"30 Jahre floss kein Geld"

BBV-Geschäftsführer Hans Winter (rechts) und Landwirt Hans Beutner berichteten von der Informationspolitik zum Projekt Ostbayernring. Bild: war
Lokales
Etzenricht
12.12.2015
3
0

Intensiven Diskussionsbedarf gab es bei der Gebietsversammlung des BBV in Etzenricht. Geschäftsführer Hans Winter und Landwirt Hans Beutner informierten über die aus ihrer Sicht schlechte Informationspolitik von Netzbetreiber Tennet zum Ostbayernring.

Hans Winter, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, informierte über die Sichtweise des Verbands und die Infoveranstaltung von Tennet. Bekanntlich führt die 185 Kilometer lange Trassen-Variante des Ostbayernrings von Redwitz nach Schwandorf - somit durch den Landkreis Neustadt und die Stadt Weiden.

Der Neubau der Stromtrasse verlaufe neben der bestehenden, die Masten würden im Schnitt zehn Meter höher als die bisherigen - die Sockelfläche größer. Das Raumordnungsverfahren laufe bereits. Sie ist auf der Homepage der Regierung der Oberpfalz abrufbar und endet am Freitag, 29. Januar. Dieser Termin führte zu Kritik. Hans Winter empfand das Zeitfenster wegen der anstehenden Feiertage als zu klein. Landwirt Hans Beutner berichtete von seinen Erfahrungen aus Oberwildenau, Rothenstadt, Hannersgrün, Luhe, Kohlberg, Neudorf, Engleshof, Mallersricht, Frauenricht, Neunkirchen, Mantel, Kaltenbrunn und Etzenricht. Er bemängelte, dass es keine ausreichend detaillierten Pläne gegeben hätte.

Entschädigung zu niedrig

Erst auf Rückfrage sei ihm ein Gesprächspartner für seine finanziellen Anliegen vorgestellt worden. "Die genannten Beträge für Entschädigungen pro Quadratmeter Land und für die Masten entsprachen nicht annähernd meinen Erwartungen und deckten sich auch nicht mit Zahlen, die mir aus zurückliegenden Flurbereinigungsprojekten bekannt sind", betonte Beutner. Aus der Versammlung meldete sich ein betroffener Landwirt, dem ein Preis von einem Viertel des von Beutner genannten Betrags für die Entschädigung genannt wurde. "Mir wurde gesagt, die Preise wären mit dem BBV-Dachverband bereits abgestimmt", wetterte der Etzenrichter. "Es gibt keine Rahmenvereinbarungen", widersprach Hans Winter der Aussage des Tennet-Mitarbeiters.

"Es geht ins Raumordnungsverfahren und wir wissen nichts Konkretes, niemand konnte mir erklären wo die neuen Masten stehen", monierte Beutner und ergänzte: "Wenn die Planfeststellung läuft, können wir ohnehin kaum mehr Einfluss nehmen". Breuner vermute, dass die Details wie Leitungsverlauf und Masten-Platzierung bereits in der Schublade lägen, nur noch nicht an die Öffentlichkeit weitergereicht werden.

Zustimmung vom BBV-Geschäftsführer erhielt Hans Beutner auch für seine Forderung, mit Blick auf die Nachfolgegeneration auf den Höfen eine jährliche Pacht auszuhandeln. Bei einmaligen Zahlungen sei zu bedenken, dass diese nur auf einen Zeitraum von 20 Jahren hochgerechnet werden. Die jetzige Trasse besteht seit 50 Jahren, "für 30 Jahre floss kein Geld". Zudem wurde die Frage laut, was mit der alten Trasse und den Masten passiere, wenn das Vorhaben Ostbayernring durchgesetzt werde. Beutner und andere Bauern befürchten, dass diese für die bis 2022 entstehende Gleichstromtrasse Verwendung finden. Aktuell sei vorgesehen, dass ein Rückbau der alten Strommasten und eine Aufforstung der betroffenen Waldflächen folge.

Allgemeiner Mindestlohn

Der BBV-Sprecher informierte über Veränderungen der Beiträge zur Berufsgenossenschaft und die neu geschaffene Möglichkeit, diese aufzusplitten. Erst 2018 werde der Stundensatz auf einen allgemeinen Mindestlohn angehoben. Weiter wurde die von der Diözese Regensburg ins Leben gerufene Beratungsstelle für bäuerliche Familien vorgestellt. Leiter Harald Staudinger berät Betroffene bei Problemen mit Hofübergaben oder finanziellen Schwierigkeiten.

Albert Gollwitzer aus Eslarn, Mitglied des BBV-Kreisvorstands, referierte zu agrarpolitischen Themen. Er stellte eine 17 Punkte umfassende Agenda zum "Projekt Umweltschutz geht nur mit den Bauern, nicht gegen sie" vor. Technische Änderungen in der Dünge-Verordnung, bürokratischer Mehraufwand und Sperrfristen für die Aufbringung vor Ort waren in den Vortrag eingebunden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.