Es darf kein bisschen mehr sein

Aus und vorbei. Die Metzgerei Braun hat ihre Filiale in Etzenricht geschlossen. Damit ist nicht nur für Senioren ein wichtiger Platz zum Einkaufen und für ein kurzes Schwätzchen weggfallen. Bild: war
Lokales
Etzenricht
10.07.2015
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Die letzte Metzgerei im Ort hat zugesperrt, die Kühltheke bleibt leer. Roland Brauns Entscheidung, die Filiale in der Weidener Straße zu schließen, kam für Kunden, Hauseigentümer und Gemeinde überraschend.

Nach der Aufgabe der Bäckerei Kern hat nun der letzte Einzelhandelsladen im Zentrum, in dem es auch noch Grundnahrungsmittel zu kaufen gibt, dicht gemacht.

Braun führt den Umsatzrückgang als Grund für die Schließung an. Andere Läden in der Nachbarschaft machten dicht, und die Bank gegenüber habe ihre Öffnungszeiten eingeschränkt. Das habe auch Auswirkungen auf seine Kundenfrequenz.

In die Ausstattung der Filiale hätte er mehr investieren müssen, als es sich rechne, meinte Braun. Außerdem sei es sei schwer, Personal zu finden, ergänzte der Firmenchef. "Das Handwerk ist derzeit nicht so gefragt." Brauns Betrieb mit Stammsitz Weiherhammer hat 23 Beschäftigte, darunter auch Kollegen, die schon ihr ganzes Leben hier arbeiten. Die zwei Verkäuferinnen und die Aushilfe, die zuletzt in Etzenricht die Kunden bedienten, hat Braun an anderer Stelle eingesetzt. Weitere Schließungen seien nicht geplant, sagte Braun, der auch in Weiden einen Laden betreibt. "Mir tut es schon leid um die Leute, die nicht mehr im Ort einkaufen können", bedauerte Bürgermeister Martin Schregelmann. Die Nachricht von der Schließung erreichte ihn im Kurzurlaub in der Partnergemeinde Algund. 2014 habe der Gemeinderat einen eigenen Ausschuss zur Belebung des Ortskerns gegründet, da immer mehr Geschäfts- und Wohnhäuser leer stehen. Der bekommt nun noch etwas mehr Arbeit. Schregelmann: "Ich hege schon die Hoffnung, dass wieder jemand reinkommt." Eine andere Hoffnung sei, dass Edeka sich für Etzenricht entscheide.

Hausbesitzer hofft

Mit Brauns Rückzug endet auch für Hausbesitzer Albert Bergler überraschend eine fast 60-jährige Beziehung. Das 1908 aufgestockte Gebäude beherbergte lange Jahre Gastwirtschaft und Metzgerei. Als der Vater starb, war Bergler noch ein kleiner Bub. Die Mutter war weitschichtig mit den Brauns verwandt und bezog fortan von ihnen Fleisch und Wurst für den Verkauf. Später übernahm der Metzger den Laden in Eigenregie.

Wie es mit dem Haus weitergeht ist Bergler noch nicht klar. "Für ein Mietshaus müsste man zu viel umbauen. Das ist ein Geschäftshaus mit großen Räumen." Der Ortskern sei jetzt wie ausgestorben. Auch deshalb hofft Bergler, dass er wieder einen Interessenten für den Laden findet.
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