„Wennt’s uns niat drei Oier gebt’s, dann kimma nimmer singa“
Etzelwang setzt Oiersingern ein Denkmal

Kein Balkon und kein Fenster ist zu hoch für die bestens ausgerüsteten Oiersinger. Ein laut schallendes "Dank schön!" gab es für all jene, die mit kleinen Spenden in der Nacht zum Ostermontag diesen Brauch unterstützen und damit ein Stück Geschichte in Etzelwang am Leben erhalten. Bilder: csk (2)
Vermischtes
Etzelwang
31.03.2016
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Sie bitten um Brot, Eier und ein wenig Geld. Zu einem Schnäpschen sagen sie auch nicht Nein. Was die Geber dafür erwarten dürfen? Ein Lied auf jeden Fall, und eine unterbrochene Nachtruhe vielleicht auch noch.

Durch das ganze Dorf hörte man in der Nacht zum Ostermontag wieder die Bittgesänge der Oiersinger schallen. Schon über viele Jahrzehnte wird dieser Brauch in Etzelwang praktiziert. Seit kurzem schmückt ein Brunnen, der eigens für diese Tradition von Künstler Peter Kuschel geschaffen wurde, den neu gestalteten Dorfplatz.

Dorthin hatte Bürgermeister Roman Berr am späten Abend des Ostersonntags Gemeinderäte, Bürger und die Oiersinger geladen, um den Brunnen offiziell einzuweihen. Er freue sich, dass die Tradition jetzt auch ein für jedermann sichtbarer Bestandteil des Dorfes ist. "Der Brunnen kommt auch bei auswärtigen Wanderern gut an, die schon das ein oder andere Selfie mit dem Kunstwerk gemacht haben", berichtete er seine Beobachtungen. Finanziert wurde der Brunnen aus den Einnahmen der 950-Jahr-Feier 2009.

Nach einer kleinen Feierstunde machten sich die rund 40 Oiersinger dann auf den Weg zu ihrer Runde durch das Dorf. Mit der Bitte "Wennt's uns niat drei Oier gebt's, dann kimma nimmer singa" machten sie Halt vor jedem Haus und hofften auf kleine Gaben. Zum Beispiel Eier, Brot, Hochprozentiges oder Geldspenden, die dem Kirwa-Verein Etzelwang zukommen.

Viele Bürger blieben in der Nacht wach oder ließen sich von den Gesängen wecken, um den Oiersingern ihre Gabe persönlich zu überreichen. Andere wieder bevorzugten die Ruhe und platzierten ihre Spende in einer Tüte vor dem Hauseingang. Nach etwa drei Stunden und unzähligen Strophen des Gesangs trafen sich die Burschen und Moila am Ende ihrer Runde im Etzelwanger Dorfcafé, in ihren Körben und Bollerwägen die Ausbeute der Nacht. Diese wurde an Ort und Stelle zu einer deftigen Brotzeit als Belohnung für die Mühe verarbeitet.

Nach der nächtlichen Feierstunde kehrte wieder Ruhe ins Dorf ein. Bis nächstes Jahr, wenn sich die Oiersinger wieder auf den Weg machen.
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