Managementplan für FFH-Gebiet Fahrbachtal übergeben
Aktiver Naturschutz

Andreas Hermer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (rechts) überreichte im Fahrbachtal Bürgermeister Reiner Gäbl den Managementplan für das FFH-Gebiet. Bild: rti
Vermischtes
Eslarn
07.04.2016
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Im Fahrbachtal bei Eslarn gibt es viel zu entdecken. Ein Managementplan soll helfen, diesen wertvollen Lebensraum zu erhalten.

Die Ausweisung von FFH-Gebieten löste zur Jahrtausendwende kontroverse Diskussionen aus. Viele Kommunen und Grundstückseigentümer stemmten sich dagegen. Laut Bürgermeister Reiner Gäbl war dies in seinem Markt nicht so: "Wir haben uns schon immer aktiv für solche Gebiete ausgesprochen." Neben Naturschutz nennt er den sanften Tourismus als den ausschlaggebenden Grund.

444 Hektar


Das Fahrbachtal mit einer Ausdehnung von 444 Hektar wurde 2003 als FFH-Gebiet ausgewiesen. Es reicht vom Grenzübergang Tillyschanz über die Talauen des Fahrbachs nach Süden bis hinauf zum Eulenberg. Der größte Teil liegt dabei im Landkreis Neustadt.

"Die Naturlandschaft beherbergt eine Vielzahl an wertvollen Auenlebensräumen, Erlen-Eschen-Auwäldern und Buchenwald-Lebensräumen. Das Gebiet stellt somit einen wichtigen Trittstein im Biotopverbund mit den umliegenden Natura-2000-Gebieten der Region, aber auch mit denen in Tschechien dar", erklärt Andreas Hermer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Er ist der zuständige Natura-2000-Gebietsbetreuer (Infokasten) .

Für jedes FFH-Gebiet werden in Bayern seit einiger Zeit Managementpläne ausgearbeitet. Darin sind Erhaltungsziele und -maßnahmen für das jeweilige Gebiet festlegt. Zudem haben Fachleute Lebensraumtypen und Arten kartiert. "Die Ausführungen sollen Rechtssicherheit schaffen und aufzeigen, wo die Schutzgüter sind", erläutert Hermer, als er den fertiggestellten Managementplan für das Fahrbachtal an Bürgermeister Gäbl überreicht.

Eines der Schutzgüter ist beispielsweise der Waldmeister-Buchenwald. Er sollte in seiner momentanen Größe im FFH-Gebiet erhalten bleiben. Allerdings könnten Schutzgüter auch miteinander konkurrieren. Zu nennen sind hier der Biber auf der einen und Flachland-Mähwiesen auf der anderen Seite. Durch seine Staudämme setzt der Nager viele Flächen unter Wasser. "Wie man dann in solchen Fällen verfährt, sind immer Einzelfallentscheidungen", erklärt Hermer. Dabei ergänzt Rathauschef Gäbl, dass "wir private Interessen natürlich auch immer mitberücksichtigen müssen".

90 Prozent des Fahrbachtals betreut der Forstbetrieb Flossenbürg der Bayerischen Staatsforsten. Hermer betont, dass dadurch auch der Erhalt der Waldlebensraumtypen gesichert sei. So würden alte Laubbäume für Fledermäuse und Spechte bewahrt und Totholz im Wald belassen. Außerdem würden Landwirte die besonders gut ausgeprägten mageren Flachland-Mähwiesen und Borstgrasrasen extensiv bewirtschaften, um diese in einem günstigen Zustand zu erhalten.

Hermer stellt klar, dass für private Grundeigentümer der Managementplan keine unmittelbare Verpflichtung begründet. Es gelte lediglich das Verschlechterungsverbot. "Dies bedeutet, dass keine Schutzgüter zerstört werden dürfen." Als Beispiel nennt er die Umgestaltung einer mageren Flachland-Mähwiese zum Acker. "Es soll aber keine Käseglocke über das Gebiet gelegt werden. Die Bewirtschaftung soll nicht verhindert werden."

Managementplan liegt aus


Herausgeber des Managementplans ist das AELF. Das Papier haben die zuständigen Fachbehörden erarbeitet und mit den Grundstückseigentümern, Verbänden und Bürgern bei einem Runden Tisch im September 2015 diskutiert. Der Plan kann im Rathaus Eslarn, bei der Unteren Naturschutzbehörde sowie am AELF Weiden, Außenstelle Bereich Forsten in Pressath, eingesehen werden. (Nachgefragt)

Natura 2000Unter dem Namen "Natura 2000" versteht man ein europaweit zusammenhängendes ökologisches Netz aus Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) und Vogelschutzzonen. Welche Gebiete für dieses Netz geeignet sind, bestimmen zwei Richtlinien. Darin werden Arten und Lebensraumtypen genannt, welche besonders schützenswert sind und für die ein Schutzgebietsnetz aufgebaut werden soll.

Im Landkreis Neustadt gibt es 14 FFH-Gebiete, die sich teilweise mit Vogelschutzzonen überschneiden. Größtes FFH-/Vogelschutzgebiet ist der US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr mit über 19 000 Hektar. (rti)
Es soll keine Käseglocke über das Gebiet gelegt werden. Die Bewirtschaftung soll nicht verhindert werden.Andreas Hermer, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Biber bereitet Probleme

Eslarn. (rti) Der Forstbetrieb Flossenbürg betreut 90 Prozent des FFH-Gebiets Fahrbachtal. "Grundsätzlich ist der Managementplan eine gute Sache. Aber letztendlich geht es immer darum, Naturschutzinteressen und Nutzung aufeinander abzustimmen", erklärt Leiter Stefan Bösl auf NT-Nachfrage.

Die größten Problem im Fahrbachtal bereite der Biber. Besonders auch weil durch das Gebiet ein Radweg verläuft und der Nager durch seine Aktivitäten diesen oft beschädigt. "Da alle Interessen unter einen Hut zu bringen, ist sehr schwierig." Es werde darauf hinauslaufen, dass sich der Mensch in einigen Jahren aus der Nutzung der Talauen im Fahrbachtal zurückziehen müsse, und sie dem Nager überlasse.
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