sich nicht sofort wieder, kann es weitergehen. "Das hat man irgendwann im Gefühl." Im Anschluss nimmt sie in jede Hand etwas Teig. "Je nach Größe der Kücheln zwischen 35 und 45 Gramm." In der hohlen Hand rollt sie die Portionen auf der Arbeitsfläche zu Kugeln. "Schleifen" nennt sie das. "Mit nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Druck." Anschließend müssen die Kugeln wieder gehen - am besten auf einem bemehlten Backblech im warmen Ofen.

"Im Sommer tut es aber auch ein sonniges Fensterbrett, im Winter zum Beispiel der Ofen." Ist die Fingerprobe dann positiv, kommt der - für einen Anfänger - schwierigste Teil: das Ausziehen. Reindl nimmt eine Teigkugel in beide Hände. Zwischen Daumen und Zeigefingern formt sie den Rand, die restlichen Finger ziehen und formen das dünne Innere des Küchels. "Man muss sich nur trauen." Anschließend kommen die Ausgezogenen, wie man sie in Oberbayern nennt, ins 180 Grad heiße Fett einer Fritteuse. "Die hat den Vorteil, dass die Temperatur immer gleich bleibt." Ein großer Topf tut es auch.

Geruch lockt an


Bei den vergangenen Eslarner Heimatfesten haben die Landfrauen die Küchel in einer großen Pfanne herausgebacken. "Der Geruch lockt immer jede Menge Menschen an", erzählt Reindl. "Die Seite die beim Ausziehen zu einem zeigt, schwimmt erstmal oben", erklärt sie weiter. Haben die Gebäckstücke außen die richtige Farbe, "nicht zu hell, nicht zu dunkel, aber das ist Geschmackssacke", dreht Reindl sie um. "Ich benutzte dazu eine Zange, es geht aber auch mit der Gabel. Da sieht man aber die Einstichlöcher." Wichtig: beim Wenden sollte kein Fett in die Mitte der Küchel kommen, sonst werden sie dort braun. Haben sie auf der zweiten Seite auch die richtige Farbe bekommen, sind sie fertig.

"Küchel kann man auch gut einfrieren", erklärt Reindl. "Zum Auftauen einfach kurz in den Ofen oder in die Sonne stellen. Dann mit Puderzucker bestreuen. Sie schmecken wie frisch gebacken."
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